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Elektromobilität E-Autos werden vom Rohrkrepierer zur Rakete

Seit einigen Monaten gibt es die ersten attraktiven Elektroautos. Und siehe da, die Kunden lassen dafür manch herkömmliches Modell stehen. Langsam zeichnet sich ab, welche Hersteller brillieren und wo die Stromer eine große Zukunft haben.

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Die S-Klasse unter den Stromern
Bekannt wurde Elon Musks kalifornische Elektroautoschmiede durch den Sportwagen Tesla Roadster, der auf der Lotus Elise basierte. Das neue Modell, das schlicht "S" heißt, ist eine Eigenentwicklung mit einigen Superlativen. So sorgen die Batterien des viertürigen und 2,1 Tonnen schweren Luxus-Sportcoupes theoretisch für maximal 480 Kilometer Reichweite, verspricht der Hersteller. So weit fährt mit einer Batterieladung derzeit kein anderes Serien-Elektroauto. Allerdings zeigen langfristige Tests auch immer wieder, dass diese Angaben in der Realität kaum zu schaffen sind. Quelle: PR
Diesmal soll es - anders als beim Roadster - keine Kleinserie werden, sagt der Hersteller. Und schon jetzt liegen angeblich 13.000 Vorbestellungen vor. Für Europa sind davon 3.000 bestimmt. Eine gewisse Exklusivität ist also garantiert. Dabei nennt Tesla bisher noch nicht einmal einen offiziellen Preis für den deutschen Markt, allerdings sollen sich die Kurse an den amerikanischen Listen orientieren. Quelle: PR
Die Motorleistung der Grundversion steht noch nicht fest, dafür stellt Tesla derzeit seine Spitzenversion ganz in den Vordergrund. Die kostet 97.000 Dollar (rund 75.000 Euro) und wartet mit einem 85 Kilowattstunden-Akku auf. Der bringt 310 kW bzw. 421 PS Power und 600 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterachse. Quelle: PR
Dass bei einem so futuristischen Auto wie dem Tesla S keine Kontrolle mehr analog funktioniert, versteht sich fast von selbst. Quelle: PR
Das gigantisch große 17-Zoll-Touchscreen dominiert den Innenraum. Quelle: PR
Beeindruckend gestalten sich die Fahrleistungen des 421 PS starken Topmodells. Quelle: PR
Das Staufach unter der Fronthaube fasst 150 Liter. Quelle: PR

Böse Gerüchte machen in Kalifornien die Runde. Geldmangel und technische Probleme setzten dem Elektroautohersteller Tesla angeblich so zu, dass die Produktion der Limousine Model S niemals anlaufen werde. Tesla-Chef Elon Musk jubelt zwar, als der erste Wagen dann doch vom Band rollt: „Wir haben es den Skeptikern mal wieder gezeigt.“ Doch glauben will dem Tesla-Gründer und Hauptaktionär das niemand so recht.

Tesla macht Lust auf mehr

Elf Monate später straft die Realität alle Skeptiker Lügen. Über 10.000 Elektrosportwagen hat Tesla seit dem Produktionsstart im Juni 2012 verkauft, Musk hat die Wochenproduktion im ehemaligen Toyota-Werk im kalifornischen Fremont auf 500 Autos hochgeschraubt. Wer heute in den USA die Limousine für mindestens 70.000 Dollar bestellt, muss bis zu sechs Monate warten. 21.000 Model S will Tesla 2013 ausliefern. Um das zu schaffen, muss die Produktion des geplanten Geländewagens Tesla X auf 2014 verschoben werden. Im ersten Quartal 2013 schrieb Tesla erstmals schwarze Zahlen. In der vergangenen Woche zahlte das Unternehmen einen 450-Millionen-Dollar-Kredit der US-Regierung zurück – neun Jahre früher als vereinbart.

Zur Person

Der märchenhafte Aufstieg des Elektroautopioniers aus Kalifornien, an dem auch Daimler und Toyota beteiligt sind, steht in merkwürdigem Kontrast zu dem öffentlichen Abgesang auf die Elektromobilität in Deutschland. Noch bevor die Autokonzerne ihre ersten elektrischen Großserienmodelle überhaupt auf den Markt bringen konnten, wurde das E-Auto hierzulande von manchen Experten als Rohrkrepierer gebrandmarkt.

