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Elektroautos Womit Chinas Autohersteller BYD wirklich auftrumpft

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So haben BYD-Forscher eine Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie entwickelt, die sicherer und billiger als die herkömmliche Lithium-Ionen-Batterie ist. Solche Innovationen sind für den wirtschaftlichen Erfolg von Elektroautos entscheidend, weil die Akkus, also die aufladbaren Batterien, einen großen Kostenblock darstellen. Deshalb beschäftigen sich auch andere chinesische Unternehmen intensiv mit Batterietechnik. Die im Westen noch unbekannten Firmen tragen Namen wie Phylion, Lishen, BAK oder Wanxiang. Phylion in der Nähe von Shanghai etwa produziert derzeit täglich 10 000 Batteriezellen, hauptsächlich für die in China sehr beliebten Elektroroller. Bald schon sollen es 60 000 sein und zwar ausschließlich für Pkws.

„China besitzt fundiertes Know-how bei der Entwicklung und Herstellung von Akkus“, sagt Gerd Möhrke, Experte für Elektrofahrzeuge und Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Management Engineers China in Shanghai. Durch die großen Produktionsmengen, schätzt Möhrke, dürften die Preise für die Akkus in den kommenden Jahren deutlich sinken – und Chinas Kostenvorteil wachsen.

VW und Daimler wollen ein Elektroauto für den chinesischen Markt entwickeln

„Es genügt, einen Blick auf die explosionsartige Verbreitung von Elektrorollern in China zu werfen, um zu erkennen, was uns auf dem chinesischen Automarkt möglicherweise noch erwartet“, sagt auch Gregor Matthies, Partner und Autoexperte bei der Unternehmensberatung Bain and Company. „Wenn es den chinesischen Herstellern gelingt, die aufwendig herzustellende Technik von Elektrofahrzeugen in die industrielle Großserienherstellung zu überführen, können sie sich einen Vorsprung erarbeiten, ähnlich, wie ihn sich Toyota bei der Hybridtechnik erarbeitet hat.“

Konzernlenker im Ausland beobachten die Aktivitäten der Chinesen deshalb genau – und suchen den Schulterschluss. VW-Chef Martin Winterkorn hat mit BYD eine Absichtserklärung über eine Kooperation unterschrieben. Auch Daimler-Kollege Dieter Zetsche schloss mit BYD Ende Februar ein Abkommen. Die beiden Konzerne wollen gemeinsam ein Elektroauto für den chinesischen Markt entwickeln. „Das Daimler-Know-how bei der E-Auto-Architektur und BYDs exzellente Batterietechnologie sowie E-Antriebe passen perfekt zusammen“, freut sich Zetsche. Das erste Auto, das BYD mit Hybridantrieb auf den Markt brachte, war Ende 2009 der F3DM. DM steht für Dual Mode, zu Deutsch: zwei Antriebsweisen. Das Auto verkauft BYD bislang aber ausschließlich als Flottenfahrzeug an staatliche Unternehmen, Taxifirmen, Polizei, Post und Regierungsstellen. Das hat einen einfachen Grund: Die Ökoautos der Chinesen seien technisch noch nicht ausgereift, sagen Experten aus China und Deutschland.

Verkaufsstart verzögert sich

Folge der technischen Mängel sind Verzögerungen bei der Einführung verschiedener Modelle. Eigentlich wollte BYD Ende 2009 den Öko-Mittelklassewagen F3DM in die Autohäuser bringen. Etwa zeitgleich sollte die Hybridlimousine F6DM kommen, Anfang dieses Jahres schließlich der e6, ein Vollelektrofahrzeug mit angeblich 400 Kilometer Reichweite und einer Spitzengeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. Inzwischen ist der Verkaufsstart bei allen drei Modellen jedoch unklar.

Dazu kommt: Ein geplantes Subventionsprogramm, mit dem Chinas Regierung den E-Autos zum Durchbruch verhelfen wollte, wackelt. Wegen der hohen Ausgaben für das Konjunkturprogramm zur Krisenbewältigung hat sich Peking einen harten Sparkurs verordnet – mit ein Grund, warum BYD die Einführung des e6 zunächst verschoben hat. Ob China das Ziel erreicht, schon 2012 eine halbe Million Elektroautos zu bauen, ist fraglich.

Trotz dieser Verzögerungen sei die Gefahr aber nicht gebannt, dass China die Deutschen beim Elektroauto vorführt, warnt Jan Traenckner, ein auf Elektromobilität spezialisierter Unternehmensberater. Traenckner empfiehlt den deutschen Herstellern deshalb einen engen Schulterschluss und eine „konzertierte Aktion“ mit der deutschen Politik, um das Thema Elektromobilität voranzutreiben. „Die technologische Insel der Glückseligen in Deutschland und Europa“ finde sonst ein „jähes Ende durch die politisch motivierte und stark wettbewerbsverzerrende Förderung der Elektromobilität in Asien“.

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