WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Europas größter Autobauer Volkswagen verdient nicht mehr

Das Ende des Absatzwachstums schlägt bei Volkswagen auf die Bilanz durch: Zwar legte Europas größter Autobauer beim Umsatz kräftig zu, doch die Gewinne stagnieren. Zudem kassiert der Konzern seine Jahresprognose.

Der VW-Gewinn stagniert. Quelle: dpa

Volkswagen hat im ersten Halbjahr Umsatz und Ertrag deutlich gesteigert. Der Umsatz für den Zeitraum bis Ende Juni stieg um 10,1 Prozent auf 108,8 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. VW führt das auf positive Wechselkurseffekte und einen besseren Produktmix zurück. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen legte um 13 Prozent auf 7,0 Milliarden Euro zu. Die Abkühlung des Marktes in China, die VW bereits bei den Absatzzahlen zu spüren bekommen hatte, und die anhaltende Schwäche der Lkw-Tochter MAN schlugen sich aber auf den Gewinn nach Steuern nieder: Er sank um ein Prozent auf 5,66 Milliarden Euro.

Das China-Geschäft ist bei Volkswagen traditionell nicht in den Zahlen für Umsatz und operativem Ergebnis enthalten. Das anteilige operative Ergebnis der chinesischen Joint Ventures (wie im Vorjahr 2,7 Milliarden Euro) wird im Finanzergebnis bilanziert und damit erst beim Gewinn mit eingerechnet. Aus diesem Grund schlagen sich die starken Zuwächse bei Umsatz und dem operativen Ergebnis nicht im Überschuss nieder.

„Die Ergebnisse im ersten Halbjahr zeigen, dass Volkswagen auch in einem immer härteren Marktumfeld sehr gut aufgestellt ist“, sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. „Die weltweiten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen beobachten wir aber sehr genau, vor allem angesichts der Unsicherheiten auf den Märkten in China, Brasilien und Russland.“

VW kappt seine Jahresprognose für die Auslieferungen

Dennoch musste Winterkorn seine Jahresprognose für die Fahrzeugauslieferungen kassiert. Nach einem leichten Rückgang von 0,5 Prozent in den ersten sechs Monaten traut sich Europas größter Autobauer bis zum Jahresende nur noch Auslieferungen auf dem Niveau von 2014 zu. Nach einem starken ersten Quartal mit 1,8 Prozent Verkaufsplus hatte der Ausblick Ende April noch zuversichtlicher ausgeschaut und Volkswagen bekräftigte das Ziel, die Auslieferungen im laufenden Jahr „moderat“ zu steigern. Dann aber zog vor allem der größte Markt China die Verkaufsbilanz ins Minus und beendete eine rund fünfeinhalb Jahre lange Wachstumsgeschichte.

Die Krisenszenarien der deutschen Autobauer

Die von Winterkorn angesprochenen Marktschwächen in Brasilien und Russland belasteten vor allem das Ergebnis der Kernmarke Volkswagen. Positive Wechselkurseffekte und „Umsatz- und Kostenoptimierungen“ konnten diese Belastung allerdings ausgleichen und trugen dazu bei, dass Volkswagen sein operatives Ergebnis um 400 Millionen auf 1,4 Milliarden Euro steigern konnte. Die operative Marge, lange Zeit das Sorgenkind der Wolfsburger, stieg von 2,1 auf 2,7 Prozent.

Etwas zurückgegangen ist die Marge hingegen bei der Premium-Tochter Audi. Die Ingolstädter konnten zwar das operative Ergebnis leicht auf 2,9 Milliarden Euro im Halbjahr steigern, die Marge sank aber von 10,0 auf 9,8 Prozent – und liegt damit unter den 10,5 Prozent des Premium-Konkurrenten Daimler. Volkswagen begründet den Rückgang der Rendite mit „hohen Vorleistungen für neue Produkte und Technologien sowie für den Ausbau des internationalen Produktionsnetzwerks“.

Auch Skoda und Seat konnten zulegen. Die Spanier kehrten nach einem Verlust von 37 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum im ersten Halbjahr 2015 mit einem Plus von 52 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen zurück. Die Tschechen konnten das operative Ergebnis auf 522 Millionen Euro steigern. Damit kommen sie auf eine operative Marge von 8,1 Prozent – exakt das Dreifache der Marke Volkswagen.

Sorge macht weiter das Nutzfahrzeug-Geschäft. Der Lkw-Hersteller MAN muss wegen der anhaltenden Probleme in Brasilien und dem Konzernumbau seine Jahresprognose senken. Beim Umsatz rechnet die VW-Tochter jetzt mit einem Wert leicht unter dem Vorjahresniveau. Der im Mai eingeleitete Sparkurs inklusive des Abbaus von 1800 Stellen werde das operative Ergebnis stark belasten, die operative Rendite dürfte sich mehr als halbieren.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%