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Erbe der Auto Union Audi stellt sich seiner NS-Vergangenheit

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Auf Überlebende zugehen

Wie deutsche Unternehmen mit ihrer NS-Zeit umgehen
Daimler-Plakat Quelle: Todor Bozhinov Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Adolf Hitler besichtigt einen VW Käfer Quelle: dpa/dpaweb
Deutsche Bank Quelle: dpa
Konzentrationslager in Auschwitz Quelle: dpa/dpaweb
Flugzeug der Lufthansa Quelle: dpa
Krupp-Zentrale Quelle: dpa
Bertelsmann-Gebäude Quelle: dapd

Audi will nun auf Überlebende des Nazi-Terrors zugehen, die Darstellung in eigenen Museen überarbeiten, sich an KZ-Gedenkstätten engagieren – und den bislang verehrten, durch die Studie aber stark belasteten Gründervater Richard Bruhn vom Sockel stoßen.

Eine Audi-Rentenkasse mit seinem Namen soll umbenannt werden. Auch hat Audi schon die Ingolstädter Stadtverwaltung vorgewarnt: „Es wird wohl darum gehen, ob die Bruhnstraße umbenannt wird“, sagt Oberbürgermeister Christian Lösel. Sobald der Stadt die Audi-Studie vorliege, würden Ältestenrat und Stadtrat eingeschaltet.

Für die Studie erforschten der Chemnitzer Geschichtsprofessor Rudolf Boch und Audi-Historiker Martin Kukowski, wie die Auto Union zu einem der eifrigsten Ausbeuter von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen wurde. Ihr Werk birgt eine Fülle neuer Erkenntnisse – und viel Zündstoff.

Erschreckende Zustände

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    Denn die erschreckenden Zustände bei Auto Union beschränkten sich nicht auf Leitmeritz, wo Auto Union 1944 und 1945 Panzermotoren baute. Neben diesem Außenlager des KZ Flossenbürg hatte die SS für die Auto Union in Zwickau und an anderen Standorten sechs weitere KZ-Außenlager eingerichtet. Die „Initiative zum Produktionseinsatz von KZ-Häftlingen ging“, so schreiben Kukowski und Boch, „vom Vorstand aus“.

    Für die 18.000 KZ-Häftlinge, die die Leitmeritzer Stollen zu Produktionsstätten umbauten, aber nicht in der Motorenproduktion eingesetzt wurden, sei Auto Union moralisch, aber nicht rechtlich verantwortlich, so die Studie. Denn diese Häftlinge unterstanden der SS.

    Direkt unterstellt waren der Auto Union aber weitere 3700 KZ-Häftlinge und rund 16 500 Zwangsarbeiter. Die Zahlen sind Stichtagsbetrachtungen. Wegen der hohen Sterblichkeit der Arbeiter war die Fluktuation groß und das tatsächliche Ausmaß der Zwangsarbeit deshalb weitaus größer.

    Gemessen an der Zahl von rund 50.000 Konzern-Mitarbeitern 1944, war der Anteil der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge bei Auto Union vergleichsweise hoch und stieg gegen Kriegsende steil an. „Auf dem Weg in die Riege der schwerst belasteten Rüstungskonzerne wie Flick oder I.G. Farben kam das Kriegsende dem Auto-Union-Konzern zuvor“, so die Studie. „Nur das nahe Kriegsende verhinderte einen noch umfänglicheren KZ-Häftlings-Einsatz. Entsprechende Planungen lagen bereits vor.“

    Daimler machte den Anfang

    Audi ist der letzte der deutschen Autobauer, der sich in dieser Form der Vergangenheit stellt. Daimler hatte 1986 und 1994 den Anfang gemacht (siehe Bildergalerie). 20 Jahre später folgt nun das VW-Flaggschiff aus Bayern. Konsequenzen hat das nicht nur für Deutschlands beliebtesten Arbeitgeber, als der Audi oft in WirtschaftsWoche-Rankings brilliert, sondern auch für die Konzernmutter in Wolfsburg. Im März stand die NS-Studie auf der Tagesordnung von Vorstandssitzungen bei Audi und VW.

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