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Erweiterte Autoallianz Warmer Geldregen: Ford nutzt VW-Elektroplattform

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Zusammenarbeit soll Ford konkurrenzfähig machen

Begonnen hatten die ersten Kooperationsgespräche im vergangenen Jahr, wobei es in erster Linie um Pick Ups, leichte Nutzfahrzeuge und autonomes Fahren gehen sollte. Anfang dieses Jahres waren die Gespräche jedoch ins Stocken geraten. Ford hat in den vergangenen zwei Jahren seine Bereitschaft zu strategischen und fokussierten Allianzen zum Beispiel mit Marken wie Mahindra (Indien) oder Zotye (China) gezeigt, ohne nennenswerten Druck auf die Allianzen auszuüben.

Viele hatten daher erwartet, dass Ford auch mit einem kleinen VW-Kooperationspaket hätte zufrieden sein können. Doch VW-Konzernlenker Herbert Diess wollte mehr; sah er doch die Chance, die Elektrovolumina durch die Plattform-Lizenz für Ford deutlich nach oben zu drücken. Speziell in den USA waren vielen Zulieferern die in Aussicht gestellten Elektrovolumen des VW-Konzerns zu klein, um in die Vollen zu gehen. Jetzt, da VW und Ford gemeinsam an einem Stromkabel ziehen, lohnt es sich auch für Zulieferer, mehr zu investieren, um zum Beispiel entsprechende Standorte nahe dem Volkswagen-Werk in Chattanooga zu errichten.

Volkswagen will Zulieferern und hier besonders Akkuherstellern sogar finanzielle Unterstützungen anbieten, um die Versorgung mit Batteriezellen für sein Elektro-Programm sicherzustellen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters verwies VW-Einkaufschef Stefan Sommer darauf, dass einige Zulieferer die kurz- und mittelfristige Vision und den Optimismus von Volkswagen hinsichtlich des Wachstums des E-Automarktes nicht teilen und nicht bereit seien, selbst die notwendigen Investitionen zu tätigen. „Nicht jeder Zulieferer ist davon überzeugt, dass Elektromobilität in so großem Umfang verfügbar sein wird“, beklagte Stefan Sommer, „sie müssen mehr Zeit darauf verwenden, sie davon zu überzeugen, in die Autoindustrie zu investieren.“

Akkus für 50 Milliarden Euro

Das Unternehmen hat bereits angekündigt, für die erste Welle seiner Elektroauto-Offensive Batteriezellen im Wert von 50 Milliarden Euro von verschiedenen Unternehmen wie SKI, LG Chem, CATL und Samsung zu kaufen. Im vergangenen Monat gaben die Wolfsburger außerdem bekannt, eine 20-prozentige Beteiligung am schwedischen Batterie-Start-up Northvolt erworben zu haben. Die beiden Unternehmen einigten sich auf eine gemeinsame Batteriefertigung am bestehenden VW-Produktionsstandort Salzgitter, die frühestens Ende 2022 beginnen soll.

Nachdem sich Ford auf dem amerikanischen Heimatmarkt Schritt für Schritt aus dem wegbrechenden Limousinengeschäft zurückzieht, will man sich neben den seit Jahrzehnten unverändert erfolgreichen Pick Ups der F-Serie insbesondere auf SUV konzentrieren. Aktuell wird die Produktion der beiden neuen Modelle Ford Expedition und Lincoln Navigator am Standort Kentucky hochgefahren. „Letztes Jahr gab es eine Steigerung von 25 Prozent und die Regale waren gefüllt, sodass wir zu einer Lagersituation gelangten, mit der wir uns wohl fühlten“, so Matt VanDyke, Leiter der US-Marketing-Abteilung von Ford. „Wir müssen mit der Werbung beginnen, aber das wirkt sich nicht auf den Showroom am nächsten Tag aus. Wir haben das Gefühl, dass wir unseren Anteil am Marktinteresse erhöhen können." In der zweiten Jahreshälfte sollen dann die Werbemaßnahmen positiv wirken.“

Darauf hofft man mittelfristig auch durch die Zusammenarbeit mit Volkswagen, die Ford schneller als zuletzt befürchtet bei den Elektromodellen konkurrenzfähig machen soll. Und wer weiß, bei welchen Themen sich die beiden Autoriesen aus Dearborn und Wolfsburg noch zusammentun. Schließlich müsste Ford gerade auch in China deutlich nachlegen – denn hier ist bekanntermaßen der größte VW-Markt. Im Zuge seiner Elektro-Offensive plant der Volkswagen-Konzern bis zum Jahre 2028 mehr als elf Millionen Elektrofahrzeuge in China zu produzieren: rund die Hälfte des vom Konzern angestrebten Gesamtziels von 22 Millionen.

Sobald die Werke von SAIC Volkswagen in Anting und FAW-Volkswagen in Foshan 2020 die Fertigung von Fahrzeugen auf MEB-Basis starten, soll allein das 600.000 Elektroautos pro Jahr bedeuten.

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