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Europa Volkswagen trotzt der Krise

Während die Konkurrenz mit der Absatzkrise in Südeuropa zu kämpfen hat, setzt Volkswagen seine Erfolgsfahrt fort. Anleger zeigten sich von den Ergebnissen der Wolfsburger begeistert.

Ein VW Tiguan steht in Wolfsburg im Werk von Volkswagen. Quelle: dapd

Europas größter Autobauer hat die Fachwelt mit einer kräftigen Gewinnsteigerung zu Jahresbeginn überrascht. Analysten hatten neben der Schuldenkrise wegen hoher Investitionen in die Produktion mit einem deutlichen Gewinnrückgang gerechnet, doch der operative Profit kletterte im ersten Quartal um zehn Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Die Anleger griffen nach der Bekanntgabe der Zahlen beherzt zu und schickten die Aktie mit einem Kursaufschlag von mehr als sechs Prozent an die Spitze der Gewinnerliste im Leitindex Dax.

Während die anderen europäischen Massenhersteller durch die Bank unter Absatzeinbrüchen leiden und ihre Werke nicht auslasten können, steigerte VW die Auslieferungen weltweit um elf Prozent. Den Umsatz schraubte der Konzern im ersten Quartal sogar um mehr als ein Viertel auf 47,3 Milliarden Euro und übertraf damit ebenfalls die Erwartungen deutlich.

Dazu trug auch die volle Einbeziehung des Münchner Lkw-Bauers MAN in die Bilanz bei, den VW im Herbst unter seine Kontrolle gebracht hatte, und der mit der schwedischen VW-Tochter Scania enger zusammenarbeiten soll. Den Anteil an MAN hatte VW jüngst auf knapp 74 Prozent erhöht und kommt damit einer Drei-Viertel-Mehrheit näher, ab der ein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag möglich ist. Damit könnte VW noch stärker in die Geschicke von MAN eingreifen und hätte zudem Zugriff auf die gut gefüllte Konzernkasse.

Seine Karriere in Bildern
Der VW-Konzern eilt von einem Rekord zum nächsten. Mitverantwortlich für diesen fast märchenhaften Aufstieg: Der Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch. 2013 hat ihm der Automobilclub ADAC den "Gelben Engel" verliehen. "Mit der Ehrung würdigt das ADAC Präsidium die langjährige Innovations- und Visionskraft des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, der heute als Aufsichtsratschef den zwölf Marken umfassenden Konzern zum erfolgreichsten Automobilhersteller der Welt entwickeln möchte", wie der Automobilclub mitteilte. Quelle: dapd
Zu seinem 75. Geburtstag erntet der mächtigste Mann der Automobilindustrie die Früchte seiner Karriere. Piëch ist der Kopf der Porsche-Eigentümer und Königsmacher von VW, MAN und Scania. Seine Karriere in Bildern. Quelle: dapd
Dabei hat es für Piëch gar nicht so einfach angefangen. Als sein Vater Anton starb, war er erst 15 Jahre alt. Da seine Mutter sich verstärkt um die Geschäfte kümmern musste, wurde auch die Legasthenie des nur mäßigen Schülers nicht erkannt. Stattdessen wurde er auf ein Schweizer Internat geschickt, als seine Noten immer schlechter wurden. Eine Zeit, die Piëch selber in seinem Buch als "finster" bezeichnete. Quelle: dapd
Aufgrund der Tatsache, dass seine Lese- und Schreibschwäche nicht erkannt wurde, traute man ihm die Nachfolge im Konzern nicht von Anfang an zu. Während seines Studiums an der ETH in Zürich änderte sich das. Piëch begeisterte sich zunehmend für Technik. Mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren schloss er sein Studium 1962 ab. Quelle: ap
Zur Ruhe kommt Piëch trotz seiner anhaltenden Erfolge nicht: „Ich kann nicht etwas Gewonnenes feiern. Das liegt mir nicht. Dann ist schon wieder das Nächste dran“, hat er einmal gesagt. Quelle: dpa
Und dabei konnte Piëch machen, was er wollte. Wann immer es kritisch wurde, erwies er sich als "Teflon"-Manager - denn an ihm perlt alles ab: Sei es die „Lopez-Affäre“ um gestohlene Disketten des US-Konkurrenten General Motors, ... Quelle: ap
... oder der Skandal um die Lustreisen des Betriebsrats auf Firmenkosten – dem kontrollfixierten Mann an der Spitze ließ sich nie etwas nachweisen. Damals ging es um Vergnügungsreisen, Bordellbesuche und Sexpartys. Unter anderem Betriebsratschef Klaus Volkert räumte nach dem Bekanntwerden der Affäre seinen Posten. Quelle: ASSOCIATED PRESS

Benötigt wird dieses Geld aus VW-Sicht allerdings nicht, denn die Wolfsburger verfügen dank der guten Geschäfte mit knapp 16 Milliarden Euro ebenfalls über ausreichend Barmittel, um notfalls
eine längere Durststrecke zu überstehen. Für den Zukauf von MAN-Anteilen gab der Konzern im ersten Quartal 1,4 Milliarden Euro aus. Für das Gesamtjahr behielt der Vorstand die vorsichtige Prognose bei, der zufolge Absatz und Umsatz zwar zulegen, der Betriebsgewinn aber auf der Stelle treten wird.

Konzernchef Martin Winterkorn hatte bereits im März angekündigt, dass VW nach dem historischen Gewinnplus des abgelaufenen Jahres vorübergehend einen Gang zurückschalten werde. Als Grund führte er das neue Baukastensystem an, auf das die Werke derzeit umgestellt werden. Die Einführung des „Modularen Querbaukastens“ lässt sich VW in den nächsten Jahren rund 15 Milliarden Euro kosten. Durch das neue Produktionssystem sollen die Kosten später um bis zu 30 Prozent sinken, da die Zahl der Gleichteile steigt und sich die Entwicklungszeiten verkürzen.

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