Tesla-Aktie

Doch die meisten Hersteller ließen sich davon nicht beirren. Neben Tesla brachten in den vergangenen Monaten auch Renault und Nissan die ersten attraktiven Modelle auf den Markt. Und siehe da: Die Kunden greifen zu. Angeschoben von teils üppigen Subventionen, schlagen E-Modelle in manchen Märkten sogar herkömmliche Autos.

Deutschland wichtiges Herstellerland

Die erfolgreichsten Elektroautos
Chevrolet Volt Quelle: GM
Renault Zoe Quelle: Renault
Nissan Leaf Quelle: Nissan
Tesla Model S Quelle: Tesla
Audi A§ e-tron Quelle: AP/dpa
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
BMW i3 Quelle: dpa

„Die von vielen schon totgesagte Elektromobilität kommt offenbar in Fahrt“, sagt der McKinsey-Autoexperte Christian Malorny. „Rund 20.000 Elektroautos wurden in den USA im ersten Quartal abgesetzt, das ist gegenüber dem starken vierten Quartal ein Anstieg von rund acht Prozent.“

Drei Jahre nachdem die WirtschaftsWoche und McKinsey den Elektroautoindex Evi schufen, um die Ausbreitung der Elektromobilität in wichtigen Industrieländern zu messen, bekommt der Zukunftsmarkt ein Gesicht: Es zeichnet sich ab, welche Technik sich durchsetzt, welche Autobauer die Nase vorn haben werden und mit welchen Preisen Kunden rechnen können.

Deutsche Plug-in-Hybride
Porsche Panamera Quelle: Presse
 Audi A3 Quelle: Presse
Der Opel Ampera Quelle: dapd
Der BMW Active Tourer Quelle: dpa
Der VW Golf wird Ende 2013 gezeigt und schafft mehr als 50 Kilometer rein elektrisch Quelle: dapd
Der VW Cross Blue Quelle: REUTERS

Deutschland, so viel deutet sich an, wird auf absehbare Zeit wohl kein großer Absatzmarkt für die Stromer, wohl aber ein wichtiges Herstellerland werden, das in einigen Jahren Hunderttausende E-Mobile in alle Welt exportieren wird. Denn zum zweiten Mal in Folge signalisiert der Elektroautoindex Evi, dass in Deutschland künftig mehr Batterieautos gebaut werden als bisher prognostiziert.

„Im Jahr 2018 wird die deutsche Autoindustrie voraussichtlich über 300.000 Elektroautos produzieren“, schätzt McKinsey-Berater Malorny, „vor einem halben Jahr lag die Prognose noch bei gut 200.000.“ Den besseren Aussichten verdankt Deutschland, dass es Frankreich im Elektroautoindex Evi vom dritten Platz verdrängt, hinter Japan und den Vereinigten Staaten.

Der Audi R8 e-tron
Der R8 e-tron auf Testfahrt: Der Flitzer von Audi geht leider nicht in Serie. Auf der Teststrecke fährt er bis zu 200 km/h Spitze. Quelle: Presse
Angedacht war eine Kleinserie von 100 Autos, die für 150.000 bis 200.000 Euro zu haben sein sollten. Daraus wird nun nichts. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen beendet Audi-Chef Rupert Stadler das Projekt. Quelle: Audi-Pressebild von Bernhard Huber
Am sportlichen Design gibt es nichts auszusetzen. Was den Serienstart verhinderte, waren in erster Linie die zu hohen Kosten für den Akkublock - weit über 20.000 Euro. Quelle: Audi-Pressebild von Bernhard Huber
Zwei Elektromotoren mit 280 kW (381 PS) hat der e-tron unter der Haube. Quelle: Audi-Pressebild von Bernhard Huber
Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Kapazität von 48,6 kWh. Eine Ladung soll für 215 Kilometer reichen - deutlich weniger als beim Tesla Model S. Hier verspricht der Hersteller 483 Kilometer. Quelle: Presse
Von null auf hundert km/h in 4,2 Sekunden. Der R 8 hat noch mehr Power als der Tesla Model S. Der Amerikaner braucht 4,6 Sekunden. Quelle: Audi-Pressebild von Bernhard Huber

