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Elektroautos Warum der Tesla-Verlust egal sein wird

Für Tesla war das vergangene Quartal kein leichtes. Bei der Vorstellung der Zahlen wird Elon Musk einen Verlust rechtfertigen müssen. Entscheidender für den Kurs der Aktie sind allerdings seine Aussagen zur Zukunft.

Tesla-Chef Elon Musk: Von seinen Aussagen hängt viel ab. Quelle: REUTERS

Regelmäßig die Öffentlichkeit über das laufende Geschäft zu informieren, ist nicht die Lieblingsbeschäftigung von Elon Musk. Der Tesla-Gründer inszeniert sich und sein Produkt lieber PR-wirksam, wenn er ein neues Elektroauto oder einen neuen Antrieb vorstellen will. Alles andere ist ihm ein Graus.

So gibt Tesla zum Beispiel keine monatlichen Absatzzahlen mehr heraus, weil die Zahlen laut Musk bei einem so kleinen Hersteller stark schwanken können. Von Medien und Analysten würde dann in jede kleine Schwankung zu viel hinein interpretiert wird, glaubt er. Um die Quartalszahlen kommt Musk allerdings nicht herum – und da stehen jetzt neue an.

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Wenn Musk am Mittwoch nach US-Börsenschluss den aktuellen Zwischenbericht präsentiert, wird er einen Verlust erklären müssen – da sind sich die Experten sicher. Sie rechnen bei dem jüngsten und kleinsten börsennotierten US-Autobauer mit einem Verlust von rund 60 Cent je Aktie vor Sondereffekten, auf Nettobasis soll der Verlust 1,11 Dollar betragen.

Die Zukunft interessiert die Investoren mehr

Trotz der prognostizierten Verluste legte die Aktie am Dienstag von 2,4 Prozent auf 266,28 Dollar. Ob die Tesla-Papiere nach der offiziellen Präsentation des Zahlenwerk zulegen oder nachgeben, wird aber nicht von der endgültigen Höhe des Verlusts abhängen – sondern von der anschließenden Telefonkonferenz.

Die Investoren wird mehr interessieren, was Musk zur Zukunft des Unternehmens zu sagen hat. Die aktuelle Lage ist klar: Um das diesjährige Absatzziel von 55.000 Autos zu erreichen, muss Tesla in der zweiten Jahreshälfte rund 50 Prozent mehr Autos verkaufen als in der ersten Hälfte. Teslas Dilemma ist, dass die Kalifornier derzeit nur ein einziges Auto im Angebot haben – und die Kunden im Moment lieber auf das neue Modell zu warten scheinen.

Vor wenigen Tagen gab Tesla bekannt, dass für das künftige Model X, ein SUV mit Elektroantrieb, bereits knapp 30.000 Bestellungen vorliegen. Zuletzt sollen sogar 40 Autos pro Tag geordert worden sein. Damit könnte – so zumindest die Vermutung vieler Experten – das lange erwartete Model X dem bestehenden Model S Kunden wegnehmen. Wie das Elektro-Portal "EV Inside" berichtet, sollen im Juli noch 1.600 Model S bestellt worden sein – im Vorjahresmonat waren es noch 2.800 Bestellungen. Offiziell sind diese Zahlen aber nicht. Ob Experten zu viel spekulieren oder Tesla wirklich ein Problem hat, kann wohl nur Musk bestätigen.

Ein Indiz wird die Prognose für das dritte Quartal sein. Im Moment liegt Tesla hinter den selbst gesteckten Plänen. Und sollte der Absatz des Model S wirklich so negativ sein, wird es umso schwerer für die Kalifornier. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg vorrechnet, könnte bereits eine Differenz von 1.000 Autos einen großen Unterschied machen: Sollte Tesla im dritten Quartal nur 13.000 statt 14.000 Elektroautos verkaufen, müssten sie den Absatz im Schlussquartal um ganze 70 Prozent steigern, um noch das Jahresziel zu erreichen. Ohne ein zweites Modell oder starke Preisnachlässe dürfte das kaum gehen.

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Deshalb dürften alle Nachrichten über einen Produktions- oder Verkaufsstart des Model X an den Märkten sehr positiv aufgenommen werden und der Aktie Rückenwind verschaffen. Mit einem Schlag hätte Tesla sein Modellangebot verdoppelt – und das mit einem trendigen SUV, das auch noch ein paar Tausend Dollar günstiger sein dürfte als die große Limousine Model S.

Die Gigafactory wird entscheidend

Das neue Modell würde Tesla gut tun, zumal das Umfeld für Autobauer allgemein wegen des abkühlenden Riesen-Markts China rauer geworden ist. Im ersten Quartal hatte Musk noch erklärt, dass der Tesla-Absatz in China angezogen habe. Sollte der Elektropionier aller Probleme zum Trotz gegen den Trend wachsen, dürfte die Aktie wiederum einen Kurssprung hinlegen. Auch hier kommt dem Model X wohl eine Schlüsselrolle zu – in China wird das Elektro-SUV dem Vernehmen nach aber nicht vor der ersten Jahreshälfte 2016 auf den Markt kommen.

Die Tesla-Chronik

Neue Informationen erwarten die Investoren auch zu einem weiteren Tesla-Produkt, das noch in diesem Sommer auf den Markt kommen soll: der Akku für Privathaushalte, Powerwall genannt. Bislang hatte Musk nur von einem "irren Interesse" für den Energiespeicher gesprochen. Konkrete Zahlen hat Tesla aber noch nicht genannt. Nur so viel: Das Geschäft mit den stationären Energiespeichern werde sehr viel schneller wachsen können als der Autobereich. Wenn Musk hier eine solide Prognose nennen kann, könnte das einen Schub geben, während eine Verschiebung in den Herbst hinein eine Enttäuschung sein dürfte.

In Arbeit
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Der Erfolg von Teslas Autos und vor allem den Haus-Akkus steht und fällt mit dem Bau der Gigafactory, der weltgrößten Batteriefabrik im US-Bundesstaat Nevada. Hiervon hängt ab, ob die Batteriepreise wie erwartet sinken werden. Das Model 3, mit dem Tesla in einigen Jahren auch ein preiswertes Elektroauto für den Massenmarkt anbieten will, ist wohl nur mit der Gigafactory möglich. Auch bei den beiden anderen Modellen und der Powerwall dürfte die Gewinnmarge mit günstigen Akkus aus eigener Produktion entscheidend steigen.

Bei Tesla hängt vieles von Gründer und Chef Elon Musk und dessen nebulösen Ankündigungen ab. Bei dem Gigafactory-Projekt dürften die Investoren aber eine gewisse Sicherheit haben, dass der Bau nach Plan läuft: Gemeinsam mit dem Partner Panasonic hat Musk in der vergangenen Woche zur Eröffnungsparty geladen – im April 2016.

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