Edel-Motorradbauer Daimler will offenbar bei MV Agusta einsteigen

BMW hat seine eigene Motorradsparte, Audi hat Ducati – und Daimler könnte bald Teile von MV Agusta haben. Das Geschäft soll angeblich kommende Woche bekannt gegeben werden.

Die F4 RR ist das Topmodell von MV Agusta. Quelle: Presse

"Als Pioniere des Automobilbaus betrachten wir es als Ansporn und Verpflichtung, unsere Tradition mit wegweisenden Technologien und hochwertigen Produkten fortzusetzen. Wir geben unser Bestes für Kunden, die das Beste erwarten, und wir leben eine Kultur der Spitzenleistung, die auf gemeinsamen Werten basiert."

Dieses Selbstverständnis haben die Mitglieder des Daimler-Vorstands im Vorwort zum Geschäftsbericht 2013 formuliert. Das Streben nach Wegweisendem und Höherwertigem scheint auf den ersten Blick das Einzige, was den Stuttgarter Premium-Autobauer mit der italienischen Edel-Motorradschmiede MV Agusta verbindet. Die technologisch beste und hochwertigste Lösung zu finden, hat auch über Jahre die Motorräder von MV ausgezeichnet.

Zehn Motorrad-Neuheiten für 2015
BMW R1200RIn dem Roadster R1200R hat der 1,2 Liter große Boxermotor mit Luftkühlung ausgedient. Er wird durch den aus der R1200GS bekannten öl-/wassergekühlten Zweizylinder mit 125 PS ersetzt. Wer weiter den luftgekühlten Boxer genießen will, muss zum Classic-Bestseller R nineT greifen. Der Motor ist aber nicht die einzige Neuheit bei der R1200R: Der Rahmen ist vollkommen neu und integriert den Motor als tragendes Bauteil. Zudem hat sich BMW von der eigenwilligen Telelever-Gabel verabschiedet und setzt jetzt auf eine herkömmliche Upside-Down-Gabel. Die R1200R wird im ersten Halbjahr 2015 zum Grundpreis von 12.800 Euro angeboten. Quelle: PR
BMW R1200RSZusammen mit der R bringt BMW auch die RS an den Start. Die verkleidete RS setzt wie die nackte R auf den 125-PS-Boxer. Beide Modelle verfügen serienmäßig über die Fahrmodi „Rain“ und „Road“ sowie eine Traktionskontrolle. Als Sonderausstattung lassen sich die dynamische Traktionskontrolle DTC mit Schräglagenerkennung sowie die zusätzlichen Fahrprogramme „Dynamic“ und das individuell programmierbare „User“ ordern. Ebenfalls auf Wunsch gibt es die elektronische Stoßdämpferjustierung ESA und LED-Tagfahrlicht sowie den Schaltassistenten für Gangwechsel ohne Kupplungsbedienung.  Der Aufpreis für den verkleideten Sporttourer beträgt 600 Euro, die R1200RS steht also mit 13.400 Euro in der Liste. Quelle: PR
BMW S1000RRNeben den Boxer-Modellen hat BMW auch das Superbike S1000RR nachgeschärft. In Zahlen ausgedrückt heißt das: sechs PS mehr Leistung und vier Kilo weniger Gewicht. Die 199 PS starke Maschine soll durch einen neuen Rahmen und geänderte Fahrwerksgeometrie leichter kontrollierbar werden. Zudem haben die Techniker die Elektronik feiner abgestimmt. Bei der Optik fallen der geänderte, aber weiter asymmetrische Scheinwerfer auf, sowie die neue Abgasanlage. Da bei dieser der Vorschalldämpfer entfällt, trägt sie entscheidend zur Gewichtsreduktion bei. Der neue Modelljahrgang der S1000RR kommt im ersten Halbjahr 2015 zu den BMW-Händlern. Noch steht aber nicht fest, welchen Preis diese verlangen werden. Quelle: PR
Ducati ScramblerDie Italiener zeigen in Köln die lange erwartete Scrambler. Das neue Einstiegsmodell bietet Ducati in vier verschiedenen Styles an, als Icon (im Bild), Urban Enduro, Full Throttle und Classic. Angetrieben wird der Scrambler vom luftgekühlten L-Twin aus der Monster 796, der aus seinen 803 Kubik 75 PS und 68 Nm Drehmoment holt.  Da die Scrambler als Alltagsmotorrad ausgelegt ist, hat Ducati auf die markentypische Trockenkupplung verzichtet und eine leichter zu bedienende Ölkupplung verbaut. Da die Ducati mit 186 Kilo deutlich leichter ist als etwa die Triumph Scrambler mit 230 Kilo, versprechen sich die Italiener trotz der 75 PS ansprechende Fahrleistungen. In Deutschland soll der Preis für die Scrambler bei 8390 Euro starten. Quelle: PR
