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Elon Musk „Unser Verdienst ist, nicht bankrott gegangen zu sein“

SpaceX-Gründer und Tesla-CEO Elon Musk hat doppelten Grund zur Freude: Sein Unternehmen SpaceX brachte erfolgreich Astronauten zur ISS und Tesla schreibt Rekorde. Quelle: AP

Tesla gelingt der größte Gewinn in der Unternehmensgeschichte – auch dank Abgaskredithandel und Bitcoin-Spekulation. Doch etwas anderes ist entscheidend.

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Elon Musk agiert nicht wie ein gewöhnlicher CEO. Dafür lieben ihn seine Fans. Bei der Vorlage der Quartalszahlen am Montag ließ er sich zu einem Vergleich hinreißen, den wohl jeder andere scheuen würde. Die logistischen Herausforderungen, die Tesla gehabt habe, „lassen die im Zweiten Weltkrieg trivial erscheinen“, behauptete ein hörbar aufgewühlter Musk. Ein unglücklicher Vergleich.

Der Tesla-Chef wollte damit unterstreichen, dass der eigentliche Verdienst des Unternehmens nicht darin bestehe, ein elektrisches Auto entwickelt zu haben, „sondern der erste amerikanische Autohersteller in 100 Jahren zu sein, der die Volumenproduktion eines Autos erreicht habe, ohne dabei bankrott zu gehen.“ Musk lieferte Details aus der „Produktionshölle“. So musste die Fertigung schon mal gestoppt werden, weil Teppich für den Kofferraum fehlte. Oder es keine USB-Kabel gab. Weshalb er seine Mitarbeiter losschickte, um den gesamten Bestand in Silicon Valleys Elektronikmärkten aufzukaufen.

Die Emotionen kochten auch deshalb hoch, weil Musk, dessen Raumfahrtunternehmen SpaceX am Wochenende vier Astronauten erstmals mit einer wiederverwerteten Rakete ins All geschickt hatte, auch bei Tesla eine neue Höchstleistung verkünden konnte. Deren Gelingen – wie bei SpaceX – viele bezweifelt hatten.

Nicht genug, dass Tesla im ersten Quartal, in dem die Verkäufe traditionell bei allen Autounternehmen zäh sind, mit einem Umsatz von 10,38 Milliarden Dollar abermals die 10-Milliarden-Dollar-Grenze durchbrach – was erstmals im verkaufsstarken Jahresendgeschäft 2020 vollbracht wurde: Diesmal schloss Tesla sogar mit einem neuen Rekordgewinn von 438 Millionen Dollar ab.

Tesla-Skeptiker mögen sich daran stören, dass 518 Millionen Dollar dank dem Handel mit Abgaskrediten in die Kassen von Tesla flossen. Also Gelder, die Anbieter von traditionellen Verbrennern löhnen müssen. Doch diese Einnahmequelle steht allen offen. Kontroverser ist der Erwerb von 1,5 Milliarden Dollar Bitcoin im Januar. Davon hat Tesla im ersten Quartal Bitcoins im Wert von 272 Millionen Dollar wieder verkauft und so einen Gewinn von 101 Millionen Dollar erzielt. Doch der Bitcoin-Kurs ist volatil. Nach einem Rekord von 67.000 Dollar fiel er vergangene Woche auf unter 50.000 Dollar, nur um am Montag wieder um zehn Prozent zuzulegen. Da Tesla seit Kurzem auch den Kauf seiner Fahrzeuge via Bitcoin erlaubt, dürften diese Sprünge Finanzchef Zach Kirkhorn noch einige Kopfschmerzen bereiten.

Doch abseits von Emissionskrediten und Bitcoin-Spekulation: Viel wichtiger ist die Grundlage von Tesla Rekordumsätzen. Möglich wurden sie dank starker Nachfrage nach dem Kompakt-SUV Model Y im Heimatmarkt USA. Sowie dem Model 3, besonders von Käufern in China und Europa. Im ersten Quartal lieferte Tesla mit 184.800 Autos so viele Fahrzeuge aus wie nie zuvor. Nur 2020 davon höherpreisige Model S und Model X, die gerade mit neuen Versionen überholt wurden. Der neue Massenmarkt-Mix hat den durchschnittlichen Verkaufspreis um 13 Prozent gesenkt.

Analysten hatten zuvor bezweifelt, dass die Nachfrage nach Teslas anhalten würde. Laut Tesla ist das Model 3 nun „der am weltweit am besten verkaufte Premium-Sedan“. Und nicht mehr wie lange Jahre der 3er BMW. All das, wie der Tesla-Chef betonte, obwohl man noch nicht mal eine eigene Fabrik in Europa habe.

Mehr noch: Musk glaubt, dass das Model Y das am meisten verkaufte Auto der Welt werden könnte, „vielleicht sogar schon im nächsten Jahr.“ Die Probleme mit den Mangel an Elektronikbauteilen in der Branche, wegen dem schon erfahrene Hersteller wie Volkswagen oder Daimler die Produktion stoppen mussten, habe Tesla zwar auch berührt. Doch man habe umsteuern können, indem man auf weitere Zulieferer umgeschwenkt sei, inklusive neuer Micro Controller. Aber die Teileknappheit sei nicht das einzige Problem gewesen, so der Tesla-Chef. So habe man mit den Covid-Reisebeschränkungen kämpfen müssen und dadurch Mühe gehabt, Spezialisten in Kernmärkte wie China zu bringen.

Tesla bekräftigte sein Vorhaben, jedes Jahr 50 Prozent mehr Fahrzeuge zu verkaufen. Im vergangenen Jahr waren es knapp 500.000 Stück. Aber die Konkurrenz pirscht sich heran, wenn auch bislang kaum merkbar.



Im ersten Quartal 2020 hatte Tesla in den USA bei Elektrofahrzeugen einen Markanteil von 82 Prozent, haben die Marktforscher von Cox Automotive ermittelt. Im ersten Quartal diesen Jahres sank der Wert auf rund 70 Prozent, wegen stärker werdender Konkurrenz durch Ford und Volkswagen.

Musk bleibt bei seinem Ziel, die neuen Fabriken bei Berlin und bei Austin noch in diesem Jahr an den Start zu bringen. Besonders in Berlin gibt es Verzögerungen. Innerhalb von Tesla laufen deshalb Wetten, welche Fabrik als erstes in den Probelauf geht. Zurzeit stehen die Chancen gut für den später gestarteten Neubau in Austin.



Derweil bereitet Musk die Anleger schon auf den nächsten Megamarkt vor – Batteriespeicher für Haushalte und Stromanbieter. Denn die Nachfrage nach ihnen werde gigantisch werden, nicht nur wegen der wachsenden Zahl von Elektroautos, sondern auch wegen der Klimaverwerfungen, die immer öfter für Stromausfälle sorgen. „Das ist hundertprozentig lösbar“, so Musk. So schafft man sich selbst neue Märkte.

Mehr zum Thema: Der Verband der Automobilindustrie (VDA) steht vor einer Zerreißprobe: Tesla wird als neuer deutscher Autoproduzent interne Grabenkämpfe um das E-Auto verschärfen. Der politische Einfluss der Lobbyisten bröckelt.

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