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Elektroautos Tesla geht durch die Decke

Die Tesla-Zahlen für das dritte Quartal übertreffen die Analysten-Erwartungen deutlich Quelle: REUTERS

Analysten wetteten auf Verlust, Tesla überrascht mit Profit und einem neuen Rekord bei den Barreserven. Chef Elon Musk kürt derweil ein neues Modell vorab zum Megabestseller.

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Elon Musks Zeitgefühl ist legendär. Die Präsentation der Quartalsergebnisse des Elektroautoherstellers Tesla am Mittwoch war diesmal aber ganz offiziell verspätet. Auch die Telefonkonferenz mit dem Management war erst um 15:30 Uhr kalifornischer Zeit angesetzt, eine Stunde später als üblich. Schon das hatte Unruhe im Markt ausgelöst.

Unbegründet. Die Tesla-Zahlen des dritten Quartals sind nicht nur gut, sie sind weit besser als erwartet. Zumindest im Kerngeschäft mit Elektroautos. Weniger gut läuft es in der Solarsparte. Dafür liegen die Bar-Reserven auf neuem Höchststand, trotz Expansion bei Produktion und Ausbau der Produktpalette.

Dass Tesla im nachbörslichen Handel um fast 21 Prozent zulegte, liegt vor allem daran, dass Tesla-CEO Musk diesmal tatsächlich einen schon im vergangenen Jahr in Aussicht gestellten Termin halten konnte. Gegen viele Skeptiker und nach zwei Negativquartalen ist es dem Elektroautohersteller gelungen, im dritten Quartal einen Profit von 143 Millionen Dollar zu erwirtschaften. Wall-Street-Analysten hatten hingegen einen Verlust von bis zu einer viertel Milliarde Dollar erwartet.

Eine echte Leistung, da der Verkauf der von der Marge her weit lukrativeren Premiummodelle S und X eingebrochen ist, auch wegen ihres Alters und der Konkurrenz durch den Massenmarkt-Tesla Model 3. Erschwerend kommt hinzu, dass die Steuergutschrift in den USA mittlerweile auf unter 2000 Dollar zusammengeschmolzen ist und bis Jahresende ganz wegfällt. Ausgenommen der Anreize der jeweiligen US-Staaten, die beispielsweise in Kalifornien 2500 Dollar beträgt. Die Zahlen beweisen, dass das Massenmarktmodell für Tesla profitabel ist.

Zudem wirft der drohende Wirtschaftsabschwung seine Schatten voraus. Die traditionellen Autohersteller rutschen in die Krise, weil der Verkauf schwächelt. Heftiger könnte der Gegenwind kaum sein. Trotzdem: Musk bleibt bei seiner Prognose, in diesem Jahr 360.000 Autos zu verkaufen. Was bedeutet, dass Tesla bis Ende des Jahres noch etwa 105.000 Fahrzeuge absetzen muss. „Das ist eine Herkulesaufgabe“, sagt Wedbush-Analyst Dan Ives. Im dritten Quartal waren es 97.000 Autos.

Doch: „Die Nachfrage ist stark, auf weltweiter Basis“, bekräftigt Tesla-Finanzchef Zach Kirkhorn. Und läuft angeblich wie von selbst: „Wir haben momentan keine Pläne, unsere Produkte zu bewerben“, ergänzt Musk. Die Propaganda der Fans reicht aus. Bis Ende des Jahres soll zudem das Fahrassistenzsystem des Teslas so weit sein, dass es ohne große Eingriffe automatisch zum Zielort steuert. „Der Fahrer behält weiterhin die Kontrolle“, bekräftigt Musk, auch wegen regulatorischer Vorgaben.

Bei den Bar-Reserven hat Tesla ebenfalls zugelegt, sie liegen momentan bei 5,3 Milliarden Dollar, 80 Prozent höher als im Vorjahr. Und das, obwohl in den vergangenen zehn Monaten ein neues Werk in China errichtet wurde. Die Fertigung in Shanghai soll schon im November die reguläre Produktion aufnehmen. Zwar ist der Verkauf von Elektroautos in China um ein Drittel eingebrochen, weil die Regierung Verkaufsanreize zurückgefahren hat. Doch im Reich der Mitte gilt Tesla als Premiummarke, die Expansion des kalifornischen Autoherstellers wird von der Regierung gefördert.