Die haben ihre starke Stellung auch Tesla mit seinen fünfstelligen Absatzzahlen zu verdanken. Der teure Stromer ist nicht nur der E-Auto-Champion des Jahres 2013. Das Unternehmen, von dem Daimler den Antriebsstrang für die Elektroversion des Smart und der für 2014 angekündigten elektrischen B-Klasse bezieht, entpuppt sich als der wohl wichtigste Wegbereiter der E-Mobilität. Denn bereits mit dem ersten Tesla-Modell, dem seit 2008 rund 2600 Mal verkauften Sportwagen Roadster, bewies Musk, dass E-Autos funktionieren – und vor allem, dass sie keine Fahrzeuge ohne Spaßfaktor sein müssen.

Schlüsselerlebnis

Toyotas smartes E-Auto
Besucher der Fachmesse CEATEC in Japan begutachten das neue intelligente E-Auto von Toyota "Smart INSECT". Quelle: dpa
Der Einsitzer "Information Network Social Electric City Transporter" verwendet Sensoren und Spracherkennung, um mit der Außenwelt und dem Fahrer zu kommunizieren. Quelle: dpa
In dem Einsitzer kann der Fahrer seinen eigenen Tablet-Computer und sein Smartphone in ein Dock stecken, damit diese dann als Navigationssystem oder Musikplayer zur Verfügung stehen. Quelle: dpa
Die Frontansicht des «Smart INSECT», den Toyota auf der Messe CEATEC in Japan vorgestellt hat. Quelle: dpa

Die Fahrt in dem rund 100.000 Euro teuren Tesla Roadster, der raketenartig in 3,7 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigt, war ein Schlüsselerlebnis für viele Autokonzernvorstände – auch wenn sie das öffentlich nicht gern zugeben. „Wir hatten einen Tesla zu Testzwecken. In dem Auto habe ich erstmals geahnt, dass das mit den Elektroautos eine große Sache wird“, sagt der Forschungschef eines deutschen Autobauers. „Der Roadster war der Grund, warum wir das Elektroauto auf die Agenda gesetzt haben.“ Fünf Jahre nach dem Start ist die Produktion des Roadster eingestellt. Die Erfahrungen kommen nun dem Massenmarkt in Gestalt der viertürigen Tesla-Limousine Model S zugute.

Model S

Mit dem Vorpreschen von Unternehmen wie Tesla, aber auch Renault-Nissan kristallisieren sich nun die Konturen des künftigen Geschäfts mit der E-Mobilität heraus. Denn das neue Modell Renault Zoe und die überarbeitete Version des Nissan Leaf markieren die Wende auf dem Markt der kleineren, preiswerten Fahrzeuge. Damit zeigt sich:

  • Japan hat sich dank Toyota und dessen millionenfach verkauften Hybridautos bei der Elektrifizierung des Autoantriebs einen Vorsprung verschafft, den dem Land und dem Konzern so schnell niemand streitig machen wird.
  • Die USA rangieren weltweit auf Platz zwei, weil nirgendwo sonst so viele E-Elektroautos verkauft wurden.
  • Deutschland kann sich berechtigte Hoffnungen machen. Denn die technische Kompetenz und das Premiumimage seiner Autobauer sind beste Voraussetzungen, auf dem neuen Markt eine wichtige Rolle zu spielen.
  • Für Frankreich, allen voran den angeschlagenen Renault-Konzern mit seinem japanischen Partner Nissan, bietet das Elektroauto die große Chance, die Malaise im Autobau zu überwinden.
  • Von den anderen Autobaunationen hat derzeit wohl nur China das Potenzial, zu den vier führenden Ländern aufzuschließen. Vorerst wurde aus dem mit Staatsmilliarden geförderten Elektroautoangriff auf die westliche Autoindustrie aber nur eine peinliche Bruchlandung. Weder die chinesischen Autobauer noch der dortige Markt sind derzeit reif für E-Mobile.
Zoe

Absturz der Batteriepreise

Die deutschen Autokonzerne haben um ihren Weg in das Elektrozeitalter lange gerungen, die Weichen aber nun gestellt. Die Strategen von VW, BMW und Daimler sind sich darin einig, dass der bedeutendste elektrifizierte Antrieb für die kommenden Jahre der Plug-in-Hybrid ist: eine Kombination aus herkömmlichem Verbrennungsmotor und einem Elektroantrieb, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. So muss kein Kunde fürchten, mit leerer Batterie liegen zu bleiben, und kann trotzdem großteils elektrisch fahren.

