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Elektroauto und Mobilität Den Reibach machen künftig nicht die Autobauer

Ex-Rocket-Internet-Chef Florian Heinemann warnt vor einer Degradierung der deutschen Autobauer zu simplen Hardware-Lieferanten des Silicon Valley. Quelle: dpa

Ex-Rocket-Internet-Chef Florian Heinemann warnt vor einer Degradierung der deutschen Autobauer zu simplen Hardware-Lieferanten des Silicon Valley. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain gibt ihm Recht.

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Deutschlands Autoindustrie und Wissenschaft sind tief zerstritten über der Frage, ob dem Verbrennungsmotor oder dem Elektroantrieb die Zukunft gehören soll. Nun warnt der frühere Chef von Rocket Internet und Transformationsexperte Florian Heinemann, dass die Konzerne Gefahr laufen, über dem Streit zu simplen Hardware-Lieferanten der Silicon-Valley-Riesen wie Google und Uber zu werden.

Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche sagte Heinemann, dass in Zeiten von E-Antrieb und Mobilitäts-Cloud, in der Menschen sich von Dienstleistern wie Uber oder selbstfahrenden Autos chauffieren lassen statt eigene Autos zu fahren, komplett andere Kriterien zählten als bisher: „Wer hat den besten Zugang zum Kunden? Wer hat die besten Innenraumunterhaltung? Wer hat das verständlichste Nutzerinterface?“, sagt Heinemann. 

Know-how entscheidet über Profite

Der Manager, der heute den Wagniskapitalfonds Project A führt und unter anderem den Handelskonzern Otto bei der Digitalisierung des Geschäfts unterstützt hat, nennt als warnendes Beispiel Apple. Das chinesische Unternehmen Foxconn stelle zwar die iPhones her, verdiene auch ganz ordentlich. Aber den großen Reibach mache Apple in Kalifornien, wo das digitale Know-how sitze. BMW, Volkswagen und Daimler liefen Gefahr, das Foxconn des Autos zu werden.

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain untermauert Heinemanns Warnung. 292 Milliarden Dollar wurden demnach in den vergangenen fünf Jahren weltweit bei Übernahmen, Fusionen und Beteiligungen in Firmen investiert, die sich mit den Zukunftsthemen des Autos beschäftigen: Elektromobilität, autonomes Fahren und Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing.

Bei Investitionen abgehängt

Die erschütternde Bilanz: Gerade einmal 16 Prozent dieser Investitionen tätigten Autobauer und Autozulieferer. Der Rest kam von Technologieunternehmen, Finanzinvestoren und aus anderen Branchen. „Die deutschen Autohersteller werden mit hohen Milliarden-Investitionen in Entwicklung und in neue Produktionsanlagen alles daran setzen, bei den Zukunftsthemen am Ball zu bleiben“, sagt Klaus Stricker, Partner und Autoexperte bei Bain. „Bei Übernahmen von und Investitionen in spezialisierte Unternehmen können sie mit Finanzinvestoren und Technologiekonzernen allerdings nicht mithalten. Neben den Autokonzernen werden mächtige Neueinsteiger entstehen, die den Mobilitätsmarkt an sich reißen wollen.“

Dass der Verbrennungsmotor an Relevanz verliert, lässt die deutsche Autoindustrie weitgehend schutzlos dastehen. Beim Verbrenner waren die Deutschen Spitze, er war damit eine Barriere etwa vor Herstellern aus China. Beim E-Motor hinken die deutschen Konzerne eher hinterher. Und das wird nicht besser, solange sich Manager, Wissenschaftler und Politiker streiten, ob der E-Motor überhaupt die richtige Technologie ist.

Wenig Chancen auf Talente

Die Uneinigkeit lässt Ex-Rocket-Chef Heinemann pessimistisch in die Zukunft blicken. „Die Wahrscheinlichkeit, in einem rumpeligen internen Umfeld neue Kompetenzen aufzubauen, die auch noch best in Class sind, ist hochgradig unwahrscheinlich“, sagt er. Ein so politisch aufgeladenes Umfeld sorge dafür, dass kreative Köpfe entweder gar nicht erst kommen oder frühzeitig wieder abspringen. Auch arbeite es sich in einem Umfeld, wo es viel Reibung gibt, einfach nicht effizient.

Florian Heinemann, Geschäftsführer und Co-Gründer des Frühphaseninvestors Project A Ventures, einem Berliner Inkubator, der Unternehmen in den Bereichen Internet und Mobile aufbaut. Quelle: Saskia Uppenkamp

Dabei seien „die Fragen, vor denen die Autoindustrie inhaltlich in den nächsten Jahren steht, alles andere als trivial.“ Ziehe die Industrie nicht die besten Leute, die besten Softwareentwickler, die besten Ingenieure an, habe sie keine Chance. Schon jetzt haben Unternehmen wie Volkswagen massive Probleme, beispielsweise digitale Talente anzuziehen.

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