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Elektroauto als Dienstwagen Wenn der Chef sein E-Auto mit den Mitarbeitern teilt

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Ein Elektroauto als Dienstwagen

Ein Hybrid oder E-Auto als Dienstwagen – sind Sie damit eine seltene Ausnahme oder einfach ein Mann der ersten Stunde?
Ich erlebe es im Gespräch mit Kollegen aus anderen Städten so, dass jeder über das Thema nachdenkt, spricht und versucht, Konzepte zu entwickeln. Zugleich nehme ich aber auch wahr, dass wir am Forschungsstandort Aachen einen gewissen Vorsprung haben – sowohl bei der Entwicklung von Fahrzeugen, als auch bei der Entwicklung von Digitalisierungskonzepten.

Ist es denn grundsätzlich ein schwieriger Schritt, die Nutzung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen zu verwirklichen?
Ein Effekt, wenn jemand ein Elektroauto zum ersten Mal fährt, ist die Begeisterung von der Art des Fahrens. Ich glaube, diese Begeisterung entsteht sehr schnell und steckt an. Viel mehr Überzeugung bedarf es dabei dann nicht mehr. Das Ganze muss allerdings auch wirtschaftlich sein und wenn ein Elektroauto viele tausend Euro teurer ist als ein Wagen mit Verbrennungsmotor, dann ist die Argumentation zugunsten des E-Autos häufig schwierig. Ich glaube jedoch, dass wir gerade die Schwelle erreichen, an der Elektromobilität wirtschaftlich wird. Wenn die Deutsche Post ein Fahrzeug hier in Aachen produzieren lässt, dass rein elektrisch fährt und wirtschaftlicher ist als Diesel und Benziner, dann glaube ich, wird jedem deutlich, dass die Preisunterschiede langsam zerfallen und man sich demnächst auch aus Wirtschaftlichkeit mit Elektromobilität beschäftigen sollte.

Nun sorgen Sie als Chef im Rathaus auch dafür, dass sich Ihre Mitarbeiter in der Verwaltung mit Elektromobilität beschäftigen, indem Sie Ihnen Ihr privates Elektroauto als Dienstfahrzeug tagsüber zur Verfügung stellen. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Mein privates Elektrofahrzeug würde tagsüber überwiegend im Parkhaus stehen, wenn ich es nicht selber benötige. Insofern stelle ich es zu bestimmten Zeiten den Mitarbeitern zur Verfügung. Dafür trage ich es in ein Buchungssystem ein. Mithilfe der Software kann sich jeder Mitarbeiter über das Smartphone so unter anderem mein Elektroauto oder ein Elektrofahrrad individuell für Dienstfahrten buchen. Das sind wenige Klicks, geht ganz unkompliziert und einfach – und mein Privatwagen steht weniger rum.

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Viele dürften sich fragen, warum gibt ein Oberbürgermeister sein privates E-Auto für solche Zwecke her...
Eine Grundsatzfrage für mich ist: Wie können wir die Innenstadt vor der Überlastung durch zu viele Fahrzeuge schützen? Eine Antwort darauf ist die Sharing-Economy. Sie bietet viele Konzepte. Wenden wir einige in der Verwaltung an, können wir die Anzahl der Fahrzeuge in der Aachener Innenstadt halbieren. Die Mitarbeiter müssen nicht mit dem eigenen Pkw Dienstfahrten erledigen, können das Privatauto also im besten Fall sogar zu Hause stehen lassen und den öffentlichen Nahverkehr nutzen, denn vom Büro aus können sie mit den Dienstwagen unterwegs sein. Das verbessert die Situation in unserer Innenstadt immens – sowohl Verkehrsaufkommen als auch die Luftqualität.

Wie sind die Reaktionen auf Ihr Sharing- und E-Mobilitätskonzept?
Wir hatten eine sehr lange Vorbereitungszeit mit verschiedenen Testphasen, mit denen wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Zum einen zeigte sich, dass das Sharing-Konzept mit Elektromobilität wirtschaftlich sinnvoll ist. Zum anderen ist es eine komfortable Art, Dienstfahrten zu organisieren. Natürlich greifen wir auch in Besitzstände ein – und hier gibt es auch immer wieder Unstimmigkeiten. Die gehören meiner Meinung nach aber zum Wandlungsprozess dazu.

Und wie ist es für Sie, wenn Sie nach der Arbeit zu Ihrem Privatwagen kommen...
Dann ist manchmal der Sitz anders eingestellt oder die Spiegel verändert. Dann merke ich, dass mein Auto heute von jemand anderem benutzt worden ist, der nicht meine Körpergröße hat. Das ist schon erst einmal merkwürdig. Wenn man aber einmal den Schalter im Kopf umgelegt hat, dass man ein Auto nicht nur für sich besitzen muss, dann klappt das ganz gut.

Ich glaube, dass es sich in den großen Städten ohnehin etabliert, dass man auf Autos zugreift, die einem nicht selber gehören – warum sollte ich das nicht auch mit dem eigenen Fahrzeug tun. Und das hat zudem den Vorteil, dass man sich dazu zwingt, den eigenen Wagen immer aufgeräumt zu halten.

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