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Elektromobilität Shai Agassi: Der Prophet des Elektroautos

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In Dänemark und Israel baut Better Place derzeit die nötige Infrastruktur auf. Dort will Agassi im nächsten Jahr mit seinem Projekt offiziell starten. Ladestationen werden in Parkhäusern, Supermarkt-Parkplätzen und Innenstädten installiert, Tankstellenbetreiber und Autowerkstätten als Partner für das Austauschen der Batterien gewonnen. Kunden bekommen auf Wunsch eine Aufladestation in die häusliche Garage gestellt. Die Regierungen beider Länder wollen die Anschaffung von Elektroautos mit Steuererleichterungen versüßen.

Agassi ist ein begnadeter Vermarkter, kann Visionen verkaufen und Menschen begeistern. Zu seinen Investoren zählen der Mitbegründer des deutschen Softwarekonzerns SAP, Hasso Plattner, die staatliche israelische Investmentbank und die Großbank HSBC. 750 Millionen Dollar hat der smarte Israeli bereits eingesammelt. Damit zählt Better Place zu den bestfinanzierten Startups weltweit.

Höhere Kosten, höheres Risiko

Doch nicht jeder glaubt an Agassis ehrgeizige Pläne, allen voran die deutschen Autokonzerne. Sie sehen in reinen Elektroautos auch in den nächsten beiden Jahrzehnten nur einen Nischenmarkt. Kommt es so, hätte das einschneidende wirtschaftliche Folgen: Weil Agassi ausschließlich auf Elektroautos und nicht wie etwa sein US-Konkurrent Henrik Fisker auf Hybride aus Elektro- und Verbrennungsmotor setzt, sind die Kosten der Infrastruktur, vor allem das bei Agassis Konzept erforderliche Austauschen der Akkus, höher. Unklar ist zudem, ob es Better Place gelingt, immer genügend Batterien fürs Auswechseln für längere Fahrten auf Lager zu haben sowie genügend Servicepartner dafür zu finden.

Agassi, athletisch, charmant und gut aussehend, ist bekannt für seine Ungeduld, seinen Ehrgeiz und Arbeitseifer. Mit nur 33 Jahren zog der gelernte Programmierer als jüngstes Mitglied in den Vorstand des Softwareriesen SAP im badischen Walldorf ein. Die Deutschen hatte ihm zuvor das von ihm und seinem Vater gegründete Internet-Startup Top Tier für 400 Millionen Dollar abgekauft und ihn finanziell unabhängig gemacht. Lange galt er als Kronprinz, gefördert vom heutigen Aufsichtsratschef Plattner. Doch als sich abzeichnete, dass der Weg an die Konzernspitze länger dauerte als gedacht, verließ Agassi SAP 2007 Hals über Kopf.

Nun fragen sich Freund und Feind: Kann so einer tatsächlich in großem Stil Kunden gewinnen, die ihr Elektroauto exklusiv bei ihm beziehen, den Strom exklusiv über Better Place erwerben und akzeptieren, bei Fahrten über 160 Kilometer Akkus bei Austauschstationen zu wechseln?

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