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Daimler Viele Rekorde und etwas Schatten

Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG Quelle: dpa

Daimler präsentiert gute Zahlen – wieder einmal. Auch Kartellvorwürfe, Abgasermittlungen oder Debatten um Tierversuche scheinen Chef Dieter Zetsche nichts anhaben zu können.

Nachdem sich der Daimler-Chef im vergangenen Jahr höchst übellaunig präsentiert hatte, gab er am Donnerstag zur Jahrespressekonferenz den Teflon-Zetsche. Zunächst ein paar schmucke Fotos vor dem spacig designten Smart. Und immer schön lächeln. Es folgte ein solider Auftritt auf der Bühne. Tierversuche mit Affen und Abgastests an gesunden Menschen? "Solche Versuche stehen im Gegensatz zu unseren Werten bei Daimler", sagte Zetsche. Abgas-Ermittlungen in den USA und der Staatsanwaltschaft Stuttgart? Da gebe es nichts Neues. Und was dazu im Geschäftsbericht stehe, könne man ja dann ab dem 13. Februar nachlesen. Fragen zu Kartellvorwürfen? Beantwortet der Finanzchef – oder auch nicht.

Was sollen schon die Störfeuer? Daimler hat ein glänzendes Jahr hinter sich. Umsatz: plus sieben Prozent. Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT): plus 14 Prozent. Dividende? Ein neuer Rekord. So geht das weiter. In jeder Sparte mehr verkaufte Autos, mit Ausnahme der Busse. Und die Steuerreform in den USA wird künftig Geld in die Kasse spülen. Die Werke von Daimler sind ausgelastet. Laut Zetsche könnte Daimler wahrscheinlich sogar noch mehr Autos verkaufen, wenn nicht die Kapazitäten fehlen würden. Man baue daher permanent neue Fabriken auf. Von solchen Nachrichten würden die Kollegen bei Audi oder Opel träumen.

Die Anteilseigner wird es freuen, will Daimler doch 3,9 Milliarden Euro ausschütten – 3,65 Euro je Aktie. Das sind fünf Prozent Dividendenrendite, davon ist etwa der Tagesgeldzins um Lichtjahre entfernt.

Das sind die Bestseller von Daimler
Platz 5: S-Klasse Quelle: picture alliance
Platz 4: E-Klasse Quelle: dpa
Platz 3: C-Klasse Quelle: Daimler AG
Platz 2: Kompaktwagen Quelle: REUTERS
Platz 1: SUVs Quelle: Daimler AG

Damit das so bleibt, will Daimler kräftig investieren. Man habe die Mittel für die Zukunftsgestaltung auf 15,5 Milliarden Euro aufgestockt, verkündete Finanzchef Bodo Uebber - davon 8,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung. Das Geld wird Daimler brauchen, hat der Konzern doch große Pläne für elektrifizierte Autos. Im Gegensatz etwa zu Wettbewerber BMW hat Daimler hier noch keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen. Während BMW schon – zwar auf insgesamt niedrigem Absatzniveau – bei den weltgrößten Elektroautobauern mitspielt, fängt Daimler gerade erst an, das Feld richtig aufzubauen. Auch die Brennstoffzellen gibt Zetsche nicht verloren. Es sei nach wie vor "richtig und gut", in dieser Technologie vorne mit dabei zu sein. Gerade erst hat er auf der IAA ein neues Brennstoffzellenauto vorgestellt.

Auf die Zukunft einstimmen soll künftig eine neue Unternehmensstruktur. Daimler will sich in die drei Einheiten Cars & Vans, Trucks & Buses sowie in die bereits heute rechtlich selbstständige Financial Services aufspalten. Man sei gut unterwegs, versicherte Uebber, doch "Gründlichkeit und Sorgfalt" gingen hier vor Schnelligkeit. Man plane, die Aktionäre auf der Hauptversammlung 2019 um Zustimmung bitten zu können.

Die Rekorde verdankt Daimler allerdings auch einem anhaltenden Trend zu SUV, jenen Stadt-Geländewagen, die sich immer mehr Menschen zulegen. Der Nachteil: Diese großen Autos verbrauchen mehr Sprit, sind daher nicht besonders umweltfreundlich und könnten Daimler die CO2-Ziele verhageln. 2017 war schon mehr als jeder dritte verkaufte Pkw ein SUV. Setzt sich der Trend fort, könnten Daimler Strafen für zu hohe CO2-Werte drohen. Auch wenn Zetsche versichert, dass die neuen Daimler-Motoren sauber seien und er zuversichtlich sei, die CO2-Ziele so erreichen zu können.

Ein weiterer Grund für den Erfolg liegt in Asien. Auf der Pressekonferenz wird der von gut 20 chinesischen Journalisten untermauert, die extra aus dem Reich der Mitte angereist sind. Auch das ist wohl ein Rekord. In China hat Daimler 2017 28 Prozent mehr abgesetzt. Damit verkaufte Daimler schon gut ein Viertel seiner Autos in China und hängt damit stark am Tropf der Asiaten.

Doch auch das kann Zetsche keine Angst machen. "Daimler gehört an die Spitze", sagt er. Und erwartet für das Jahr 2018 eine sich "ähnlich günstig" entwickelnde Weltwirtschaft wie 2017. "Wir rechnen mit einem Wachstum von deutlich mehr als drei Prozent", sagt Zetsche.

Na dann kann die Daimler-Party ja weitergehen.

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