Detroit Auto Show Elektro-Euphorie im Pickup-Land

Amerika ist nicht nur das Land der Spritfresser. Fast 500.000 Elektro- und Hybridautos wurden im vergangenen Jahr dort verkauft. Deutschland will 2020 Leitmarkt der Elektromobilität sein – die USA sind es schon heute.

Diese Traumautos stehen im Blitzlicht
Corvette C7Der Wagen ist ein
Cadillac Coupé ELR Quelle: dpa
Mercedes CLABereits einen Tag vor dem Start der Auto Show wurde der neue Mercedes CLA präsentiert. Das Modell baut auf der A-Klasse auf, ist aber mit rund 4,60 Metern sogar länger als die C-Klasse. Der CLA-Motor dürfte zwischen zwischen 122 und 211 PS auf die Straße bringen. Zum Aufpreis-Angebot zählt unter anderem ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Ab April 2013 ist er auf den Markt zu haben. Der Preis wird auf rund 28.000 Euro geschätzt. Quelle: dpa
Hyundai HCD-14Einen ersten Blick hatte der koreanische Autobauer Hyundai auf seine neue Limousine schon gestattet - nun wurde sie in Detroit stilecht präsentiert. Der Viertürer kommt mit einem luxuriösen Innenraum mit Ledersitzen und Edelholz. Eine kleine technische Revolution bietet das Eye-Tracking, mit dessen Hilfe sich Navigationssystem und Radio so einfach wie nie bedienen lassen. Quelle: dpa
Honda/Acura NSXIm vergangenen Jahr stellte auf der Detroit Motor Show Honda mit seiner Nobel-Tochter Acura mit dem NSX zum wiederholten Mal eine Sportwagen-Studie vor. Damals hieß es, dass das Modell
Infiniti Q50 Quelle: REUTERS
Honda Urban SUV ConceptDie Japaner stellten bei der NAIAS in Detroit eine Geländeversion des Honda Jazz vor. Diese soll auch in Amerika verkauft werden und so steht die passende Studie Honda Urban SUV Concept im Januar auf der NAIAS in Detroit. Wirklich viel hat Honda noch nicht durchsickern lassen: Design, Motorisierung und Preise sind noch unklar. Gemutmaßt wird aber, dass es einen Vierzylinder-Diesel mit 118 PS geben wird und eine spätere Weiterentwicklung des Urban SUV mit Hybrid-Technik fahren könnte. Quelle: dpa

Wer über Autos in den USA debattiert, muss ein paar Vokabeln unbedingt parat haben: „Spritfresser“ ist ein Muss, allerdings schon einigermaßen abgenutzt. „SUV“ mit der besonders lustigen, weil doppeldeutigen Aussprache „Suff“ dagegen ist ein echtes Schmankerl. Dem fortgeschrittenen USA-Reisenden sollten darüber hinaus nicht nur die Bedeutung von „Pickup“ bekannt sein, sondern auch die ethnologischen Hintergründe (Platz für drei schwer bewaffnete Jäger und einen toten Elch) und die unfassbar hohen Marktanteile des in Deutschland als Pritschenwagen bezeichneten, amerikanischen Albtraums.

Es ist wieder Automesse in Detroit und in Deutschland wird verwundert festgestellt: Amerika macht eine kleine Krisenverschnaufpause, was die Verbraucher in Scharen zu den Autohändlern treibt und SUVs, Pickups und anderen Spritfressern beste Verkaufszahlen beschert. Im Dezember waren drei der fünf meistverkauften Automodelle benzinbefeuerte Pickup-Trucks. Eben noch hat eine US-Regierungsstudie vor den schlimmen Folgen des Klimawandels gewarnt – nun feiert Detroit neue Monster-Modelle.

Die meistverkauften Autos der USA
Think big: Schon lange Jahre führt der Ford F-150 das Ranking der Verkaufsschlager unter den Personenwagen und leichten Nutzfahrzeugen in den USA an. Im vergangenen Jahr konnte der Pick-up sogar noch um mehr als zehn Prozent zulegen auf insgesamt 645.316 Fahrzeuge. In den USA beliebt, in Europa fast undenkbar. Quelle: ampnet
Auch hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter wird es nicht viel kleiner. Platz 2 belegte ein weiterer Pick-up, der Chevrolet Silverado, mit 418.312 Fahrzeugen. Im Bild ist das 2014er Modell des Silverado, das GM im vergangenen Dezember vorgestellt hat. Quelle: REUTERS
Erst auf Rang 3 kehrt etwas Vernunft ein. Die beste Limousine in dem Verkaufsranking war 2012 der Toyota Camry mit 404.886 Fahrzeugen. Seit 2011 bietet Toyota die siebte Generation des Camry an. Bis zur fünften Generation, die bis 2004 gebaut wurde, war der Camry auch in Europa auf dem Markt. Seit dem haben die Japaner aber den Verkauf des US-Schlagers auf dem alten Kontinent zugunsten des Avensis und des Lexus GS eingestellt. Quelle: dapd
Auf Rang 4 folgt der Honda Accord, der nicht mit der gleichnamigen Europa-Version verwechselt werden darf. Während hierzulande der Kombi mit Dieselmotor beliebt ist, sind diese beide Varianten in des USA gar nicht im Programm. Stattdessen gibt es beim Antrieb lediglich die Wahl zwischen einem 185 PS starken Vierzylinder-Benziner und einem 278-PS-V6. Dafür gibt es in Amerika noch ein Accord Coupé. Quelle: dpa
Ähnliches gilt auch für den Honda Civic auf dem fünften Platz der US-Zulassungsstatistik. Obwohl der Name und die technische Basis mit dem Modell für den europäischen Markt übereinstimmen, gibt es gravierende Unterschiede: In Europa sind Kompaktwagen mit kurzem Heck beliebt, in den USA klassische Stufenheck-Limousinen. Dementsprechend bedient Honda den Bedarf der Kunden. Wie sich an den Zahlen zeigt, gelingt das in den USA sehr gut. Quelle: REUTERS
Platz 6 in der Zulassungsstatistik belegt der Nissan Altima. Der Erfolg der Baureihe ist für Nissan so groß, dass in dem Werk Smyrna, Tennessee, eine dritte Schicht eingeführt wurde. Dadurch sind mehr als 800 neue Arbeitsplätze entstanden. Quelle: dapd
Fast so groß wie der Zulassungs-Sieger Ford F-150, aber nicht ganz so erfolgreich: Der Dodge Ram belegt im Ranking nur Platz sieben. Quelle: dapd

Amerika, der Klimafeind Nummer 1. Soweit das Klischee. Ganz so falsch ist das Bild nicht, aber es sollte nicht den Blick auf eine ganz andere, weniger bekannte Realität verstellen: Die USA als Vorreiter und Wegbereiter umweltfreundlicher Mobilität. Während die ach so grün gestrickten Deutschen Elektro- und Hybridautos weitgehend links liegen lassen und sich nach einem faktenarmen E-Auto-Hype nun an einem noch faktenärmeren vermeintlichen Scheitern selbiger Antriebskonzepte ergötzen, fährt in den USA die Elektromobilität flott aus der Nische.

2011 wurden in den USA 269.000 Hybride mit kombiniertem Benzin- und Elektroantrieb verkauft, 2012 stieg die Zahl auf 435.000. In Deutschland haben Hybride einen Marktanteil von nur einem Prozent, in den USA kommen sie inzwischen auf drei Prozent. Allein der Marktführer Toyota 2012 konnte 2012 von seinem Hybrid-Klassiker Prius 235.000 Exemplare in den USA absetzen – Nische, das war einmal. 

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