Daimler-Trucks Ingenieure versuchen, sich in dicke Kunden hineinzuversetzen

Das Geschäft für Dicke wird oftmals stiefmütterlich behandelt. Das will Daimler  ändern. Mit Hilfe eines „Korpulenzanzuges“ sollen sich Ingenieure nun besser in fettleibige Kunden hineinversetzen können. Insbesondere Trucker-Fahrer sollen davon profitieren.

Trucker haben ihre Lieblings-Brummis gewählt
Wie 2011 hieß der Sieger bei den Fernverkehrs-Lkw Mercedes-Benz Actros. Der Actros siegte auch bei den Kippern bis 32 Tonnen.
Mercedes gewann außerdem mit dem Sprinter (Transporter/Lkw bis 3,5 Tonnen) ... Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler
... und dem Tourino in der Kategorie Midibusse.
Auch der Mercedes Citaro lag bei den Stadtlinienbussen vorne. Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler
MAN siegte zusammen mit der Tochter Neoplan in den Kategorien Transporter/Lkw bis 7,5 Tonnen (MAN TGL) ... Foto: Auto-Medienportal.Net/MAN
... und Verteiler-Lkw (MAN TGM).
In der Kategorie Überlandbusse siegt der MAN Lion’s Regio. Foto: Auto-Medienportal.Net/MAN

„Irgendwann macht es einfach klick im Kopf“, sagt Richard Sauerbier. Der Entwicklungsingenieur ist für den Bereich Interieur und Ergonomie bei Daimler zuständig und musste feststellen, dass es seinen schlanken Kollegen schwer fällt, sich in fettleibige Menschen hineinzuversetzen. Mit Hilfe des „Obesity Suit“ sollen Ingenieure bei der Konstruktion und Gestaltung von Trucks neue Erkenntnisse erlangen. Fahrzeugdetails können aufgrund gewonnener Erfahrungswerte so konstruiert werden, dass Übergewichtige besser zurechtkommen und es auf der "Straße" leichter haben.

So essen die Deutschen am liebsten
FleischDie Deutschen lieben Fleisch. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bundesagrarministers Christian Schmidt (CSU) kommen bei vier von fünf Deutschen (83 Prozent) Fleisch und Wurst mehrmals in der Woche auf den Tisch. Quelle: AP
GeschlechtsunterschiedeBesonders Männer und Bürger aus den neuen Bundesländern bestehen auf ihr tägliches Schinkenbrötchen und ihr Schnitzel. Insgesamt ernähren sich Frauen gesünder als Männer. Schmidt sprach insgesamt von einem „eigentlich ziemlich guten Befund“. Gemeinsam mit Forsa-Chef Manfred Güllner bescheinigte der Minister den Deutschen bei ihrem Ess- und Konsumverhalten die Note 2 bis 3. Das Klassenziel sei erreicht, einige Werte müssten aber noch verbessert werden. Quelle: Fotolia
PastaLaut dem Ernährungsreport 2016 ist das Lieblingsgericht der Deutschen aber nicht Wurst oder Steak, sondern Pasta. Die dann vermutlich mit Hackfleischsauce. 35 Prozent nennen Spaghetti, Spätzle & Co als Lieblingsgericht. Quelle: AP
LieblingsessenWeitere Lieblingsgerichte nach Nudeln sind Gemüse- und Kartoffelgerichte (18 Prozent) sowie Fischgerichte (16). Salat bezeichneten 15 Prozent als ihre Leibspeise, das Schnitzel nannten nur elf Prozent. Quelle: dpa
Vegetarier und VeganerNur drei Prozent der Deutschen verzichten ganz auf Fleisch und Wurst. Nur sechs Prozent der Frauen und lediglich ein Prozent der Männer geben an, nie Fleisch oder Wurst zu essen, wie aus von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) vorgelegten „Ernährungsreport 2016“ hervorgeht. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Bio-LebensmittelIm Trend liegen eine artgerechte Tierhaltung sowie Regionales: Fast alle Befragten wären bereit, für Fleisch aus tiergerechter Haltung mehr zu zahlen. 86 Prozent der Verbraucher sind für ein besseres Einkommen der Landwirte. Etwas mehr als drei Viertel legen zudem Wert darauf, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Quelle: dpa
EinkaufenTrotz steigenden Angebots nutzt laut der Umfrage bisher kaum jemand (durchschnittlich weniger als 1 Prozent) die Möglichkeit, Lebensmittel im Internet zu bestellen und sich diese nach Hause liefern zu lassen. Aber jeder Fünfte nutzt das Smartphone und „googelt“ beim Einkauf. Trotzdem fühle sich aber auch fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) weniger gut bis schlecht informiert über die Lebensmittel, die sie kaufen. Quelle: dpa

Dabei geht es allerdings nicht um den gesundheitlichen Aspekt, Autobauer haben längst erkannt, dass sie wirtschaftlich erfolgreich sein können, wenn sie sich auch auf die Bedürfnisse dicker Menschen einstellen. Lange ist dies zu kurz gekommen. Insbesondere Brummi-Fahrer gehörten zu der Kundengruppe, deren Lebensstil Übergewicht mehr als begünstigt. Langes Sitzen, wenig Bewegung, fettiges Essen. Einer Studie zufolge, die 2007  im „Journal of the American Dietetic Society“ erschien, sind 86 Prozent der geschätzten 3,2 Millionen Lastwagenfahrer in den USA übergewichtig oder fettleibig.

Im „Obesity Suit“ machte der Daimler-Ingenieur Sauerbier daher den Selbstversuch –  mit erschreckenden Erkenntnissen. Jeder Schritt war eine Herausforderung: Der Alltag wurde von mehr Platzbedarf, eingeschränktem Balancegefühl, Beweglichkeitseinschränkungen oder physiologische Anstrengung dominiert.  

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Ursprünglich wurde der Korpulenzanzug für die Daimler Tochter Freightliner in Nordamerika entwickelt, da 60 Prozent der Fahrer von Freightliner-Lastwagen in den USA fettleibig sind. Es ging dabei nicht einfach darum, der Testperson Pfunde aufzulasten. Die entsprechende Verteilung sei viel wichtiger gewesen, so Sauerbein. Der Anzug sollte so realistisch wie möglich sein, nicht verrutschen und eng am Körper sitzen. Am eigenen Leib solle auf diese Art und Weise nachempfunden werden, mit welchen Einschränkungen ein korpulenter Mensch zu rechnen hat. Das wissenschaftliche Ingenieurswerkzeug diene zur Sensibilisierung, um die Schwierigkeiten der Zielgruppe zumindest ansatzweise zu verstehen.

Dicke Menschen schwitzen sehr schnell, jede zusätzliche Bewegung bedeutet große Anstrengung. Dazu gehört alleine schon, die Schuhe zu binden. Speziell für Brummi-Fahrer gälte die Schwierigkeit, den schweren Körper in den LKW zu hieven und sich dann hinter das Lenkrad zu quetschen. Die Erkenntnisse wollen die Entwicklungsingenieure bei Daimler nun umsetzen: Es gehe darum, den Einstig zu vereinfachen, Handgriffe an die richtige Stelle zu montieren und Bedienelemente griffgünstig zu platzieren, erklärt Sauerbier. Darüber hinaus solle den Trucker-Fahrern in den Ruhephasen ermöglicht werden, so gut es geht zu regenerieren. Ein breiteres Bett und Sportmöglichkeiten sowie Massagesessel seien daher in Planung.

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