Einbußen vermeiden: 5 Reichweiten-Tipps für E-Autos bei Hitze
Ladestopps können bei sommerliche Hitze länger als bei moderaten Temperaturen dauern.
Foto: WirtschaftsWocheTemperaturextreme wirken sich negativ auf die Performance von Elektroautos aus. Bei Minusgraden zum Beispiel ist die Zellchemie in den Stromtanks weniger munter als bei Wohlfühltemperatur, was wiederum das Reichweitenfenster deutlich verkleinert.
Ebenso kann sich die aktuell vielerorts vorherrschende Hitze auf das Verhalten der Stromlinge auswirken, was E-Fahrer auf längeren Fahrten ebenfalls berücksichtigen sollten. Der Telematik-Spezialist Geotab hat fünf Tipps zusammengetragen, die E-Auto-Nutzer beherzigen sollten, sofern sie bei großer Hitze große Reichweiteneinbußen vermeiden wollen.
1. Hektisches Fahrverhalten
Bereits aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich, möglichst flüssig im Verkehr mitzuschwimmen, statt ständig massiv zu beschleunigen und abrupt wieder zu bremsen. Wer mit einem E-Auto bei großer Hitze aggressiv unterwegs ist, erwärmt die Batterie unnötigerweise zusätzlich, was an heißen Tagen wiederum zusätzliche Kühlleistung erfordert. Die verlangt wiederum nach zusätzlicher Energie, die selbstverständlich Reichweite kostet.
Porsche Charging Lounge Bingen
Komfortable Schnellladestationen mit Lounge-Anschluss sollen Porsche-Fahrern die Langstreckenfahrt angenehm machen. Der Stuttgarter Sportwagenbauer hat am 26. Juli nahe des Autobahndreiecks Nahetal an der A 60/A 61 bei Bingen seine erste exklusive „Charging Lounge“ eröffnet. Weitere Anlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen folgen. Die Station ist rund um die Uhr geöffnet.
Während des Ladevorgangs können sich Nutzer in einem raumhoch verglasten Aufenthaltsraum mit Snacks und Getränken versorgen, Toiletten und WLAN stehen ebenfalls zur Verfügung. Vor einem smarten Spiegel können unter virtueller Anleitung Fitness-Übungen gemacht werden. Für den Zugang und die Abrechnung ist eine Porsche-ID nötig, die mit einem Fahrzeug der Marke verknüpft ist.
Foto: PorscheBK World Endsee
Uninspiriert in die Landschaft gestellte Ladesäulen, auf Autobahnparkplätzen oder in den hintersten Ecken von Gewerbeparks sollen bald der Vergangenheit angehören. Schnellladeparks für E-Autos werden zunehmend mit Infrastruktur aufgepeppt oder dort angelegt, wo eine solche bereits vorhanden ist. An einigen Orten kann die Ladepause nach langer Tour eine willkommene Abwechslung mit Mehrwert sein. An der A7 südlich von Würzburg gibt es den Supercharger-Park Endsee mit 20 Schnellladesäulen, den das Unternehmen BK World zur „Ladeoase“ gewandelt hat.
Foto: BK WorldAuf dem Areal befinden sich sogenannte Qubes mit Sanitäranlage und Aufenthalts-Lounge. Letztere ist mit Büro-Ecken, einem Speise- und Getränkeangebot und einer Spielkonsole zur kostenfreien Nutzung ausgestattet. Laut dem Betreiber BK Group wurden die Lounges besonders umweltfreundlich gebaut. Über ihre Lebensdauer hinweg sollen die containerartigen Gebäude sogar klimapositiv sein. Als kleinen Extraservice bietet die Anlage Reifenluftdruckgeräte.
Foto: BK WorldGewerbegebiet Kamen Karree
Für E-Fahrer definitiv ein lohnender Abstecher ist der Ladestopp im Gewerbegebiet „Kamen Karree“ an der Autobahn A1 auf halbem Weg zwischen Münster und Dortmund. Highlight für Fahrstromkunden ist die schick angelegte XL-Ladestation von EnBW. 52 CCS-Plätze gibt es hier und damit aktuell auch stets die Garantie, einen freien Ladeplatz zu finden. Die teilweise überdachte Anlage bietet kleine, vor Regen geschützte Sitzgruppen, einen kleinen Automatenshop und einen sauberen Toilettenraum. Fußläufig erreichbar sind zwei Tankstellen, mehrere Fastfood-Restaurants, ein Diner, eine Pizzeria sowie ein Möbelladen mit Restaurant. Wer nicht bei EnBW laden will oder kann, findet ganz in der Nähe alternativ noch Schnelllader von Shell und von Tesla.
