Fuhrpark Stromkonzerne fahren kaum Elektroautos

Die Strombranche trommelt für mehr Elektroautos. In den eigenen Fuhrparks der Konzerne sieht es damit aber oft noch mau aus. Für die nächsten Jahre haben die Unternehmen immerhin große Pläne.

Das sind die meistgefahrenen Firmenwagen
Audi A3 Quelle: Audi
VW Polo Quelle: Volkswagen
VW Tiguan Quelle: Volkswagen
BMW 5er Quelle: BMW
VW Transporter Quelle: Volkswagen
Opel Astra Quelle: Opel
Ford Focus Quelle: Ford
VW Touran Quelle: Volkswagen
BMW 3er Quelle: BMW
Mercedes-Benz C-Klasse Quelle: Daimler
Audi A6 Quelle: Audi
Platz 4: Skoda OctaviaBeim Firmenwagenmarktanteil hat Skoda mit 8,3 Prozent bereits mit einer Marke wie Mercedes-Benz gleichgezogen. Beim meistgefahrenen Modell haben die Tschechen die Stuttgarter sogar übertroffen: Der Octavia kommt in dem Ranking auf den vierten Rang. Der Skoda Octavia ist auch das meistgefahrene Importauto unter den Dienstwagen. Quelle: Skoda
Audi A4 Quelle: Audi
VW Golf Quelle: Volkswagen
VW Passat Quelle: Volkswagen

Deutschlands Stromkonzerne werben für den Ausbau der Elektromobilität und wollen bundesweit Tausende neue Ladesäulen bauen – in den eigenen Fuhrparks sind E-Autos aber meist noch eher die Ausnahme. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei mehreren Firmen. Nach Ansicht der Grünen kommt die Nutzung der E-Mobilität auch in vielen Ministerien nur langsam voran.

Beim Stromriesen RWE fahren nach Angaben des Unternehmens etwa 90 Prozent der 630 Dienstwagen mit Dieselmotoren, der Rest mit Benzin oder Hybridantrieben. E.On spricht von vorerst 200 Elektrofahrzeugen – bei 3000 Dienstwagen der Netzgesellschaft. Die E.On-Abspaltung Uniper kommt auf 18 reine E-Autos bei europaweit mehr als 1600 Dienstwagen.

Begründet wird der geringe Anteil teils mit noch unzureichenden Angeboten der Autoindustrie vor allem bei Nutzfahrzeugen. In Dienstwagen-Richtlinien gebe es für Pkw Mindestanforderungen etwa von vier Sitzen, ausreichend Platz für Gepäck und mindestens 400 Kilometern Reichweite. „Da warten wir zum Teil noch auf die richtigen Autos, sind aber sehr zuversichtlich“, sagte ein Sprecher von EnBW.

Elektroautos im Kostenvergleich

Selbst bei der RWE-Zukunftstochter Innogy – mit rund 4000 Ladepunkten bundesweit Marktführer für Ladesäulen – sieht es im eigenen Fuhrpark bei Elektroautos bisher eher mau aus. Der Anteil unter den etwa 1000 Dienstwagen sei noch „relativ gering“, sagte ein Sprecher. Genauere Zahlen wollte er nicht nennen. Laut Branchenkreisen soll bei Innogy aber ein Vorstandsbeschluss zum spürbaren Ausbau der E-Mobilität bevorstehen. „Der Durchbruch der Elektromobilität wird kommen“, sagte Innogy-Chef Peter Terium zur Jahresbilanz in der vergangenen Woche.

Nach einem Bericht der WirtschaftsWoche sollen im April zudem über 100 Ladensäulen mit der Blockchain-Technik starten. Dabei geht es um ein Verfahren, mit dem Kundendaten dezentral verschlüsselt und gespeichert werden. Dies soll die Sicherheit und Effizienz erhöhen.

