Deutsche Autobauer Große Chancen in den USA

Auftakt zum Autojahr in Detroit: Der US-Automarkt glänzt, aber in China schrillen die ersten Alarmglocken. Auf dem weltgrößten Automarkt schrumpfen die Wachstumsraten.

Big country, big cars
Die meistverkauften Automodelle 2013 in Amerika waren große und schwere Pick-ups. Das ist auch ein Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs nach schweren Krisenjahren vor allem in der Autoindustrie. Aber die Modelle sind nicht mehr ganz so schwer und durstig, wie früher. Während der Hang zur Größe bei den Käufern erhalten blieb, musste die Autoindustrie Zugeständnisse in puncto Verbrauch und Abgase machen, als Voraussetzung für ihre Rettung. Im Prinzip ist der US-Automarkt zwar gesättigt, das Durchschnittsalter angemeldeter Fahrzeuge liegt aber schon bei 12 Jahren. Es gibt also Erneuerungsbedarf. Unser Überblick zeigt die meist verkauften Modelle in Amerika in 2013. Quelle: Presse
Platz 10: Hyundai ElantraVerkaufte Modelle im Dezember 2013: 21.692; Zuwachs: 14% (Vgl. z. Vorjahresmonat). Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 247.912; Zuwachs zum Vorjahr: 22,7%. Quelle: Presse
Platz 9: Chevrolet CruzeVerkaufte Modelle im Dezember 2013: 18.162; Zuwachs: minus 14,5% (Vgl. z. Vorjahresmonat). Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 248.224; Zuwachs zum Vorjahr: 4,4%. Quelle: Presse
Platz 8: Toyota Corolla / MatrixVerkaufte Modelle im Dezember 2013: 22.56; Zuwachs: minus 8,6% (Vgl. z. Vorjahresmonat). Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 302.180; Zuwachs zum Vorjahr: 3,9%. Quelle: Presse
Platz 7: Nissan AltimaVerkaufte Modelle im Dezember 2013: 24.816; Zuwachs: 3,5% (Vgl. z. Vorjahresmonat). Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 320.723; Zuwachs zum Vorjahr: 5,9%. Quelle: Presse
Platz 6: Honda CivicVerkaufte Modelle im Dezember 2013: 29.000; Zuwachs: minus 12,4%. Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 336.180; Zuwachs zum Vorjahr: 5,7%. Quelle: Presse
Platz 5: Dodge RAMDer 2013er Dodge RAM 1500 5.7 L V8 HEMI (395 PS / 508 Nm mit 8-Stufen Automatik) war dank 8-Stufen Automatik um 20% weniger durstig als sein Vorgänger. Eine weitere Erneuerung war die Start-Stopp-Automatik, was ebenfalls dem Verbrauch zugute kam. Der altbekannte V8 leistet (als HEMI) 395 PS bei 5.600 Umdrehungen bzw. 508 Nm bei 3.950 U/min. Das Modell hat außerdem den besten Widerstandsbeiwert seiner Klasse (cw=0,363). 33.405 Stück verkauften sich allein im Dezember 2013, ein Plus von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. 355.673 waren es im Gesamtjahr 2013, das entspricht einem Zuwachs von 21,2 Prozent gegenüber 2012, und ist die zweitbeste Zuwachsrate bei einer US-Modellreihe. Quelle: Presse
Platz 4: Honda AccordVerkaufte Modelle im Dezember 2013: 31.895; Zuwachs: 8,4%. Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 365,699; Zuwachs zum Vorjahr: 10,2%. Quelle: Presse
Platz 3: Toyota CamryVerkaufte Modelle im Dezember 2013: 29.964; Zuwachs: minus 4,6%. Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 408.484; Zuwachs zum Vorjahr: 0,9%. Quelle: Presse
Platz 2: Chevrolet Silverado480.414 verkaufte Silverado innerhalb eines Jahres sind nominell immer noch viel, aber Chevrolet muss zusehen, wie das Wachstumstempo beim Wettbewerb anzieht. Einen Zuwachs von 14,8 Prozent meldet die GM-Tochter für diese Modellreihe auf Jahressicht. Allein im Dezember 2013 wurden 42.593 dieser Modelle verkauft, was aber einem Minus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Quelle: Presse
Platz 1: Ford F-150Unter Berufung auf die Website motorintelligence.com nennt das Wall Street Journal Anfang Januar 2014 genau 763.402 verkaufte Ford Pick-up-Modelle aus der 150er-Serie in den USA. Das entspricht einem Zuwachs von 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im Dezember 2013 wurden 74.592 dieser Modelle verkauft, was einem Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Im Bild ist schon das 2014er Modell zu sehen, das Ford auf der NAIAS, der Automesse in Detroit, zeigt. Der F-150 gilt als Herz der F-Serie von Ford - der seit mehr als 60 Jahren erfolgreichen Pick-up-Baureihe. Dieser Inbegriff eines "Trucks", wie die Amerikaner das Segment nennen, ist seit 37 Jahren der meistverkaufte Pritschenwagen Nordamerikas, seit 32 Jahren dort sogar das meistverkaufte Auto. Quelle: Presse
Ein echtes Phänomen außerhalb der 2013er Top Ten ist der neue Toyota RAV4, der bei der US-Kundschaft enorm gut einschlug. Das für US-Verhältnisse kompakte SUV verkaufte sich allein im Dezember 2013 20.970 mal, was im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Steigerung von 46,1 Prozent bedeutete. Im Gesamtjahr 2013 setzte Toyota 218.249 Stück ab, was einem Plus von 27 Prozent gleichkommt. Kein anderes Modell in den USA hat einen solchen Sprung gemacht. Quelle: Presse

