Elektromobilität Jetzt droht BMW von der Konkurrenz überholt zu werden

Fragwürdige Strategie: BMW-Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse bei der Bilanzpressekonferenz Quelle: IMAGO/sepp spiegl

BMW will so lange Verbrenner anbieten, wie die Kunden dies wollen. Kurzfristig kann die Strategie aufgehen, langfristig könnte sie dem Autobauer schaden. BMW fehlt ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität. Ein Kommentar. 

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Oliver Zipse gibt sich kundenfreundlich: „Wir bleiben offen für alle Technologien, solange unsere Kunden diese nachfragen“, sagte der BMW-Chef heute in der Jahrespressekonferenz. Sein Beweis: Der neue 7er, der im April vorgestellt wird, werde weiter in allen Ausführungen erhältlich sein, so Zipse: Er sei „das nächste Ass unserer erfolgreichen Wachstumsstrategie im Luxussegment. Er ist die einzige Luxuslimousine mit echter Antriebsvielfalt – BEV, Plug-in-Hybrid, moderne Verbrenner.“

Zipses Strategie klingt flexibel, weltoffen und kundenorientiert. Doch im Kern steht sie für alles, nur keine Haltung. Nur weil die Kunden heute noch Verbrenner nachfragen, muss das morgen nicht mehr gelten. Immer mehr Käufer fragen E-Autos nach – dank staatlicher Förderung, aber auch weil sie von der Technik inzwischen überzeugt sind. 

Die BMW-Strategie ist deshalb riskant, weil sie weiterhin stark auf die Verbrennertechnologie setzt, obwohl die Innovationen elektrisch werden. Auch BMW kann einen Euro in der Forschung nur einmal ausgeben: entweder alte oder neue Technik. Mercedes hat sich klar positioniert, dass die Zukunft nicht im Verbrenner liegt – zumindest überall dort, wo es die Marktbedingungen zulassen. Von einer Strategie „Electric first“ schwenkten die Stuttgarter zu „Electric only“ um – aus Überzeugung. Mercedes hat verstanden.

Mit dem i3 war BMW mal Pionier

Auch in Wolfsburg setzt das Management auf eine Elektro-Strategie. Volkswagen etwa hat gerade einen Bestellstopp für die Hybrid-Autos verhängt. Sie haben ohnehin keine Zukunft – demnächst könnte die Förderung für die Teilzeitstromer womöglich kippen. Und selbst wenn nicht, werden sie es auf dem Gebrauchtwagenmarkt schwer haben. 

Zipse sagt: BMW bleibe vorsichtig und setze deshalb auf alle Antriebsarten. Ein Autobauer dürfe sich nicht auf „einseitige Technologiepfade“ begeben. Das könne zu einer „höheren Verwundbarkeit“ führen. Aber das Gegenteil stimmt mindestens genauso: Wer alles machen will, verzettelt sich – und bietet seinen Kunden immer bloß technische Kompromisse an. Auch die Investoren hadern mit dem Weg aus München. BMW könnte heute viel mehr wert sein, wenn er seinen einst eingeschlagenen Pfad beibehalten hätte. BMW war mit dem vollelektrischen i3 ein Pionier – so wie Tesla.

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Mehr zum Thema: Chinesische Autokonzerne, hierzulande lange Zeit belächelt, bauen in Deutschland Zentren für Forschung und Design auf. Eine Kampfansage an die deutschen Wettbewerber – die diese überraschend ernst nehmen.

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