Gut zwei Dutzend neue Plug-in-Modelle sind bei VW, Porsche, Audi, Daimler und BMW in Planung oder stehen vor der Markteinführung, vom BMW i3 über den Audi A3 e-tron bis zum VW e-up! Reine E-Mobile sind aufgrund ihrer begrenzten Reichweite aus Sicht der deutschen Hersteller nur etwas für den Stadtverkehr. Erst auf lange Sicht – wenn Batterien billiger und stärker sind – wollen sie den Verbrennungsmotor ganz verschwinden lassen.

Großes Wettrennen

Serienstart für den Tesla S
Mit seinem neuen Model S möchte der kalifornische Autobauer Tesla nun den Massenmarkt erorbern. Quelle: PR
Das Modell S soll mit 20 000 Exemplaren serienmäßig an den Markt gebracht werden - eine Herausforderung für den Elektroautobauer, der für seinen Zweisitzer Roadster nur 2 000 Exemplare hergestellt hat. Quelle: PR
Im neuen Wagen soll dagegen fünf Personen Platz finden, für zwei Kinder soll es gar noch Raum hinter der zweiten Sitzreihe geben. Quelle: PR
Tesla fordert mit seinem neuen Wagen auch dem deutschen Autobauer BMW heraus - In Puncto Klasse sehen Experten in dem neuen Tesla einen direkten Konkurrenten zum BMW M5. Quelle: PR
Ausrüsten kann man den S mit Batterien verschiedener Reichweite. Bis zu 500 Kilometer verspricht die Batterie mit einer Ladung von 85 Kilowatt. Quelle: PR
Top Geschwindigkeit mit der 85-Kilowatt-Batterie: bis zu 200 km/h. Quelle: PR
Zudem soll der Wagen mit dieser Energieausstattung in nur 5,6 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen können. Quelle: PR

Die deutschen Autobauer erwischen nach Ansicht von McKinsey-Berater Malorny einen guten Zeitpunkt, wenn sie Ende des Jahres ihre ersten Großserien-Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen: „Die Preise für die teuerste Komponente, die Batterie, sind stark gesunken. Auch haben die Hersteller jetzt Erfahrungen gesammelt, mit welchen Leasingmodellen sie den Kunden die Angst vor der neuen Technik nehmen können.“ Zudem habe sich gezeigt, dass viele Kunden ausgereifte Technik und ein Premiumimage bei den E-Fahrzeugen wollten. „Genau das“, sagt Malorny, „ist die Positionierung der deutschen Hersteller.“

Die Autobauer mit den innovativsten Antriebstechnologien
A Lexus hybrid engine Quelle: dpa
A model's leg hangs out of a Fiat Oubo at the Paris Motor Show Quelle: dpa
People visit the Renault showcase on media day at the Paris Mondial de l'Automobile Quelle: REUTERS
Minister for Industrial Recovery Arnaud Montebourg (C) and Chief Executive of French carmaker PSA Peugeot Citroen Philippe Varin (R), visit "La Francaise de Mecanique" Quelle: REUTERS
A worker cleans a Toyota Yaris car at the Wuhan Motor Show, Hubei province, Quelle: REUTERS
A Hyundai logo is seen on a Hyundai BlueOn electric car Quelle: REUTERS
The 2012 Ford Escape Quelle: dapd

Gleichzeitig läuft im Markt offenbar das das große Wettrennen um die stärkste und kostengünstigste Batterie. So arbeitet Toyota an Stromspeichern, die die derzeit verwendeten Lithium-Ionen-Akkus um Längen schlagen. Angeblich hat Toyota Akkus entwickelt, die Reichweiten von 1000 Kilometern ermöglichen und trotzdem preisgünstig sind. Bereits 2015 könnten sie marktreif sein. Sollte Toyota dieser Durchbruch nicht gelingen, werden andere Forscher triumphieren: Fast täglich vermelden Labore von Universitäten, Instituten, Autobauern und Chemiekonzernen neue Rekorde auf dem Weg zu günstigeren und besseren Batterien.

