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Elektroautos Tesla verliert erneut einen Fertigungschef

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In nur einem Jahr hat Tesla zwei Produktionschefs verloren. Quelle: REUTERS

Innerhalb eines Jahres hat Tesla gleich zwei Produktionschefs verloren. Kurz vor Weihnachten wirft nun Bert Bruggeman überraschend das Handtuch.

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Der kalifornische Elektroautopionier Tesla ist für raschen Wechsel seines Führungspersonals bekannt. Diesmal geht Fertigungschef Bert Bruggeman, verlautet es aus seinem Umfeld. Er war erst im Oktober vergangenen Jahres zu Tesla gewechselt. Einen Nachfolger soll es noch nicht geben, weil der Abgang so überraschend kam. Bruggeman arbeitete zuvor in der Halbleiterindustrie, darunter viele Jahre bei Cypress Semiconductor im Silicon Valley und gilt als Experte für die Produktion von Chips. Sein Vorgänger Peter Hochholdinger hatte im Juni das Unternehmen verlassen. Ein paar Wochen später ging Eric Purcell, Chef der Qualitätskontrolle. Wenig später folgte Europachef Jan Oehmicke. Tesla Deutschlandchef Jochen Rudat ging im September. Im Dezember verlor Tesla seinen Chefjustitiar Jonathan Chang. Eine offizielle Bestätigung von Tesla zum Weggang von Bruggeman lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Bruggeman hatte seine Mitarbeiter vor ein paar Wochen noch angespornt, jede freie Minute zu nutzen, um mitzuhelfen bis zum Jahresende so viele Teslas wie möglich auszuliefern. Es gilt, die Marke von 100.000 Fahrzeugen zu übertreffen. Im Herbst hatte der Hersteller mit 97.000 Fahrzeugen die Marke knapp verfehlt, aber trotzdem einen neuen Rekord aufgestellt. Internes Ziel ist, im laufenden vierten Quartal mindestens 105.000 Fahrzeuge auszuliefern. Damit würde die von Firmenchef Musk prognostizierte Untergrenze von 360.000 Fahrzeuge für das Jahr 2019 erreicht, ein wichtiger Meilenstein. Jedes verfügbare Auto soll verkauft werden, besonders in den USA, was erheblichen Druck auf die von Bruggeman verantwortete Produktion auslöste.

Denn am ersten Januar gibt es in den USA keine bundesweite Förderung für Tesla-Fahrzeuge mehr. Der Steuerkredit von einst 7500 Dollar war für Tesla am ersten Januar 2019 auf 3750 Dollar halbiert worden und ab Sommer auf 1875 Dollar geschrumpft. Tesla ist der erste Autohersteller in den USA, für den der bundesweite Steuerrabatt am 1. Januar völlig wegfällt, weil das Unternehmen über 200.000 Fahrzeuge in seinem Heimatmarkt ausgeliefert hat. Im März läuft die Förderung dann für General Motors aus.

Konkurrenten wie BMW, Daimler, Volkswagen und Ford können hingegen entweder die ganze Summe oder zumindest Teile davon weiter nutzen. Der Elektroautopionier ist deshalb nun ausgerechnet wegen seiner Vorreiterrolle im Wettbewerbsnachteil. Im Washington hatte es Pläne gegeben, die Kappungsgrenze zu erhöhen, doch angeblich soll US-Präsident Trump dies durchkreuzt haben. Tesla kann nun nur noch die Fördermaßnahmen einzelner US-Bundesstaaten nutzen. Kalifornien hat seine Förderung für Elektroautos und Plug-in-Hybride gerade von 2500 Dollar auf 2000 Dollar gesenkt. Sie gilt zudem nur noch für Fahrzeuge, die weniger als 60.000 Dollar kosten.

Der Aktie von Tesla hat dies nicht geschadet. Beflügelt durch den Auslieferungsstart des im neuen Werk in Shanghai gefertigten Model 3, den vorgezogenen Produktionsstart des Model Y auf den Sommer 2020 und die erheblichen Vorbestellungen für den Pickup-Truck Cybertruck ist die Aktie auf Höhenflug gegangen. Tesla hat nun einen Börsenwert von 73 Milliarden Dollar, hat in diesem Jahr sämtliche US-Hersteller, BMW und Daimler überholt und ist nur noch 23 Milliarden Dollar von Volkswagen entfernt.

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