Seed & Greet Ladepark Hilden
Dort, wo sich östlich von Düsseldorf die Autobahnen A3 und A46 kreuzen, befindet sich der Ladepark Hilden. Die überdachte, großzügig angelegte Anlage bietet Supercharger von Tesla sowie 12 Fastned-Ladepunkte, Langsamlader mit Billigstrom, Ladeplätze für E-Autos mit Anhänger sowie neuerdings auch eine Akkutauschstation von Nio. Wer letztere besuchen will, wird sich weniger für das von anderen E-Fahrern gern genutzte Drumherum interessieren. Unter anderem gibt es eine Grünflächen-Pausenstation mit Strandkörben und Picknick-Sitzgruppen. Außerdem gehört zur Anlage eine Bäckerei mit großer verglaster Außenfassade. Außerhalb der Bäckerei finden sich Sitzgelegenheiten, von denen aus man den Blick über eine weitere Grünfläche mit kleinem Teich genießen kann. Der Strom für die E-Autos wird zu einem großen Teil vor Ort über die Solaranlage erzeugt. Im Sommer 2022 wurde der Ladepark sogar mit einem kleinen Swimmingpool von Tesla, exklusiv zur Nutzung für Ladegäste, aufgewertet.
EnBW-Ladepark Großburgwedel
Frisch ans Netz gegangen ist ein neuer Schnellladepark von EnBW an der A7 nördlich von Hannover. 32 HPC-Ladepunkte bietet die teilweise überdachte Anlage.
Als neue Besonderheit gibt es drei sogenannte Service-Inseln mit autonahen Dienstleistungen. Wer dort zum Laden andockt, kann parallel den Reifendruck prüfen sowie Staubsauger und Fußmattenreiniger von Kärcher nutzen. Nach dem Laden kann man also ins frisch gereinigte Auto einsteigen und losfahren. Die Anlage ist mit Solardach und extralangen Ladeplätzen für Gespanne ausgestattet. Im Umkreis von zwei Kilometern finden sich Restaurants, Supermärkte, Freibad und vieles mehr. Eine Wechselstation von Nio ist im Aufbau.
Foto: EnBW - Rolf OtzipkaSortimo Innovationspark Zusmarshausen
An der Autobahn A8 auf halbem Weg zwischen München und Stuttgart befindet ein dank kühner Architektur und zukunftsweisender Ladetechnik interessanter Ladepark. Das Angebot an Lademöglichkeiten ist varianten- und zahlreich. 72 Punkte mit je mindestens 140 kW Ladeleistung sind vorhanden.
Falls nötig, können einige Ladepunkte sogar mit 475 kW und perspektivisch sogar mit einem Megawatt laden. Nio-Fahrer können alternativ auch Akkus tauschen. Die großzügig angelegte Anlage bietet ein Restaurant mit Einkaufsbereich, viele Aufenthaltsmöglichkeiten, Kinderspielplatz und sogar Räumlichkeiten für Schulungsveranstaltungen.
Foto: Sortimo Innovationspark2. Im Schatten parken
Auch die Parkplatzwahl beeinflusst die Reichweite. Wird das Elektroauto in praller Sonne abgestellt, erhöht dies den Hitzestress für die Traktionsbatterie, was wiederum nach energieintensiver Kühlung verlangt. Ein Platz in einer Tiefgarage, Halle oder unter einem Baum bietet hingegen ein thermisch weniger stressiges Umfeld und ist mit einem Stromer sonnigen Plätzen stets vorzuziehen.
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3. Das Auto möglichst wenig zusätzlich belasten
Hat sich auf einem sonnigen Parkplatz der Innenraum eines E-Autos stark erhitzt, sorgt bei anschließendem Fahrtantritt die Kühlung per Klimaanlage für Reichweiteneinbußen sorgen. Die Klimaanlage trägt am meisten zum zusätzlichen Verbrauch bei E-Autos bei. Das gilt umso mehr im Sommer bei heißen Außentemperaturen und starker Sonneneinstrahlung. Wer diese Reichweiteneinbußen verringern will, schaltet die Klimaanlage idealerweise ab oder wählt eine moderate, nicht allzu niedrige Wunschtemperatur. Hilfreich ist es auch, das Fahrzeug bereits vor Fahrtantritt zu klimatisieren, wenn es noch am Ladekabel hängt. Befinden sich schwere aber eigentlich unnötige Dinge im Kofferraum, sollten diese ausgeräumt werden.
4. Änderungen beim Ladevorgang
Grundsätzlich sollten Nutzer auf großer Fahrt mit Elektrofahrzeugen im Sommer längere und häufigere Ladestopps einplanen. Ist es heiß, wird die maximale Ladeleistung von der Bordelektronik des Fahrzeugs zumeist automatisch heruntergeregelt, um Überlastungen zu vermeiden. Schnellladungen sollten ohnehin möglichst vermieden werden. Die meisten Batterien erreichen ihr Leistungsoptimum in bei einem Füllstand von etwa 80 Prozent. Daher ist es sinnvoll, die Akkus nicht vollständig aufzuladen.
5. Genauer planen
Flottenbetreibern, Logistikern wie auch privaten E-Auto-Nutzern empfiehlt Geotab generell, heiße Temperaturen in ihren Routenplanungen zu berücksichtigen. Große Hitze provoziert Kapazitäts- und Reichweitenverluste, weshalb Touren im Sommer anders als unter Idealbedingungen bei 21,5 Grad Celsius geplant werden sollten.
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