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E-Auto-Start-up aus Los Angeles Canoo geht an die Börse

Der Plan von Canoo ist, auf Basis einer einheitlichen technischen Plattform Autos, Kleinbusse und Nutzfahrzeuge anzubieten - und zwar in einem Abo-Modell. Erste Fahrzeuge sollen 2022 auf den Markt kommen. Quelle: VIA REUTERS

Das vom ehemaligen BMW-Manager Ulrich Kranz geführte E-Auto-Start-up Canoo aus Los Angeles plant seinen Gang an die Börse. Mit seinem futuristischen Elektrowagen will das Unternehmen nicht nur im Design neue Wege gehen.

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Der vom langjährigen BMW-Manager Ulrich Kranz geführte Elektroauto-Entwickler Canoo will an die Börse. Die Firma aus Los Angeles nimmt dabei eine Abkürzung, die bei Start-ups der Branche zuletzt populär geworden ist: Canoo schließt sich mit einer Firma zusammen, die bereits an der Börse notiert ist. Die Hennessy Capital Acquisition Corp. IV ist eines der Unternehmen, die speziell für diesen Zweck gegründet und an die Börse gebracht wurden.

Der Zusammenschluss beider Unternehmen soll voraussichtlich Ende 2020 abgeschlossen sein, das neue Unternehmen dann unter dem Namen Canoo Inc. an der Nasdaq-Börse notiert sein. Es wird etwa 600 Millionen US-Dollar an Erlösen aus einer erhöhten, vollständig gebundenen PIPE-Stammaktienemission von über 300 Millionen US-Dollar erhalten, zusammen mit den etwa 300 Millionen US-Dollar an Barmitteln, die treuhänderisch gehalten werden, wenn man davon ausgeht, dass keine Rücknahmen der bestehenden öffentlichen Aktionäre von HCAC erfolgen. Ein ähnliches Modell für den Gang an die Börse wählten jüngst auch der Konkurrent Fisker und die Firma Nikola, die an Elektro- und Brennstoffzellen-Antrieben arbeitet.

Der Plan von Canoo ist, auf Basis einer einheitlichen technischen Plattform Autos, Kleinbusse und Nutzfahrzeuge anzubieten - und zwar in einem Abo-Modell. Erste Fahrzeuge sollen 2022 auf den Markt kommen. Im Zuge des Deals sollen 300 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt werden, wie Canoo am Dienstag ankündigte. Zu den Mitgründern und ersten Investoren von Canoo zählt der deutsche Unternehmer David Stern.

Canoo-Chef Kranz hat selbst als Vater des BMW i3 Geschichte geschrieben. Das Elektroauto der Münchner, ein Vorreiter der Branche, läuft demnächst aus. Kranz hat allerdings schon Ende 2016 den bayrischen Autohersteller verlassen. 30 Jahre hatte er für BMW geforscht und entwickelt, unter anderem den Z3, den i8 und den X5, den ersten SUV BMWs.

Von Torrance, einem Vorort von Los Angeles aus, arbeitet der 61-jährige Ingenieur nun fernab der Konzernwelt als Chef des Start-ups. Mit dem Canoo setzt er dabei neue Akzente im heiß umkämpften Automarkt. Mit seiner kugligen Form und seiner Glasfront wirkt der Canoo tatsächlich wie ein Auto aus der Zukunft. Er ähnelt einem Kleinbus, obwohl er mit einer Länge von 4,4 Metern und einer Weite von 1,9 Metern nur die Dimensionen eines Prius hat. Dafür ist er 1,84 Meter hoch. Seine bis zu sieben Insassen thronen über der Straße, der Motor liefert 300 PS bei einer Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern.

Der Canoo verzichtet auf ein überdimensioniertes Logo, was seine kreuzartigen Scheinwerfer noch stärker betont. Die gesamte Frontpartie ist verglast. Sie offeriert Fahrer und Beifahrer nicht nur einen Blick nach vorn, sondern auch nach unten auf die Straße. „Da braucht man keine Parksensoren mehr, einfach schauen“, erklärt Kranz den praktischen Nutzen.

„Die Scheinwerfer sind unser Logo, wir benötigen keinen massiven und ohnehin für ein Elektroauto unnötigen Kühlergrill“, erklärt Canoo Designer Richard Kim, in der Branche für seine Arbeiten am BMW i3 und i8 bekannt. Den Innenraum hat er als „urbanes Loft“ entworfen, dominiert durch eine eckige Sitzgarnitur, mit Platz in der Mitte zum Ausstrecken. Die vielen Fenster und runden Formen des Canoos, vor allem aber der offene Raum im Cockpit erzeugen eine gewisse Leichtigkeit.

Im Gegensatz etwa zu Tesla oder Byton hat Kim konsequent auf großflächige Displays verzichtet. Die Fahrtgeschwindigkeit wird durch ein schmales LED-Band angezeigt. Auch für Fahrassistenz-Funktionen, Canoo wird zunächst das sogenannte Level 2 plus des Autonomen Fahrens offerieren, soll die dezente Anzeige reichen.

„All-in"-Abo für den Canoo

Den Canoo wird es ab 2022 aber nicht zu kaufen geben. Das Start-up setzt auf ein Abo-Modell, in dem alles inbegriffen ist: Versicherung, Registrierung, Wartung, eventuell sogar Strom. Das Abo kann, wenn gewünscht, monatlich gekündigt werden. Er höre immer wieder, vor allem aus der deutschen Autobranche, dass es keine Nachfrage nach Elektroautos geben würde, stichelt Krause. „Das eigentliche Problem ist doch, dass die derzeitigen Elektroautos viel zu teuer sind, gerade für junge Leute.“

Finanz-Experte Krause hat deshalb mit seinen Managern ein Abo-Modell aufgesetzt. Statt wie beim Leasing mit imaginären und oft zu hohen Wiederverkaufswerten zu kalkulieren, setzt Krause eine Nutzungsdauer von bis zu zwölf Jahren an. Weil das Unternehmen die Verfügbarkeit der Autos selber kontrolliert, kann es diesen Wert steuern. Canoo besitzt das Auto, wartet es, kann es bei Rückgabe aufarbeiten, modernisieren, das Innendesign verändern oder den Akku wechseln. Erfahrungswerte, wie Kunden so etwas annehmen und wie lange sie tatsächlich dabeibleiben, gibt es dazu in der Autobranche noch nicht.

Den Preis will man bei Canoo jedoch partout noch nicht verraten. Auch nicht, ob dieser je nach Schadensrisiko des Kunden oder Alters des Autos gestaffelt ist. Der einzige Hinweis: Das Abo soll auch für eine jüngere Zielgruppe „erschwinglich“ sein.

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