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Daimler Zetsche mit Mercedes-Benz auf Rekordfahrt

Es ist der offizielle Abschluss eines großartigen Geschäftsjahres für Daimler. Auf der Pressekonferenz am Donnerstag wird Konzern-Chef Dieter Zetsche daher wohl nur Gutes zu berichten haben. Mit einer Ausnahme.

Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche. Viel besser hätte 2014 nicht laufen können. Quelle: dpa

Dieter Zetsche hat im vergangenen Jahr erfolgreich den Feuerwehrmann gespielt. Fehlende Elektro-Modelle, nach wie vor hohe CO2-Flottenwerte, ein schwaches Kleinwagensegment und die im Vergleich zur Konkurrenz schwache Geschäftsentwicklung in China hatten dem Manager vor noch gar nicht allzu langer Zeit viel schlechte Presse eingebracht. Es gab einfach zu viele Brandherde.

Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. "Dieter Zetsche gilt als der Comeback-Manager des Jahres", schreibt die Deutsche Public Relations Gesellschaft und verleiht Zetsche und seinem Kommunikationschef Jörg Howe den "Deutschen Image Award 2014". Doch was Zetsche und seine Vorstandskollegen im vergangenen Jahr geschafft haben, ist mehr als das Ergebnis geschickter Kommunikationsarbeit.

Der 61-Jährige hat eine Baustelle nach der anderen aufgearbeitet. Die Modelle der Kernmarke Mercedes-Benz, der Zetsche ebenfalls vorsteht, verkauften sich dank neuer und aufgefrischter Fahrzeuge so gut wie nie zuvor. Mercedes verzeichnet ein Absatzplus von 13 Prozent auf 1,65 Millionen Fahrzeuge.

Topseller ist die C-Klasse mit weit über 300.000 Stück, aber auch die Kompakten wie A-, B-, CLA- oder GLA-Klasse verkauften sich gut. Auch die renditestarke S-Klasse glänzte als meistverkaufte Luxus-Limousine der Welt im Jahr 2014.

So entwickelte sich Mercedes-Benz 2014

Daimler holt in China auf – endlich

Maßgeblich zum Absatzwachstum beigetragen hat der chinesische Markt, den Mercedes lange vernachlässigt hatte. Jetzt endlich holen die Schwaben auf.

Ein Drittel mehr Autos mit Stern fuhren bei chinesischen Händlern vom Hof. Gleichzeitig wuchs das Händlernetz um 100 neue Betriebe. Der Einsatz von China-Vorstand Hubertus Troika macht sich bezahlt. Folgerichtig hat der Konzern – so berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" – seinen Vertrag vorzeitig verlängert.

Insgesamt fährt Zetsche damit aber der Konkurrenz noch hinterher: BMW verkaufte 1,8 und Audi 1,7 Millionen Autos. Bei den Margen allerdings legte Mercedes – inklusive der Kleinwagen-Tochter Smart – zuletzt die besseren Zahlen vor. Im dritten Quartal verdienten die Stuttgarter 3675 Euro pro Fahrzeug, BMW 3330 Euro und Audi nur knapp 2700 Euro. Damit arbeitete Mercedes unter den drei deutschen Premiumherstellern am profitabelsten.

Ob das auch fürs Gesamtjahr gilt, wird sich bei der Bekanntgabe der Zahlen am Donnerstag zeigen. In den ersten neuen Monaten führte nämlich BMW mit einer Ebit-Marge von 10,2 Prozent vor Audi und Mercedes. Experten rechnen bei Daimler mit einem deutlich gestiegenen Ergebnis.

Positiv werden sich in der Bilanz Sondereffekte bemerkbar machen, etwa der Ausstieg beim Elektro-Pionier Tesla. Der Anteilsverkauf dürfte rund 600 Millionen in die Kassen gespült haben.

Der Ausstieg beim Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems hatte den Schwaben bereits im dritten Quartal eine Milliarde Euro eingebracht. Nach Prognosen von Analysten hat der Konzern operativ rund zehn Milliarden Euro verdient, im laufenden Geschäft wäre das ein Zuwachs von gut einem Viertel.

Neuzulassungen in Deutschland 2014


Während Umsatz-, Absatz- und Gewinnkurven nach oben zeigen, geht es bei den CO2-Werten für den Flottenausstoß endlich abwärts. Mercedes (inklusive Smart) konnte die Emissionen überdurchschnittlich kräftig reduzieren und liegt nun mit 135,1 Gramm CO2 vor BMW (inklusive Mini) mit 135,7 Gramm und Audi mit 137,5 Gramm.

Um die ehrgeizigen Abgas-Ziele der Europäischen Kommission zu erfüllen und teuren Strafzahlungen zu entgehen, hat Zetsche zudem die große Hybrid- und Plug-In-Offensive ausgerufen. Nach der bereits 2014 eingeführten Plug-In-S-Klasse sollen innerhalb der nächsten drei Jahre zehn weitere solcher Modelle folgen.

Im Sommer kommt die C-Klasse 350e, die gerade auf der Motorshow in Detroit zu sehen war, danach sollen die SUV neben ihrem Verbrennungsmotor auch einen elektrischen Antrieb bekommen. In einem nächsten Schritt soll die Plug-In-Technik, die sich derzeit noch von Modell zu Modell unterscheidet, vereinheitlicht werden – um die Kosten zu senken. Der Image- und CO2-Vorsprung, den sich BMW mit seinen elektrischen i-Modellen erarbeitet hat, dürfte damit schmelzen.

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