Große Elektro-Pläne haben auch Wettbewerber. E.On wie der schwedische Staatskonzern Vattenfall wollen in den kommenden Jahren den gesamten Fuhrpark elektrifizieren. Vattenfall will dabei in Deutschland 1100 Dienstwagen innerhalb von fünf Jahren schrittweise austauschen. Probleme sehen Deutsche wie Schweden vor allem bei Nutzfahrzeugen. „Hier gibt es bislang kaum geeignete Modelle, was die Planung für einen vollständigen Umstieg noch erschwert“, sagte ein E.On-Sprecher.

Nachholbedarf gibt es auch bei den Vorstandslimousinen der Konzerne – meist Oberklassewagen mit großen Verbrennungsmotoren. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz nutzt etwa eine 350er Mercedes-S-Klasse mit Diesel. Zum Zeitpunkt der Bestellung habe es kein E-Auto-Angebot gegeben, das die Anforderungen erfüllt habe, teilte das Unternehmen mit. Schmitz wolle auch aktuell nicht umsteigen, weil er Reichweitenprobleme sehe.

Diese Vorstände fahren die saubersten und dreckigsten Dienstwagen
Top 1: Markus Conrad, Tchibo GmbHFahrzeug: BMW i3 Range Extender Zum siebten Mal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Dienstwagen der Chefs von börsennotierten und ausgewählten mittelständischen Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: Der durchschnittlicher Firmenflottenwert aller Dienstwagen enttäuscht mit 129 Gramm CO2/km und entspricht einfach dem Durchschnittswert der Neuzulassungen für 2015. In den Vorstandsetagen sieht es aber deutlich schlechter aus, nur die wenigsten Chefs kommen mit ihrem Dienstwagen unter diesen Durchschnittswert. Einer davon ist Tchibo-Chef Markus Conrad, der einem BMW i3 mit Range Extender fährt. In der Berechnung der DUH (im deutschen Strommix werden 535 Gramm CO2 pro Kilowattstunde angenommen) und einem Kraftstoffverbrauch von 0,6 Litern auf 100 Kilometern für den Reichweiten-Verlängerer ergibt sich für das Modell ein CO2-Ausstoß von 89 Gramm/Kilometer. Quelle: BMW
Top 2: Kurt Schmalz, J. Schmalz GmbHFahrzeug: Mercedes-Benz B250e Im Gegensatz zu dem BMW i3 des Tchibo-Chefs ist der Mercedes von Kurt Schmalz, Chef des Vakuumtechnik-Spezialisten J. Schmalz, ein reines Elektroauto. Da der Verbrauch von 16,6 kWh pro 100 Kilometer aber höher ist, kommt er mit dem CO2-Ausstoß der Stromproduktion auf 89 Gramm CO2 pro Kilometer. Das sind natürlich nur Durchschnittswerte – wenn Herr Schmalz ausschließlich Ökostrom lädt, ist er natürlich emissionsfrei unterwegs. Es ist das altbekannte Problem: Das Elektroauto verlagert die CO2-Emission weg vom Auto zur Stromerzeugung. Quelle: Daimler
Top 3: Felix Ahlers, Frosta AGFahrzeug: VW up! 1.0 BMT Während die beiden Erstplatzierten vor allem wegen ihres (teilweisen) Elektroantriebs auf einen geringen CO2-Ausstoß kamen, ist es bei Frosta-Chef Felix Ahlers einfach ein kleiner Motor. Und ein kleines Auto dazu: Er fährt mit einem VW up! zur Arbeit, dessen gerade mal ein Liter großer Dreizylinder es auf 75 PS bringt. Der klassisch ermittelten Verbrauch von 4,2 Litern ergibt CO2-Emissionen von 98 Gramm pro Kilometer. Quelle: Volkswagen
Top 4: Pierre-Pascal Urbon, SMA Solar Technology AGFahrzeug: Tesla Model S P90D Als vierten und letzten Unternehmenschef zeichnet die DUH Pierre-Pascal Urbon von SMA Solar mit einer "grünen Karte" für ein besonders umweltfreundliches Dienstauto aus. Als Chef eines Solar-Unternehmens fährt Urbon natürlich ein Elektroauto, in seinem Fall ein Tesla Model S in der Variante P90D. Mit einem Verbrauch von 21,5 kWh/100km ergibt sich ein CO2-Ausstoß von 115 Gramm pro Kilometer – aber eben nicht aus dem Auspuff des Autos, sondern dem Kamin eines Kraftwerks. Quelle: Tesla
Nicht mehr für eine "grüne Karte" gereicht hat es für eine andere Variante des Tesla Model S. Der P85D aus dem Jahr 2015 leistet zwar etwas weniger als ein neuerer P90D des Jahrgangs 2016, kommt aber wegen eines etwas höheren Verbrauchs von 23,8 kWh/100km auf einen CO2-Wert von 127 Gramm pro Kilometer. "Grüne Karten" verteilt die DUH aber nur bis 124 Gramm. Da es aber immer noch unter dem Durchschnittswert der Flotte ist, halten wir die Dienstwagen von Otto Greither (Salus Haus GmbH & Co. KG) und Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub dennoch erwähnenswert. Seit dem Abgasskandal verteilt die DUH grundsätzlich keine "grünen Karten" mehr für Autos mit Dieselmotor. Diese seien zwar auf dem Papier sauber, aber bei jedem nach dem Bekanntwerden des Skandals getesteten Diesel seien Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt worden, so die DUH. Quelle: Tesla