Honda CBR300RHonda folgt dem von Kawasaki gesetzten Trend und macht aus der CBR250R eine 300er. Doch nur beim Namen, denn unter der sportlichen Verkleidung arbeitet ein 286 Kubik großer Einzylinder mit 31 PS. Damit lässt die CBR300R genügend Raum nach oben zur zweizylindrigen CBR500R mit 48 PS, kann aber auch mit der Kawasaki Ninja 300 mithalten. Der sportliche Look der CBR-Familie, der an die starke Fireblade erinnert, dürfte die junge Kundschaft genauso ansprechen wie der Preis von 4790 Euro. Quelle: PR
Kawasaki H2RDas von Kawasaki formulierte Ziel bei der Studie H2R ist einfach: Dem Fahrer eine nie dagewesene Beschleunigung zu bieten. Dazu haben die Techniker dem Konzeptmotorrad einen 300 PS starken Motor verpasst. Bislang gelten bei Motorradmotoren 200 PS als Schallmauer. Möglich macht das ein Kompressor, der für Motorräder unüblich den Motor zwangsbeatmet. Zwei kleine Flügelchen anstelle der Außenspiegel sollen bei hohen Geschwindigkeiten die H2R stabilisieren. Zudem drücken sie der Pressemitteilung zufolge auch die Zusammenarbeit im Konzern Kawasaki Heavy Industries aus, da die Flügel von der Raumfahrtabteilung entworfen wurden. Auch wenn es absonderlich klingt: Die H2R wird in Serie kommen. Die 300-PS-Variante darf aber nur auf die Rennstrecke. Die Straßenversion, die auf der Motorradmesse Eicma in Mailand vorgestellt wird, muss mit „nur“ 200 PS auskommen. Quelle: PR
KTM 1290 Super AdventureDie Österreicher aus Mattighofen haben den großen Zweizylinder aus dem Naked Bike 1290 Super Duke in die Reiseenduro Adventure gebaut – oder zumindest Teile davon. Das V2-Kraftwerk wurde mit mehr Schwungmasse, neuen Zylinderköpfen und Kurbel- sowie Nockenwellen auf ein besseres Ansprechverhalten getrimmt und leistet noch 160 PS. Mit einem 30-Liter-Tank, angenehmer Sitzposition und guter Verkleidung sind so lange und sportliche Touren möglich. Quelle: PR
Suzuki GSX-S 1000Lange hat Suzuki gewartet, bis sie ein Naked Bike auf Basis des Superbikes GSX-R 1000 auf den Markt brachten. So lange, dass ein Importeuer bereits seine eigene Version entwickelte. Das offizielle Suzuki-Bike wurde jetzt in Köln gezeigt und kommt bald in den Handel. Über Leistung, Gewicht und Preise schweigen die Japaner aber bislang. Der sportlichen GSX-S 1000 wird noch eine gemäßigtere Variante namens GSX-S 1000F zur Seite gestellt, die mit Halbverkleidung mehr Windschutz und Alltagsnutzen bieten soll. Quelle: PR
Triumph Street Triple RxDie Briten zeigen in Köln ein Sondermodell der Street Triple R. Dieses zeichnet sich durch den roten Heckrahmen, die Heckverkleidung, das Rücklicht und den Sitz des Supersport-Modells Daytona 675 aus. Damit erinnert Triumph an die Siege der Daytona bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man und dem Rennen zum Daytona 200. Der „X-Faktor“ des Sondermodells wird durch rote Felgen und spezielle Aufkleber abgerundet. Zudem sind Bugspoiler, Flyscreen und Quickshifter serienmäßig an Bord. Die in Matt Aluminium Silver lackierte Maschine kostet 10.150 Euro. Quelle: PR
Victory MagnumDer Langstrecken-Tourer zeichnet sich durch die niedrigste Sitzhöhe und die größte Schräglagenfreiheit seiner Klasse aus. Mit dem charakteristischen vorderen Schutzblech, mächtigem 21-Zoll-Vorderrad und LED-Scheinwerfer-System fällt die neue Victory sofort auf. Damit es auf langen Autobahnetappen nicht zu langweilig wird, ist in die Verkleidung ein 100-Watt-Audiosystem integriert. In Sachen Antrieb bleibt es beim bekannten 1,7-Liter-V2 mit Sechs-Gang-Getriebe. Die in vier verschiedenen Farben erhältliche Magnum kommt Ende des Jahres in den Handel. Quelle: PR

Während die großen Limousinen und SUVs mit dem Stern auf der Haube eher auf das gesetzte Publikum zielen, hat MV Agusta sportlich-aggressive Motorräder im Angebot, die auf Namen wie "Rivale" oder "Brutale" hören. Eigentlich nichts, was zum leicht konservativen Image von Daimler passt.

