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Diess bleibt VW wendet die Führungskrise ab – vorerst

Bleibt der VW-Vorstandsvorsitzende: Herbert Diess. Quelle: REUTERS

Der Machtkampf bei VW tobte über Wochen, nun scheint ein Kompromiss gefunden. Herbert Diess bleibt Konzernchef. Auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung muss er aber verzichten. Ein Triumph für Betriebsratschef Bernd Osterloh.

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Die Führungskrise bei Volkswagen ist fürs erste abgewendet. Der Aufsichtsrat beschloss am Montagabend den Neuzuschnitt und die Besetzung von Schlüsselressorts im Vorstand, mit denen Konzernchef Herbert Diess die Transformation zu einem Technologieanbieter nach dem Vorbild des US-Elektroautobauers Tesla beschleunigen will. Dabei wurden auch konkrete Sparziele vereinbart. Seine Forderung nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung habe Diess fallen gelassen, hieß es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Damit hat sich nach Meinung von Konzernbeobachtern Betriebsratschef Bernd Osterloh durchgesetzt, mit dem sich Diess seit Monaten einen kräftezehrenden Machtkampf über die Geschwindigkeit beim Konzernumbau lieferte und der einen neuen Vertrag für Diess ablehnte.

Im Interview mit der WirtschaftsWoche hatte Diess erst vor wenigen Tagen erstmals offen über die internen Machtkämpfe gesprochen, aber auch versöhnlich Töne angeschlagen: Er spiele nicht gegen Osterloh, sondern mit ihm in der gleichen Mannschaft: „Natürlich spielen wir auf unterschiedlichen Positionen. Aber wir versuchen, uns überwiegend Bälle zuzuspielen.“

Das Kontrollgremium demonstrierte im Anschluss an die Entscheidung Geschlossenheit. Diess habe „die uneingeschränkte Unterstützung“ bei der Ausrichtung des Konzerns auf Elektromobilität und Digitalisierung. „Ohne seinen Einsatz wäre die Transformation des Unternehmens nicht so konsequent und erfolgreich verlaufen.“ Dabei würdigte der Aufsichtsrat ausdrücklich „die Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit“, mit der Diess den technologischen Wandel, den Beitrag zur Erreichung der Klimaziele, aber auch die wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens vorantreibe. „In den kommenden Jahren wird der Vorstand der Volkswagen AG die Strategie mit Herbert Diess an der Spitze umsetzen.“

Diess erklärte auf LinkedIn, er freue sich, dass wie erhofft noch in diesem Jahr eine Lösung erreicht worden sei. Wichtige personelle und strukturelle Weichenstellungen seien vereinbart worden, „die den Wandel des Unternehmens nochmals beschleunigen und Wettbewerbsfähigkeit stärken werden“. Diess hatte Insidern zufolge einen neuen Vertrag als Votum gefordert, dass der Aufsichtsrat seinen Kurs unterstützt. Durch die Verknüpfung mit der Entscheidung über zentrale Personalien im Konzernvorstand stand Insidern zeitweise die Drohung im Raum, dass Diess andernfalls das Handtuch werfen könnte. Teile des Aufsichtsrats sollen sich dadurch erpresst gefühlt haben.

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    Familien geben Diess „volle Rückendeckung“

    Die Eignerfamilien Porsche und Piech erklärten: „Es ist für uns von entscheidender Bedeutung, dass Herbert Diess mit seinem neuen Vorstandsteam diese wichtige Phase des Volkswagen Konzerns weiter prägen wird.“ Bei der Umsetzung der „Strategie 2025+“ habe er die volle Rückendeckung, „genauso wie bei der Umsetzung von Maßnahmen, die die Wirtschaftlichkeit erhöhen“. Als Teil der Vereinbarungen kündigte der Aufsichtsrat an, Vorstand und Betriebsrat sollten sich Ende des ersten Quartals auf einen Plan verständigen, um die Fixkosten bis 2023 um fünf Prozent zu reduzieren.

    Osterloh sagte, zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Belegschaftsvertretern herrsche „absolute Einigkeit“ über die Ausrichtung des Konzerns auf die strategischen Ziele der Transformation. Bei der Umsetzung bekennten sich alle Beteiligten weiterhin zur Gleichrangigkeit von Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung sowie zur Bedeutung der Ausbildung.


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    Außerdem gab der Aufsichtsrat bekannt, dass das Stammwerk in Wolfsburg mittelfristig zur Modellfabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektrofahrzeugen der Marke VW werden soll. Hierzu werde - ähnlich dem Vorhaben „Artemis“ bei Audi - ein Projekt aufgesetzt, das von der Entwicklung des Fahrzeugs bis zu Produktion alle Aktivitäten bündeln solle.

    Eine Absage erteilte der Aufsichtsrat Überlegungen, Lamborghini und Ducati zu verkaufen. Beide Marken sollen Bestandteil des Konzerns bleiben. Der britische Luxusautobauer Bentley soll zum 1. März in die Verantwortung von Audi übergehen, um im Rahmen der Elektrifizierungsstrategie Synergien zu heben.

    Auf die Besetzung von Schlüsselpositionen im Konzernvorstand hatte man sich schon im Vorfeld geeinigt. Demnach soll Arno Antlitz Konzern-Finanzchef werden, wenn Frank Witter im Juni nächsten Jahres abtritt. Antlitz, der derzeit Finanzvorstand bei der VW-Tochter Audi ist, solle sich vor allem auf weitere Effizienzsteigerungen konzentrieren, hieß es. Für das Einkaufsressort, das seit dem Rückzug von Stefan Sommer verwaist ist, berief der Aufsichtsrat zum 1. Januar Murat Aksel.



    Er soll zugleich Einkaufschef der Marke VW bleiben. Aksel wurde ins Lastenheft geschrieben, die Materialkosten in den kommenden zwei Jahren um sieben Prozent zu senken. Das Komponentenressort, dass unter Sommer in einem Vorstandsbereich mit dem Einkauf gebündelt war, wird ab 1. Januar als eigenständiges Ressort „Technik“ von Thomas Schmall geleitet. Er ist künftig konzernweit für alle Aktivitäten der Group Components, die Vermarktung der von Volkswagen entwickelten Baukästen an Dritte, die Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen sowie die dazugehörige Beschaffung zuständig und verantwortet außerdem die Bereiche Laden und Ladesysteme für E-Autos und die entsprechenden Gemeinschaftsunternehmen weltweit.

    Das große Interview: Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess über interne Machtkämpfe, Klimaschutz, digitale Vorherrschaft – und Jogi Löw.

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