Wo es Licht gibt, gibt es aber auch jede Menge Schatten. Einige Unternehmenslenker kommen auf CO2-Werte jenseits der 200 Gramm. Zahlreiche Chefs sind gerade so an dieser Marke vorbeigeschrammt. Sie fahren einen Audi A8 mit Dieselmotor. Und zwar nicht den Zwei-Liter-Vierzylinder oder den Drei-Liter-V6, sondern den 4,2 Liter großen V8-TDI mit 350 PS. Und der kommt je nach Jahrgang, Ausstattung und Radstand auf einen CO2-Ausstoß von 194 bis 197 Gramm. Zu den A8-Fahrern gehören Brian Protiva von Adva Potical Networking, Burkhard Dahmen von der SMS Group und Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Quelle: Audi
Flop 6: Peter Terium, RWE AGFahrzeug: Mercedes-Benz S500 4Matic Als Chef eines Energie- und Stromkonzerns fährt RWE-Chef Peter Terium ein Elektroauto. Denkste. Der Niederländer fährt in einem Mercedes S500 des Jahrgangs 2013 zur Arbeit. Entscheidend ist hier allerdings der Zusatz 4Matic: Der Allradantrieb erhöht den Verbrauch leicht, womit der S500 auf einen CO2-Ausstoß von 211 Gramm pro Kilometer kommt. Derselbe 4,4-Liter-V8 mit 435 PS ohne Allrad bleibt im Dienstwagen von ElringKlinger-Chef Stefan Wolf ganz knapp unter der 200-Gramm-Marke. Quelle: Daimler
Flop 5: Christian Rinn, Rinn Beton- und Naturstein GmbH & Co. KGFahrzeug: Porsche 911 Carrera S performance Als einer der wenigen Chefs in der DUH-Liste fährt Christian Rinn einen echten Sportwagen. Der Porsche 911 Carrera S performance ist aber dennoch nicht das Auto mit dem größten CO2-Ausstoß. Der Dienstwagen des Chefs des hessischen Mittelständlers kommt auf 223 Gramm CO2 pro Kilometer. Quelle: Porsche
Flop 4: Ralph Heuwing, Dürr AGFahrzeug: Audi S6 Avant Fahrzeuge der Oberen Mittelklasse wie 5er, E-Klasse oder eben der A6 sind bei Chefs und Abteilungsleitern beliebt. Doch die sind meistens mit einem Diesel unterwegs, wahlweise als Vier- oder Sechszylinder. Ralph Heuwing hat sich allerdings für einen Benziner entschieden, und nicht gerade einen kleinen: Der Chef des Anlagenbauers Dürr fährt einen S6 Avant. Dessen vier Liter großer V8-Turbo bringt es zwar auf 450 PS, aber eben auch auf einen CO2-Ausstoß von 224 Gramm pro Kilometer. Quelle: Audi
Flop 3: Carsten Kengeter, Deutsche Börse AGFahrzeug: Audi RS6 Avant Noch einen drauf setzt der Chef der Deutschen Börse: Statt eines S6 fährt Carsten Kengeter einen RS6 Avant. Der Motor ist im Kern derselbe, bringt es im RS6 allerdings auf 560 PS. Der CO2-Ausstoß steigt hingegen nicht so stark an wie die Leistung: Mit 227 Gramm pro Kilometer sind es gerade einmal drei Gramm mehr. Quelle: Audi
Flop 2: Dietmar Bichler, Bertrand AGFahrzeug: Porsche Panamera Turbo Bertrand-Chef Dietmar Bichler fährt Porsche. Allerdings keinen Sportwagen, sondern eine schwerere Limousine. Sein Panamera Turbo des Jahrgangs 2013 bringt es auf 520 PS und sicher auch viel Fahrspaß. Aber eben auch auf einen CO2-Ausstoß von 239 Gramm pro Kilometer, was den zweiten Platz in dieser Liste bedeutet. Quelle: Porsche
Flop 1: Mohsen Sohi, Freudenberg SEFahrzeug: BMW X5 xDrive 50i Den Dienstwagen mit dem auf dem Papier höchsten CO2-Ausstoß fährt Mohsen Sohi von der Freudenberg SE. Der Chef der Unternehmensgruppe fährt einen BMW X5 mit einem 4,4 Liter großen V8-Benziner. Da der Wagen nicht der leichteste ist und auch als SUV nicht sonderlich aerodynamisch, liegt der CO2-Ausstoß bei 244 Gramm pro Kilometer. Tchibo-Chef Markus Conrad kann theoretisch in seinem BMW i3 schon 2,9 Kilometer weit fahren, bis er auf diesen CO2-Ausstoß kommt. Ferstzuhalten bleibt aber auch: Mehr als die Hälfte der von der DUH angefragten Unternehmen haben die Informationen über die Dienstwagen nicht zur Verfügung gestellt. Damit bringt die Dienstfahrzeug-Liste der DUH auch das Dilemma der Autobauer auf den Punkt: Sowohl der niedrigste als auch der höchste CO2-Wert geht an BMW. Die Unternehmen haben bereits sparsame Modelle im Angebot – die Kunden kaufen in der Mehrzahl aber weiter die großen und PS-starken SUV. Quelle: BMW