Die deutsche Autoindustrie steuert 2015 auf ein weiteres Rekordjahr in den USA zu. Denn die US-Konjunktur brummt und der Sprit ist extrem billig. Dagegen bereitet das nachlassende Tempo in China den Herstellern Sorgen. Der Preisdruck im weltgrößten Automarkt steigt.

Gerade die Nachfrage nach großen Modellen flaute zuletzt ab, die Preise der wichtigen Gewinnbringer gerieten unter Druck, sagte BMW-Vertriebschef Ian Robertson am Montag zum Beginn der Autoshow in Detroit, dem ersten großen Branchentreffen des Jahres. Der Trend sei so stark, dass die Münchner gar einige für China bestimmte Neuwagen in andere Märkte verschifften. Nach Angaben einzelner Händlerorganisationen stehen in dem Riesenreich derzeit so viele Autos auf den Höfen wie noch nie.

Daimler-Chef Dieter Zetsche kann diesen starken Druck indes „nicht beobachten“. Die Stuttgarter sind nach einer längeren Durststrecke in China derzeit aber auch mit einer ausgesprochen frischen Modellpalette unterwegs. Während etwa BMWs 7er-Flaggschiff inzwischen in die Jahre gekommen ist und erst 2016 in neuer Generation zu den Händlern rollt, profitierte Daimler vergangenes Jahr kräftig von seiner 2013 komplett überarbeiteten S-Klasse.

Nach einem starken ersten Halbjahr sackte das Wachstum in China in der zweiten Hälfte kräftig ab. Am Ende blieb ein für chinesische Verhältnisse bescheidenes Jahres-Plus von 9,9 Prozent auf 19,7 Millionen Fahrzeuge. 2015 dürfte das Wachstum mit acht Prozent noch schmaler ausfallen.

Auch in den USA buhlen die Händler mit finanziellen Anreizen um die Kunden - die Rabatte liegen laut Experten aber noch auf einem unproblematischen Niveau. Kein Wunder: Die Konjunktur brummt, der Arbeitsmarkt ist robust und die Zinsen sind niedrig. Die Amerikaner leisten sich wieder neue Autos. Für die großen Spritschlucker gaben die Autohäuser sogar weniger Nachlass.

Deutschlands Autoindustrie jedenfalls sieht nach einem Rekordjahr 2014 weiterhin gute Perspektiven in den USA. „Die Zukunftsaussichten für das laufende Jahr und darüber hinaus lassen noch größere Chancen für unsere Industrie erkennen“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Branchenverbands VDA. Während politische Risiken andere Weltregionen belasteten, erwiesen sich die USA als Zentrum des Wachstums für die Branche. Wissmann bezeichnete den niedrigen Spritpreis als „Turbo“ für die gesamte US-Wirtschaft.

2014 steigerten die deutschen Hersteller ihren US-Absatz um zwei Prozent auf das Rekordniveau von knapp 1,4 Millionen Fahrzeugen. Der Markt insgesamt legte allerdings um sechs Prozent zu und erreichte damit wieder sein Vorkrisenniveau - vor allem die Nachfrage nach Spritschluckern wie Pick-up-Trucks und Geländewagen stieg angesichts des niedrigen Benzinpreises.

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Davon profitieren die deutschen Hersteller weniger als die US-Autobauer: Denn sie sind besonders stark im sogenannten Pkw-Segment. 2014 blieben sie in diesem Bereich mit 953 000 verkauften Neuwagen auf Vorjahresniveau, der Absatz deutscher „Dickschiffe“ lag trotz des kräftigen Anstiegs um 8 Prozent mit rund 405 000 Fahrzeugen deutlich niedriger. 2015 traut der VDA dem US-Automarkt ein Plus von rund zwei Prozent auf 16,7 Millionen Neufahrzeuge zu.

Während die Premiummarken Audi, BMW, Porsche und Mercedes auf Rekordverkäufe in den USA zurückblicken, schwächelt der Branchenriese VW mit seiner Hausmarke. Seit eineinhalb Jahre sind die US-Verkäufe trotz eines Marktbooms auf Talfahrt. US-Chef Michael Horn zeigte sich zuversichtlich, dass die VW-Kernmarke in den nächsten zwei Jahren dank überarbeiteter Modelle und neuer Technik die Position in den USA halten beziehungsweise leicht ausbauen könne. Schub geben soll etwa eine für Ende 2016 angekündigte große Geländelimousine (SUV) mit Arbeitsnamen CrossBlue.

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