Daimler hatte bereits länger Interesse

Dennoch wurde den Stuttgartern bereits länger Interesse an der Motorradschmiede aus Varese nachgesagt. Jetzt stehen die Verhandlungen über einen Einstieg offenbar kurz vor dem Abschluss. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wird die Daimler-Hochleistungstochter AMG 25 Prozent für rund 30 Millionen Euro übernehmen, der Rest bleibe in der Hand der Familie Castiglioni.

"Die Verhandlungspartner sind sich in den meisten Punkten einig, wir rechnen damit, dass der Deal in Kürze unter Dach und Fach ist", zitiert das Blatt aus Mailänder Finanzkreisen. Demnach sei eine der wenigen ungeklärten Fragen, ob die Pressekonferenz, auf der der Deal offiziell verkündet wird, in Italien oder Deutschland stattfinden soll.

Wie weit die Verhandlungen fortgeschritten sind, zeigen finanzielle Details. Laut dem Bericht soll nur ein Teil der Summe an die MV-Agusta-Eigentümerfamilie gehen, der Rest soll direkt im Unternehmen landen, um anstehende Investitionen in Marketung und Entwicklung zu decken.

Das Geld aus Deutschland kann MV Agusta gut brauchen, um den Expansionskurs der vergangenen Jahre zu finanzieren. Seit der erfolgreichen Zeit in den Sechziger- und Siebzigerjahren, in der die Motorradlegende Giacomo Agostini zahlreiche Titel auf seiner MV Agusta holte, ging es mit dem Unternehmen bergab.

1980 musste die Produktion eingestellt werden. Erst zwölf Jahre später brachte MV, inzwischen im Besitz der Castiglioni-Familie, wieder ein Serienmotorrad auf den Markt. In niedrigen Stückzahlen wurden hochwertige Sportmotorräder wie die F4 gefertigt. Die teuren und seltenen Maschinen waren unter Sammlern sehr begehrt – so sehr, dass es mit der Marke wieder bergauf ging.

Neue Eigenständigkeit brachte MV den Erfolg

Doch 2008 fällte Claudio Castiglioni eine folgenschwere Entscheidung: Er verkaufte das Unternehmen für 70 Millionen Euro an Harley-Davidson. Der amerikanische Hersteller geriet selbst in große wirtschaftliche Schwierigkeiten und gab nach nur zwei Jahren MV Agusta an die Castiglionis zurück – angeblich für drei Euro.

Seitdem hat Claudios Sohn Giovanni die Leitung von MV Agusta übernommen – und das Unternehmen neu ausgerichtet. Neben den hochpreisigen Vierzylinder-Modellen sollte eine ganze Produktfamilie auf Basis eines neu entwickelten Dreizylinders die Stückzahlen nach oben treiben. Von der volumenstarken Mittelklasse erwartete sich Castigilioni Junior mehr als von den sündhaft teuren Sammlerstücken.

Bis jetzt scheint der Kurs aufzugehen: MV Agusta ist kein Sanierungsfall mehr, in diesem Jahr sollen an die 9.500 Edel-Motorräder verkauft werden. Einen großen Anteil daran haben die besagten Dreizylinder-Modelle, die die Marke mit Preisen ab etwa 10.000 Euro nach unten geöffnet haben. Das 200 PS starke Topmodell F4 RR kostet in der Basis-Version hingegen rund 25.000 Euro.

Für Daimler ist vor allem das Image der italienischen Edel-Marke interessant, der technologische Austausch dürfte sich auf einige Leichtbau-Lösungen beschränken – sonst sind die technischen Synergien zwischen Hochleistungs-Motorrädern und Dienstwagen-Kombis recht gering.

Dennoch kann es sicher nicht schaden, eine Motorradmarke im Portfolio zu haben – schließlich hat Audi inzwischen Ducati, BMW betreibt seit 90 Jahren sehr erfolgreich seine eigene Motorradsparte.

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BMW dürfte für Daimler aber weniger das Ziel sein, die Münchner verkaufen pro Jahr mehr als 100.000 Zweiräder. Ducati liegt mit rund 50.000 Maschinen genau dazwischen.

Pikantes Detail: Als Audi die Italiener 2012 übernahm, war Ducati kurz zuvor eine Partnerschaft mit AMG eingeganen. Gemeinsame Werbespots waren bereits gedreht, auf den MotoGP-Rennmaschinen fuhr Ducati AMG-Schriftzüge spazieren – obwohl kurz nach dem Saisonstart Audi das Ruder übernahm.

Neben dem Geld hätte die Partnerschaft auch für MV Agusta Vorteile. Das größte Problem für einen Hersteller mit diesen Stückzahlen ist ein ausreichend großes Händlernetz – für die angepeilte Expansion ist es mit einer Handvoll Importeuren nicht getan.

Der Plan in Varese: Könnte MV in wichtigen Märkten wie Deutschland, den USA oder Asien das Daimler-Vertriebsnetz nutzen, wird das der Marke einen Schub verleihen – und auf Augenhöhe mit der Konkurrenz bringen.

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