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Diebstahl Warum sich geklaute Autos nicht orten lassen

Im vergangenen Jahr haben Autodiebe 14.229 voll- oder teilkaskoversicherte Fahrzeuge gestohlen. Dabei ist ein wirtschaftlicher Schaden von 289 Millionen Euro entstanden, pro Diebstahl zahlten die Versicherer im Schnitt fast 20.000 Euro. Quelle: dpa

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland über 14.000 voll- oder teilkaskoversicherte Autos gestohlen – Versicherer mussten dafür fast 300 Millionen Euro zahlen. GPS-Tracking Systeme könnten helfen.

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Volkswagen an der Spitze eines Autorankings – doch das liefert wenig Anlass zur Freude in Wolfsburg. Denn bei dem Ranking handelt es sich um den einmal jährlich herausgegeben KfZ-Diebstahlreport des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Vor einigen Tagen hat der Verband die Zahlen für 2019 herausgegeben. Wie bereits 2018, wurden auch 2019 am häufigsten Autos der Marke VW gestohlen.

Im vergangenen Jahr haben Autodiebe 14.229 voll- oder teilkaskoversicherte Fahrzeuge gestohlen. Dabei ist ein wirtschaftlicher Schaden von 289 Millionen Euro entstanden, pro Diebstahl zahlten die Versicherer im Schnitt fast 20.000 Euro.

Diebe lieben zwei bis drei Jahre alte Autos

Gleich fünf der am häufigsten gestohlenen Modellreihen stammen vom japanischen Hersteller Toyota und dessen Tochter Lexus. Am häufigsten wurde der BMW X6 in der 2. Generation das Ziel von Autodieben. Dabei zeigt sich ein Trend: Von den zehn am häufigsten entwendeten Modellreihen handelt es sich bei sechs um SUVs.

Besonders auffällig ist auch das Alter der Autos: Die Diebe klauten weniger Neuwagen und dafür mehr Fahrzeuge, die zwischen zwei und drei Jahren alt waren. Laut GDV hängt das vor allem mit den sogenannten Keyless-Entry-Systemen zusammen, die bei vielen neueren Autos eingebaut sind. Bei etwas älteren Modellen lasse sich die schlüssellose Technik noch recht einfach aushebeln, was Diebe ausnutzen würden. Es zeige aber auch, dass die Technik bei Neuwagen sicherer geworden sei.

Warum lassen sich gestohlene Autos nicht einfach orten?

Bei vielen modernen Autos gehört ein Navigationssystem mittlerweile zur Standardausstattung oder kann gegen einen Aufpreis eingebaut werden. Warum lassen sich gestohlene Autos also nicht einfach über das Navigationssystem orten? Das Navigationssystem dient lediglich als Empfänger: Es empfängt GPS-Daten von Satelliten und kann mittels der eingebauten Software den Standort eines Autos bestimmen. Allerdings kann das Navi diese Daten nicht an den Autobesitzer oder -hersteller versenden. Dazu bedarf es eines Handys oder eines Peilsenders, von dem die Satellitendaten zum Beispiel per SMS oder WhatsApp an ein zweites Handy geschickt werden.

Immer mehr Autohersteller bieten GPS-Tracking des eigenen Autos als Service an. Mercedes-Benz bietet das sogenannte Fahrzeug-Monitoring beispielsweise für 38 Euro pro Jahr an. Neben der Möglichkeit, das eigene Auto jederzeit orten zu können, gibt es noch andere Funktionen. So kann ein Gebiet definiert werden und der Autobesitzer erhält eine Warnung auf sein Smartphone, wenn sein Auto dieses Gebiet verlässt.


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Der schwedische Autobauer Volvo hat bereits seit 2012 den Service Volvo on Call, mit dem ein Fahrzeug im Falle eines Diebstahls von Volvo geortet werden kann. Allerdings muss zunächst eine Anzeige bei der Polizei erfolgen. Das dazugehörige Security-Paket kostet Autobesitzer 990 Euro für fünf Jahre.

Alternativ können Autobesitzer natürlich auch selbst einen GPS-Tracker in ihr Fahrzeug einbauen. Inzwischen gibt es ein breites Angebot von verschiedenen Herstellen. In vielen europäischen Ländern ist ein GPS-Tracker bei bestimmten Fahrzeugen schon Pflicht, damit der Versicherungsschutz gegen Autodiebstahl wirksam ist. In Deutschland beteiligen sich die Versicherungen bislang allerdings nicht an den Kosten für GPS-Tracking, ebenso gibt es keine Versicherungsprämien.

Ford – der neue Trend unter Autodieben?

Deutsche Autos waren 2019 besonders beliebt bei Dieben: Neben VW wurden am häufigsten Modelle der Marken Audi, BMW und Mercedes-Benz gestohlen. Insgesamt ist die Zahl der gestohlenen Fahrzeuge im Vergleich zu 2018 um rund fünf Prozent gesunken, was sich auch bei den einzelnen Automarken zeigt: 2018 wurden noch 2.941 Autos der Marke Volkswagen entwendet, vergangenes Jahr nur 2.589 – zwölf Prozent weniger. Die Zahl der gestohlenen Audis ging um rund sieben Prozent zurück, bei BMW sogar um über 20 Prozent. Den größten Zuwachs gab es bei US-Autobauer Ford: 2018 wurden 670 Ford-Fahrzeuge gestohlen, im vergangenen Jahr 902. Ein Anstieg von 34,2 Prozent.

Im Vergleich der Großstädte zeigt sich: Am gefährlichsten steht das eigene Auto in Berlin. Jeder fünfte Autodiebstahl bundesweit findet in der Hauptstadt statt, 2019 wurden hier 3.130 kaskoversicherte Pkw gestohlen – ein Anstieg von rund neun Prozent. Deutlich besser sehen die Zahlen für Süddeutschland aus: In Stuttgart kam es 2019 nur zu 56, in München zu 99 Autodiebstählen. Bei den Bundesländern liegt Nordrhein-Westfalen mit 3.296 Diebstählen knapp vor Berlin, die wenigsten Autos wurden in Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gestohlen.

Mehr zum Thema: VW hat sein erstes Elektro-SUV vorgestellt - und steht damit im direkten Wettbewerb mit Teslas Model Y . Was der VW ID4 zu bieten hat.

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