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Ex-VW-Chef Winterkorn wird 70 Winterkorns Schatten wird schwächer

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Löste Winterkorns Mentalität den Skandal mit aus?

Auch die Kehrseite einer Befehl-und-Gehorsam-Mentalität wurde unter dem Brennglas von „Dieselgate“ deutlicher. Winterkorns Nachfolger Matthias Müller predigt mehr Transparenz, weniger Zentralismus und eine offene Kritikkultur: Niemand müsse vor dem Chef kuschen. Der Vorgänger entgegnet, es habe „kein Schreckensregime“ bei ihm gegeben.

Ein Widerspruch, der sogar Verfechter des Winterkorns-Kurses von ihm abrücken ließ: Im Reich des Technik-Freaks gedieh offenbar ein Netzwerk von Tricksern und Täuschern. Die bisherigen US-Ermittlungen ergaben, dass dies wohl unterhalb der höchsten Leitungsebene ablief. Dennoch ist der Schaden enorm. „Dass ein Einsatz verbotener Software ausgerechnet in unseren Motoren passiert, muss in Ihren Ohren wie Hohn klingen“, sagte Winterkorn im Bundestag. „Das geht mir genauso.“

Karriere im VW-Konzern: Die Stationen von Matthias Müller

Der Hobby-Fußballer und FC-Bayern-Aufseher stammt aus einfachen Verhältnissen. Als Sohn eines Arbeiters und einer Hausfrau wurde Winterkorn 1947 in Leonberg bei Stuttgart geboren. Nach einem Studium der Metallphysik und Promotion begann seine Laufbahn 1977 bei Bosch. Vier Jahre darauf folgte der Wechsel zu Audi, wo er früh im Dunstkreis des späteren VW-Vorstands- und -Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch arbeitete, ab 1988 als Leiter der Qualitätssicherung. 2002 wurde Winterkorn Audi-Chef, 2007 gelangte er an die VW-Spitze.

In Wolfsburg blieb der zweifache Vater erfolgreich, baute den Konzern zu einer Zwölf-Marken-Gruppe aus. Manche Aktionen waren legendär. „Da scheppert nix“, befand Winterkorn 2011 auf der Automesse IAA über die Lenkradverstellung eines Hyundai, an der er am Stand der Südkoreaner heimlich rüttelte – die Szene wurde durch ein Youtube-Video berühmt. Sie sagt einiges aus über den detailversessenen Mann. Seinen Traum, die VW-Gruppe zum Absatz-Weltmeister zu machen, erlebte er nicht mehr im Dienst: Erst 2016 überholte man den Rivalen Toyota.

Mehr noch dürfte Winterkorn aber das Zerwürfnis mit Intimus Piëch wurmen. Der Oberkontrolleur und sein Vorstandschef galten lange als Traumduo der Autoindustrie. Wegen der Rückendeckung Piëchs war „Wiko“ unantastbar, allenfalls die maue Rendite der VW-Kernmarke stieß auf etwas Kritik. Piëch habe die Visionen, „und ich garantiere, dass die Autos dann auch funktionieren“, beschrieb Winterkorn selbst einst die Rollenverteilung. Doch dann kam es im Frühjahr 2015 nach einer bis dato undenkbaren Interview-Äußerung des Ziehvaters („Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“) zum Bruch. Zunächst entschied Winterkorn das Kräftemessen für sich. Aber es halten sich Gerüchte, Probleme in den USA seien schon damals Ursache für den Affront des Mentors gewesen.

Diese könnten den Jubilar womöglich einholen. Im Winter weitete die Staatsanwaltschaft Braunschweig die Ermittlungen gegen Winterkorn vom Verdacht der Marktmanipulation auf den des Betrugs aus. Sein Haus und Büro wurden nach dpa-Informationen durchsucht. Es gebe Indizien dafür, dass er „früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte“. Auch Stuttgarter Staatsanwälte ermitteln nun wegen Marktmanipulation.

Die Opfer des Ferdinand Piëch
Porsche-Miteigner und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch Quelle: dapd
Audi Quelle: dpa
Franz-Josef Kortüm Quelle: obs
Herbert Demel Quelle: dpa
Franz-Josef Paefgen Quelle: AP
José Ignacio López Quelle: REUTERS
Bernd Pischetsrieder Quelle: dpa

„Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.“ Den Satz aus Winterkorns Abschiedsbotschaft an die Mitarbeiter mag man durchaus glauben, der Schmerz über das Dieselchaos traf den Auto-Perfektionisten hart. Ob er sich aber wirklich „keines Fehlverhaltens bewusst“ war – das wird sich zeigen.

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