Weltweite Expansion gegen den Branchentrend

Musk drückt weiter aufs Tempo. Im nächsten Jahr soll der Bau einer Fabrik in Europa beginnen. Sie wird wahrscheinlich in Deutschland stehen und soll ab 2021 das Model 3 sowie dessen höher gelegte Variante, das SUV Model Y, fertigen. Ihr Standort soll noch 2019 bekanntgegeben werden.

Zudem wird der US-Marktstart des Model Y auf den Frühsommer vorgezogen, was im Heimatmarkt USA einen neuen Hype-Zyklus auslösen könnte. Denn viele Model 3 Besitzer stören sich am beengten Zugang zum Kofferraum, während das etwas höher gelegte Model Y mit seiner Heckklappe wesentlich praktischer ist.

Musk ist bereits dabei, Erwartungen zu schüren: „Meine persönliche Meinung ist, dass das Model Y sich besser verkaufen wird als Model S, X und 3 zusammengenommen.“

Dass der Umsatz von Tesla gegenüber dem Vorjahr trotzdem um acht Prozent zurückging und sogar ein Prozent unter dem zweiten Quartal lag, erklärt Musk damit, dass inzwischen mehr Kunden das Model 3 leasen, als es zu kaufen. Die Leasing-Zahlen haben sich gegenüber dem zweiten Quartal tatsächlich verdoppelt, liegen allerdings nur bei knapp acht Prozent. Wenn sie aber weiterhin wachsen, könnte das zum Problem für Tesla werden, wenn das Leasing ausläuft. Musk will das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt verknappen, indem er die Rückläufer zu Robotaxis umwidmet. Mehr noch: Die geleasten Modelle können von ihren Nutzern gar nicht erworben werden. Ein geschickter Schachzug, um die Leasingrate gering zu halten. Wer seinen Tesla längerfristig nutzen will, muss sich jetzt schon auf den Kauf festlegen. Ein kühner Plan, den Musk allerdings immer noch ändern kann, falls die Regulierer Robotaxis verzögern.

Die Energiesparte bremst, die Konkurrenz steht bereit

Schwach ist weiterhin die Energiesparte. Zwar gelang es im dritten Quartal, den Abwärtstrend zu stoppen. 43 Megawatt wurden installiert, statt der mickrigen 29 Megawatt im zweiten Quartal. Doch das ist weit vom Vergleichsquartal des Vorjahres entfernt, wo 93 Megawatt ausgewiesen wurden. Der Plan von Musk ist, den Solaranlagenabsatz an Privatnutzer auszuweiten. Sie können in etlichen US-Bundesstaaten die Tesla-Photovoltaik monatlich mieten, ohne langfristige Verträge und Anzahlung. In Kalifornien will Musk zudem die Angst vor weiteren Stromausfällen nutzen und zusätzlich noch Akkus für das Speichern der Energie absetzen. „Langfristig erwarte ich, dass die Energiesparte ähnlich groß wie Teslas Autogeschäft wird“, sagt Musk.

Es ist ein Etappensieg für den Tesla-Gründer. Doch der schillernde Unternehmer steckt weiterhin in einem Marathon-Lauf. Denn der Profit gelang auch, weil Tesla im vergangenen Quartal heftig an Kosten sparte, inklusive Arbeitsplätzen. Im nächsten Jahr wollen zudem nicht nur traditionelle Autohersteller ihren Elektroautoabsatz ankurbeln. Auch Newcomer wie Rivian oder Lucid Motors planen den Start ihrer Modelle. Sie haben den Vorteil, dass sie noch den vollen Steuerrabatt von 7500 Dollar ausnutzen können.

Ob Tesla auch im nächsten Jahr Profite gelingen, ist daher ungewiss. Immerhin: Im Gegensatz zu etwa Apple, das nicht mehr veröffentlicht, wie viele iPhones verkauft werden, ist Tesla transparent geblieben. Für ein Unternehmen, das so von Leerverkäufern attackiert wird, ist das erstaunlich.



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