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Elektroauto Vision-S „Sony könnte ein großer Störfaktor sein“

Sony könnte ein großer Störfaktor auf dem Automarkt sein, wenn sich die Unternehmensführung für den Verkauf eigener Elektroautos entscheiden würde, meint David Bailey. Quelle: dpa

Auf der Technologiemesse CES überraschte Sony mit der Designstudie eines Elektroautos. Im Interview erklärt David Bailey, Professor für Industriestrategie, warum Sony durchaus Chancen hätte, Tesla Konkurrenz zu machen.

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Es ist dürfte eine der spannendsten Meldungen der diesjährigen Technologiemesse CES in Las Vegas sein: Der Technologie- und Unterhaltungskonzern Sony hat ein eigenes Elektroauto entwickelt. Mit dem „Vision-S“-Projekt will Sony nach eigenen Angaben verdeutlichen, welche Möglichkeiten seine Produkte wie beispielsweise Sensoren für die Autoindustrie eröffnen. Noch dieses Jahr sollen Tests für autonomes Fahren beginnen. Im Interview mit der WirtschaftsWoche erklärt David Bailey, Professor für Industriestrategie an der Birmingham Business School mit Schwerpunkt Produktions- und Autoindustrie, wie das Konzeptauto Sony nutzt und welche Chancen der Elektronikkonzern als Autoverkäufer hätte.

WirtschaftsWoche: Herr Bailey, dass Tech-Unternehmen auch an Elektroautos denken oder daran arbeiten, ist nicht neu - Gerüchte gibt es schon seit Jahren. Dennoch überrascht Sony mit der Präsentation eines Elektroautos - warum?

David Bailey: Sony machte daraus ein großes Geheimnis. Das Unternehmen interessiert sich schon seit einiger Zeit für fahrerlose Autotechnik. Im Jahr 2015 hat Sony seine Sensoren den Autoherstellern auf der CES zur Verfügung gestellt. Das japanische Unternehmen ZMP entwickelte daraus fahrerlose Technologien. Aber es war nicht öffentlich, dass sie an einem vollständigen Auto arbeiten.

Wie stehen die Chancen, dass Sony tatsächlich eines Tages Elektroautos auf den Markt bringen wird?

Bei der Enthüllung auf der CES in Las Vegas gab es keine Details zu Preisen, Reichweite, Ladezeiten und dergleichen. Es handelte sich also nicht um eine Produkteinführung oder gar eine Konzeptautoeinführung, sondern lediglich um ein Schaufenster. Damit ist also immer noch nicht klar, ob Sony tatsächlich beabsichtigt, ein solches Auto zu bauen, oder ob es bloß ein Vehikel ist, um den Autoherstellern zu zeigen, welche großartige Technologie sie für den Verkauf an die Industrie haben – allen voran Sensoren. Ich vermute, es ist Letzteres – aber unter Vorbehalt.

Wäre Sony denn tatsächlich in der Lage, ein eigenes Elektroauto zu bauen?

Sony hat einen Jahresumsatz von 80 Milliarden US-Dollar und ist damit größer als viele Autohersteller. Es könnte sich die Kapitalkosten für die Herstellung von Autos leisten, wenn es wirklich wollte.

Sony hat mit einer Reihe von großen Auto- und Technologieanbietern zusammengearbeitet, um das Auto zu entwickeln. Ich vermute, dass der Fahrzeug-Auftragsfertiger Magna Steyr einen Großteil des Autos mit Sony und anderen beteiligten Technikern entwickelt und Magna es tatsächlich gebaut hat.

Dies könnte für Sony eine gute Möglichkeit sein, in den Markt einzusteigen, wenn man sich denn dafür entscheidet. Das heißt, Autos mit anderen zu entwickeln und die Montage auszulagern, um einige der Herausforderungen zu vermeiden, mit denen Tesla konfrontiert war. Sony könnte ein großer Störfaktor sein, wenn sich die Unternehmensführung für diesen Weg entscheidet.

Könnte Sony also zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten auf dem Automarkt werden?

Das Concept Car zeigt genau das, was auch Tesla bietet: ein gut aussehendes Auto, einen elektrischen Dual Motor, einen großen Touchscreen, Software-Updates, eine Skateboard-Plattform und natürlich viele Assisted-Driving-Funktionen. Letzteres spielt die Stärke von Sony bei den Sensoren aus, und ich denke, das ist es, worum es Sony tatsächlich geht: Sony führt der Autoindustrie seine autonomen Sensoren vor.

Aber ich hoffe, dass ich mich irre und Sony sich für den Markteintritt entscheidet. Wenn Sony das tut – und es ist ein großes „Wenn“ – dann werden sie sich dafür mit einem etablierten Monteur zusammenzutun, wie eben beispielsweise Magna Steyr, der längst als Auftragsfertiger Autos für bekannte Marken wie Jaguar und BMW herstellt.

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