E.On und Innogy nannten keine genauen Fahrzeugtypen – „branchenübliche Oberklasselimousinen“ mit Verbrennungsmotoren würden eingesetzt, hieß es. Pluspunkte sammelten hier die Leiter der kleineren Konzerne: Uniper-Chef Klaus Schäfer fährt etwa einen Tesla-Elektrowagen. Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka tauschte im vergangenen Sommer seinen Dienstwagen gegen einen rein elektrischen BMW i3.

Hintergrund des gestiegenen Interesses an der E-Mobilität bei den Stromkonzernen ist auch ein 300-Millionen-Euro-Förderprogramm der Bundesregierung für 15.000 neue Ladesäulen, das seit Anfang März läuft. Fast die gesamte Branche will dafür Anträge stellen. Denn bei bis zu 40 Prozent Förderanteil könnten die Säulen Gewinn abwerfen.

Die Grünen im Bundestag sehen auch die Regierung stärker in der Verantwortung. Vize-Fraktionschef Oliver Krischer kritisierte, dass die meisten Bundesministerien bei öffentlich zugänglichen Ladensäulen „nicht mit gutem Beispiel“ vorangingen. Das bisherige Angebot komme einem „Armutszeugnis“ gleich, sagte er laut „Handelsblatt“ nach einer entsprechenden Anfrage an das Wirtschaftsministerium. So habe Anfang März nur das Verkehrsministerium solche Ladepunkte angeboten.

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