Zwar ist der Preis für die Akkus zurzeit noch sehr hoch. Bei Autos mit einer elektrischen Reichweite von über 100 Kilometern entfällt etwa ein Drittel der gesamten Herstellungskosten auf die Batterie. Über 500 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität mussten Autobauer wohl berappen, die derzeit mit E-Autos auf dem Markt sind. Doch weil Hersteller in aller Welt Überkapazitäten für Elektroautobatterien aufgebaut haben, rauschen die Preise derzeit in die Tiefe. Für rund 300 Euro pro Kilowattstunde könnten Autohersteller inzwischen Batterien in Asien beziehen, sagt Dirk Uwe Sauer, Professor für elektrische Antriebe an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Mit solchen Preisen hätten Experten erst im Jahr 2020 gerechnet. Bis 2020, so die Prognose des Experten, würden Preise sogar auf 200 Euro sinken.

Die beliebtesten E-Autos der Welt
FankreichFrankreichs Autobauer setzen voll auf Elektromobilität. Doch das E-Auto, das sich in der Grande Nation am besten verkauft, ist kein Renault, kein Peugeot und kein Citroen. Platz 1 geht an das Modell Bluecar des französischen Mischkonzerns Bolloré. Es wurde im ersten Quartal über 700 Mal abgesetzt. Insgesamt wurden schon über 1800 Bluecars in Frankreich zugelassen – die meisten jedoch nicht durch Privatkunden, sondern den Pariser Car-Sharing-Anbieter Autolib. Französische Privatkunden können das Bluecar ab Juni für 330 Euro pro Monat leasen – bei Fahrtkosten von 1,50 Euro pro 100 Kilometer kein schlechter Deal. Quelle: dapd
In Japan führt ein alter Bekannter das E-Auto-Ranking an: Der Nissan Leaf. Unter den Elektro-Großserienfahrzeugen der ersten Stunde gehört es zu den besten und erfolgreichsten. 2011 wurden wegen des Erdbebens in Japan nur 20.000 Stück gebaut, in diesem Jahr strebt Nissan 40.000 an. Im Heimatmarkt wurden im ersten Quartal knapp 2800 Leaf abgesetzt. Quelle: dapd
USAIn Frankreich ist ein französisches Modell top, in Japan ein japanisches – und in USA ein amerikanisches. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Industriepolitik. Die Länder fördern den Verkauf heimischer E-Autos mit Kaufprämien von einigen tausend Euro. So landet in den USA der Chevrolet Volt ganz oben auf dem Treppchen mit über 3700 neu zugelassenen Fahrzeugen im ersten Quartal. Weltweit wurde das E-Auto, das auch über einen benzinbetriebenen Zusatzmotor verfügt, schon 23.000 Mal verkauft. In Deutschland ist das fast baugleiche Auto auch als Opel Ampera zu haben. Quelle: dapd
China hat große Pläne mit dem Elektroantrieb. Weil der Rückstand gegenüber den großen Autonationen bei herkömmlichen Antrieben nicht aufzuholen ist, will China mit E-Autos angreifen. Doch das in der DDR erfundene Manöver „Überholen ohne Einzuholen“ (Walter Ulbricht) gestaltet sich schwieriger als gedacht. Technische Probleme werfen die chinesischen Autobauer immer wieder zurück, was sich auch an den Zulassungszahlen ablesen lässt. Im ersten Quartal war das Modell A-Class von Jianghuai Automobile Co (JAC) das meistverkaufte E-Auto – mit ganzen 213 Fahrzeugen. Quelle: AP
DeutschlandDie deutschen Kunden gehen das Thema E-Auto pragmatisch an. Platz 1 im ersten Quartal geht an den elektrischen Renault Kangoo. Für Gewerbe, die für einen begrenzten Radius einen Transporter brauchen und unter hohen Benzin-Rechnungen leiden, ist die E-Version des Kangoo eine echte Alternative. Bei 20.000 Euro Kaufpreis zuzüglich einer monatlichen Batteriemiete von 72 Euro (zzgl. MwSt) kann sich das Fahrzeug durchaus rechnen. Das dachten sich wohl auch die 280 Käufer, die im ersten Quartal zugriffen. Den eher klassischen Autokäufer darf man dagegen hinter dem zweitplatzierten Modell vermuten,… Quelle: REUTERS
…dem Opel Ampera. Der technische Zwillingsbruder des Chevrolet Volt wurde im ersten Quartal 250 Mal abgesetzt. Das ist nur gut ein Prozent der weltweit verkauften Volts und Amperas. Am Produkt selbst kann das geringe Interesse in Deutschland nicht liegen, denn der Ampera ist ein Auto, das die meisten Alltagsstrecken (bis 80 Kilometer) elektrisch und kostengünstig schafft, dank des zusätzlichen Benzinmotors aber auch alle Vorzüge eines herkömmlichen Autos der Golf-Klasse hat. Was die Kunden abschreckt, ist wohl eher der Anschaffungspreis (43.000 Euro) und die Frage, wie viel so ein Auto nach ein paar Jahren noch Wert ist. Quelle: dpa
Mit mageren 110 Autos liegt der Renault Fluence auf Platz 3 hierzulande. Auch hier muss man sich die Kunden als preisbewusste Pragmatiker vorstellen, denn der Fluence hat Passat-Größe und kostet dennoch nur 26.000 Euro plus 82 Euro monatliche Batteriemiete. Noch günstiger und mit frischer Cabrio-Brise kann man in einem anderen elektrischen Gefährt reisen,… Quelle: Presse

