Elektroauto-Hersteller Tesla will bis 2020 keinen Gewinn machen

Tesla-Chef Elon Musk fühlt sich durch Billig-Benzin nicht unter Druck gesetzt. Auch die Offensive von GM lässt den Elektropionier scheinbar kalt.

Die verrückten Projekte des Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk Quelle: dpa
Menschen auf dem Mars - im September 2016 stellt Musk detaillierte Ideen für eine Besiedlung des Planeten vor. Quelle: SapceX,AP
Im Dezember 2015 kehrt mit der „Falcon 9“ erstmals eine Trägerrakete nach einer Mission heil und aufrecht zum Startplatz auf die Erde zurück. Quelle: dpa
Autopilot im Tesla Quelle: REUTERS
Autonomes Fahren im Tesla Quelle: REUTERS
Die sogenannten „Supercharger“ brauchen rund 75 Minuten, um einen Tesla-Akku komplett aufzuladen und eine halbe Stunde für eine halbe Ladung. Quelle: REUTERS
Mit einer „Hyperloop“ genannten Röhre will Musk irgendwann in der Zukunft per Unterdruck Passagiere mit nahezu Schallgeschwindigkeit wie eine Art Rohrpost transportieren. Quelle: REUTERS

"Wir könnten jetzt Geld verdienen, wenn wir nicht investieren würden", sagte Tesla-Chef Elon Musk bei einer Branchenkonferenz. Das kam bei Anlegern nicht gut an - die Tesla-Aktie fiel nachbörslich um etwa sieben Prozent.

Das Unternehmen baut derzeit seine Modellpalette und sein Händlernetz aus. So soll der Geländewagen Model X nach vielen Verzögerungen diesen Sommer auf den Markt kommen.

"Die Notwendigkeit für Elektroautos ist dringend", so Musk. Die Hersteller müssten ihr Engagement trotz des Falls des Ölpreises ausbauen, forderte er beim „Automotive News World Congress“.

Dabei zeigten sich viele Experten in Detroit skeptisch, was die mittelfristigen Erfolgschancen von E-Autos angeht. „Angesichts des billigen Sprits wird es sehr schwer werden, Stromer zu verkaufen“, sagte beispielsweise die US-Analystin Michelle Krebs von der Handelsplattform AutoTrader.

Freunde und Feinde von Elon Musk

Weil sich der Ölpreis seit dem Sommer mehr als halbiert hat, sind auch die Benzinpreise im Keller. Für Tesla kein Problem: „Nur weil Sprit etwas günstiger ist, wird er nicht nachhaltiger - wir blicken nur auf die langfristigen Perspektiven“, sagte Vertriebschef Jerome Guillen der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die großen Hersteller zeigen sich unbeeindruckt. Laut Nissan-Chef Carlos Ghosn ist der Trend zum Stromer ohnehin nicht mehr aufzuhalten: „Die Elektroauto-Industrie ist mit der Entwicklung zum Smartphone zu vergleichen.“ General Motors stellte auf der Messe mit dem Chevrolet Bolt ein E-Auto für den Massenmarkt mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern vor.

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Das Modell könnte ab 2017 zum Preis von etwa 30 000 US-Dollar auf ähnliche Kunden zielen wie Tesla. GM-Chefin Mary Barra sprach von einem „Elektroauto für jedermann“. Tesla bedient bislang nur das Luxussegment, will aber etwa zum gleichen Zeitpunkt wie GM das Model 3, den ersten „erschwinglichen“ Stromer auf den Markt bringen. Der Preis dürfte allerdings noch etwas über dem des Chevy Bolt liegen.

Tesla-Manager Guillen wollte in der GM-Offensive dennoch „keine Bedrohung“ erkennen. Schließlich habe Tesla das Ziel, so viele E-Autos wie möglich auf die Straße zu bringen. Da helfe jedes Modell. Auch die etablierten Autobauer sprechen über den Elektropionier nicht als Konkurrenten. „Tesla ist kein Wettbewerber - sie helfen uns“, sagte Ghosn. Nissan hat weltweit den größten Marktanteil bei E-Autos.

Die Hersteller erhoffen sich von der Popularität des Newcomers einen Schub für das Image der E-Mobilität. Wann der Markt für die Stromer so weit ist, dass zwischen den alten Akteuren und Tesla echte Konkurrenz entsteht, wollte Guillen nicht vorhersagen.

„Alle Wege führen zur E-Mobilität“, sagte Marktexperte Dennis DesRosiers vom US-Analysehaus Desrosiers Automotive Consultants der dpa. „Ich glaube aber nicht, dass Tesla diese Führungsrolle in Zukunft übernehmen kann.“ Je weiter die großen Hersteller vordrängten, desto schwerer werde es, die Nische zu verteidigen.

Die Zukunft für Tesla sieht DesRosiers nicht in Nordamerika, sondern in China. Dort könne die Regierung die Menschen zu E-Autos zwingen, um das Problem der Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Doch ausgerechnet in China gab es zuletzt Schwierigkeiten. Musk sprach von "unerwartet schwachen Verkaufszahlen".

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