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Elektromobilität Energiewirtschaft hadert mit Umstellung auf Elektroautos

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Neue Geschäftsmodelle: Strom von McDonald’s

Der Elektrosportwagen Tesla Quelle: REUTERS

Die US-Fastfood-Kette McDonald’s hat im vergangenen Herbst in einer Stockholmer Filiale ebenfalls eine Stromtankstelle eingerichtet. Die sogenannten McCharger werden von dem schwedischen Energiekonzern Elforsk betrieben. Die Restaurantkette plant den Aufbau weitere Stromladestationen in Europa und im Heimatland USA.

Mit den heute verfügbaren Batterien kommen reine Elektroautos 100 bis 150 Kilometer weit. Sind die Akkus leer, müssen sie für mindestens drei, vier Stunden ans Netz. Solange technische Durchbrüche daran nichts ändern, ist das rein batteriegetriebene Elektroauto damit nichts für lange Fahrten, sondern eher für die Stadt.

Hier kann das E-Mobil jedoch voll seine Stärken ausspielen: Gerade im Stop-and-go-Verkehr ist der Treibstoffverbrauch hoch, der Elektromotor dagegen extrem sparsam und spritzig. Rund um den Globus sinnen große Städte deshalb nach Privilegien für Elektroautos. Sie sind bereit, kostenlose Parkplätze für die sauberen Autos einzurichten, ihnen die Benutzung von Taxi- und Bus-Spuren zu erlauben, die Anschaffung mit Prämien zu fördern oder sie von der Innenstadt-Maut zu befreien. Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey werden sich in New York deshalb schon in fünf Jahren 16 Prozent der Autokäufer für ein Elektroauto entscheiden. In Paris liegt der Anteil bei neun, in Shanghai bei fünf Prozent.

Dazu braucht es zunächst nicht einmal ein dichtes Netz öffentlicher Stromtankstellen. „Die Chancen der Elektromobilität werden bislang oft danach beurteilt, wie schnell eine dichte öffentliche Ladeinfrastruktur aufgebaut werden kann“, sagt McKinsey-Autoexperte Christian Malorny. „Unsere Studie zeigt, dass die frühen Elektroautokäufer sich darauf einstellen werden, dass sie ihr Fahrzeug zu Hause oder im Parkhaus aufladen.“

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    Selbst für die E-Auto-Besitzer, die keinen eigenen Stromanschluss in der Garage oder am Arbeitsplatz haben, zeichnen sich Lösungen ab. Für sie wird an Alternativen zu Kabel und Stecker gearbeitet. „Die Kunden mögen das Stromkabel nicht“, hat Oliver Weinmann von Vattenfall Europa beim Versuch mit den 50 Elektro-Minis in Berlin beobachtet. Das je nach Wetter verschmutzte Kabel aus dem Kofferraum zu holen und den Stecker in die Dose zu bugsieren ist nicht jedermanns Sache. Deshalb arbeitet Vattenfall am berührungslosen Laden der Elektroautos.

    Einheitliche Technik: Schulterschluss der Industrie

    Strom ohne Stecker ist auch das Ziel von Torsten Cymanek aus Bruchsal. Sein Unternehmen WTB Datensysteme hat eine Technik serienreif entwickelt, die das erlaubt. Dafür wird eine Platte von der Größe eines Zeichenblocks in die Erde eingelassen. Mit einer etwa 50 Meter langen Kupferspule erzeugt sie ein elektrisches Feld, das von einer entsprechenden Platte am Fahrzeug aufgenommen werden kann und dort den Akku lädt. So könnte jeder ordinäre Parkplatz am Straßenrand zur Ladestation werden. Das System soll bei einer Massenfertigung etwa 2000 Euro kosten.

    Die E-Poche bringt Autobauer, Staat und Energieversorger zusammen. Das beginnt bei vergleichsweise banalen Dingen wie dem Stecker der E-Autos. Seit Jahren streiten sich die europäischen Autobauer über die Ausgestaltung der Ladestecker. Weil dieser Streit den Erfolg des Elektroautos gefährdet, hat sich die EU-Kommission der Sache angenommen. Sie will bis zum kommenden Jahr einen einheitlichen Stecker für die EU vorschreiben. Dieser EU-Standard wird dann mit einem japanischen und einem US-amerikanischen Standard konkurrieren – der Weg zu einem weltweiten Standard ist offenbar noch lang.

    Ähnlich ist der Kooperationszwang in der Stromwirtschaft. Von der elektronischen Ladesteuerung im Auto bis zur Windstromerzeugung an fernen Meeresküsten müssen die Prozesse aufeinander abgestimmt werden. Natürlich wird das E-Auto auch über das Internet kommunizieren. Stromanbieter müssen erfahren, wer gerade an ihren Stromtankstellen wie viel Strom gezapft hat. Und dem Carsharing-Kunden wird das Internet sagen, wo er in der Nähe ein freies Elektroauto findet.

    Bei T-Systems, der IT-Tochter der Deutschen Telekom, werden solche Systeme bereits entwickelt. „Das Elektromobil wird unser Mobilitätsverhalten tief greifend verändern“, sagt Frank Kurth, Leiter des Fachbereichs Automotive. Wichtiger als der Besitz eines Automobils werde es sein, schnell über ein Transportmittel zu verfügen – abgerechnet wird die Benutzung wie bei einem Mobilfunkgerät je nach Tageszeit, Funktionalität und Qualität. 

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