Die überraschend schnell sinkenden Batteriepreise helfen all jenen Autobauern, die schon mit E-Modellen auf dem Markt sind und nun mit den Preisen heruntergehen können. So will General Motors den Nachfolger des Chevrolet Volt 2015 rund 10.000 Dollar günstiger anbieten. Bei Renault ist bereits die Rede davon, den Zoe in zwei Jahren mindestens 5000 Euro preiswerter auf den Markt zu bringen. Der neue Nissan Leaf ist bereits über 4000 Euro günstiger als der Vorgänger.

Auf der anderen Seite leiden die Batterieproduzenten unter dem Preisverfall. Etablierten Anbietern wie Panasonic, Johnson Controls oder Saft machen Überkapazitäten von bis zu 400 Prozent schwer zu schaffen. A123, ein amerikanischer Neuling unter den Batterieherstellern, musste im Oktober Insolvenz anmelden und wurde von einem chinesischen Unternehmen aufgekauft.

Keine staatlichen Zuschüsse

Öko-Roadster für die Zukunft
Mit dem i8 Concept Spyder stellt BMW auf der Autoausstellung in Peking im April ein drittes Fahrzeug seiner auf Elektroautos spezialisierten Submarke BMW i vor - dieses Mal ohne Dach. Quelle: BMW
Der Plug-in-Hybrid-Sportwagen bietet eine Systemleistung von 354 PS. Die Höchstgeschwindigkeit des offenen Zweisitzers ist auf 250 km/h begrenzt. Quelle: BMW
Der i8 Concept Spyder beschleunigt in fünf Sekunden von null auf 100 km/h. Trotz dieser Leistungswerte beträgt der Normverbrauch lediglich drei Liter je 100 Kilometer. Dazu ist aber ein spezielles Motoren-Konzept nötig. Quelle: BMW
An der Vorderachse arbeitet ein 131 PS starker Elektromotor, während die Hinterachse von einem Dreizylinder-Benziner mit 223 PS angetrieben wird. Beide zusammen entwickeln ein maximales Drehmoment von 550 Newtonmetern. Quelle: BMW
Bis zu 30 Kilometer kann das Konzeptfahrzeug rein elektrisch zurücklegen. Die Lithiumionen-Batterie des E-Motors soll in weniger als zwei Stunden an einer normalen Haushaltssteckdose wieder vollständig aufgeladen werden können. Quelle: BMW
Der Fahrer kann zwischen einem Eco- und einem Sportmodus wählen. Verschiedene Farben im 8,8 Zoll großen Zentraldisplay signalisieren die jeweilige Fahrsituation und Energieeffizienz. Der Drehzahlmesser ist somit Geschichte. Quelle: BMW
Der Spyder basiert auf dem 2+2-Coupé i8 Concept, das BMW vor etwa einem Jahr vorgestellt hat und 2014 in Serie gehen soll. Quelle: BMW

