Elektromobilität Die größten Mythen über E-Autos

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Viel zu wenig Reichweite - längere Strecken sind unmöglich

E-Auto-Hemmnis 4: „Viel zu wenig Reichweite – längere Strecken sind unmöglich“

"Der Kauf eines Elektroautos ist für viele Menschen heute noch nicht attraktiv“, sagt auch Professor Karsten Lemmer, Vorstand Energie und Verkehr im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Eine DLR-Studie zu Erstnutzern von Elektrofahrzeugen in Deutschland hat als einen Hauptgrund hierfür die im Vergleich zum Verbrennungsmotor geringe Reichweite identifiziert.“ Wer mehr Reichweite will, für den scheint das häufig also noch immer ein kaum überbrückbares Hemmnis beim E-Auto-Kauf. „Noch nicht am Ziel zu sein und schon ist der Akku leer und keine Ladestation ist in Sicht“, beschreiben es die Studienmacher der Boniversum-Umfrage.

Zwei Drittel ihrer Befragten (67 Prozent) gehen davon aus, dass die Reichweite nicht ausreichend sei, um im Alltag zu bestehen. Anders sieht es bei denjenigen aus, die sich konkret mit der Anschaffung eines Elektromobils beschäftigt haben oder bereits eines besitzen. Sie sehen die  „Problembereiche“ laut der Boniversum-Umfrage weniger dramatisch.

Ähnliche Ergebnisse gab es bei der McKinsey-Umfrage zur Elektromobilität. Hier zeigte sich ebenfalls, dass tatsächliche Käufer von E-Autos sich darum kaum noch sorgen – im Vergleich zu lediglich Interessierten.

An der geringeren Reichweite im Vergleich zu Diesel und Benziner lässt sich im Grunde wenig rütteln. Elektroautos müssen alle 100 bis 250 Kilometer aufgeladen werden. Daran wird sich wohl so schnell auch nichts ändern, wenn es um finanzierbare Automodelle geht.

 „Das Elektroauto muss aber auch nicht mehr als hundert Kilometer schaffen“, sagt RWTH-Ingenieur Schuh – und steht mit dieser Meinung längst nicht alleine da: „Viele E-Autofahrer haben schnell realisiert, dass sie so viele Kilometer pro Tag überhaupt nicht zurückgelegen und sind bereit im Zweifelsfall für die längere Urlaubsfahrt dann ausnahmsweise eben einmal auf einen Mietwagen zurückzugreifen“, sagt auch Heimes.

Die wenigsten Autos werden überhaupt mehr als 100 Kilometer am Tag bewegt. Laut dem Kraftfahrtbundesamt fuhr jeder in Deutschland angemeldete Pkw im vergangenen Jahr im Schnitt 14.015 Kilometer. Das sind durchschnittlich gerade einmal 38 Kilometer pro Tag. Laut dem Statistischen Bundesamt haben weniger als fünf Prozent der Pendler einen 50 Kilometer oder längeren Weg zur Arbeit. Die große Mehrheit von rund 75 Prozent haben zur Arbeit und zurück eine Strecke von höchstens 50 Kilometern zu bewältigen. Strecken, die jedwedes Elektroautomodell zurücklegen kann.

„Die verfügbaren Elektro-Autos bewegen sich bei einer Realreichweite von bis zu 250 Kilometern – das reicht normalerweise im Alltag aus“, sagt Markus Lienkamp, Professor für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität München. „Elektroautos sind also alltagstauglich, wenn die Randbedingungen passen“, bestätigt DLR-Experte Lemmer. Für Städteverbindungen und Urlaubsreisen seien die aktuellen Reichweiten und Ladeinfrastrukturen nicht ausreichend, „im Alltag von Menschen mit kürzeren alltäglichen Strecken ist aber auch in Deutschland Platz für ein Elektroauto.“

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