Und auch das Unternehmen Better Place musste lange um seine Existenz fürchten. Nun scheint es endgültig aus zu sein. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press in Israel soll das Startup seine Liquidierung angekündigt haben. Israeli Shai Agassi, der ehemalige Vorstand des Softwarekonzerns SAP, ersann Tankstellen, an denen die Autofahrer leere Akkus innerhalb von Minuten durch volle austauschen sollten. Doch die Hersteller wollten sich nicht auf einheitliche Batterien verständigen. Als einziger Autokonzern, den Agassi anfangs überzeugen konnte, kündigte Anfang Mai Renault-Nissan seine Unterstützung auf. Zunächst sollte das Konzept in Ländern wie Dänemark, Japan, Israel und auf Hawaii eingeführt werden, die Autofahrer hier eher kurze Strecken zurücklegen. Angeblich sollen die Versuche neue Geldgeber für das Projekt aufzutreiben, gescheitert sein.

Welcher Länder bei der Elektromobilität führen

Zur Unsicherheit über die Elektromobilität trug in Deutschland auch die Politik bei. Anders als die meisten anderen Länder unterstützt Berlin den Verkauf von E-Mobilen nicht durch staatliche Zuschüsse. Stattdessen wurde von Regierung, Industrie und Verbänden im Mai 2010 eine „Nationale Plattform Elektromobilität“ (NPE) gegründet. Die beschloss landesweite Tests mit Elektrofahrzeugen und eine massive Forschungsförderung, was den Steuerzahler rund eine Milliarde Euro kosten dürfte. Länder wie die USA oder Frankreich schieben den Verkauf dagegen erfolgreich mit direkten Subventionen für die Käufer an.

Von dem Ziel der nationalen Plattform, „Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität“ zu machen, will inzwischen niemand mehr sprechen. Gerade einmal 0,5 Prozent der verkauften Autos dürften 2018 in Deutschland, so die Prognosen des Elektroautoindexes Evi, mit Elektroantrieb fahren. In Japan dürfte der Anteil dann knapp zehnmal, in den USA fünfmal und in Frankreich mehr als doppelt so groß sein – staatlichen Kaufprämien sei Dank.

Ohne Subventionen ging es auch bei Tesla nicht: 7500 Dollar Unterstützung kassiert in den USA der Käufer eines Tesla. Im Bundesstaat Kalifornien addieren sich die Hilfen sogar auf 10.000 Dollar.

In Arbeit
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Gleichwohl ist Tesla schwer in Vorleistung getreten, um die Skepsis an den Elektrofahrzeugen zu zerstreuen. In den Küstenstaaten der USA investiert das Unternehmen in den Aufbau von eigenen Schnellladestationen. Zudem hat Gründer Musk versprochen, den Akku der Tesla Limousinen während der ersten acht Jahre unabhängig von den gefahrenen Kilometern unbürokratisch auf Garantie auszutauschen, solange er nicht mutwillig beschädigt wurde. Und wer eine Tesla S Limousine kauft und finanziert, kann sie nach drei Jahren zu mindestens 50 Prozent des Anschaffungspreises an Tesla zurückgeben.

Lange wird Tesla im Revier der elektrischen Sportwagen nicht der einsame Platzhirsch bleiben. Porsche bietet von Juli an die viertürige Limousine Panamera als Plug-in-Hybrid an, die dank Verbrennungsmotor die gewohnte Reichweite hat, aber auch 36 Kilometer rein elektrisch schafft. Der Verkaufsstart fiel wohl nicht ganz zufällig auf Juli. Denn die ersten Teslas „sollen im Juli in Europa eintreffen“, sagte Tesla-Gründer Musk unlängst der WirtschaftsWoche. „In diesem Zeitraum werden wir etwa 40 Prozent unserer Produktion auf die europäischen Märkte bringen.“

Das Rennen ums Elektroauto geht jetzt erst richtig los.

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