Fed und US-Arbeitsmarktdaten Das lange Hoffen und Warten auf die Zinswende

Die aktuellen Arbeitsmarktdaten aus den USA könnten einen weiteren Hinweis darauf liefern, ob die Fed Mitte September erstmals nach neun Jahren den Zins erhöht. Aber die US-Notenbank hält sich bedeckt.

Wenn die US-Notenbank die Leitzinsen erhöht, sind Länder auf der ganzen Welt betroffen. Quelle: dpa

Die Finanzszene schaut mit Argusaugen auf die Arbeitsmarktdaten, die am Freitag in den USA veröffentlicht werden. Bekannt gegeben werden die Stundenlöhne der US-Arbeitnehmer. Fallen sie ausgesprochen gut aus, könnte dies ein Indiz mehr sein, dass die Fed das tut, was viele Fachleute vor der China-Krise erwartet haben - und die Zinsen erstmals seit neun Jahren leicht erhöht.
Der Grund ist naheliegend: Die Fed geht davon aus, dass steigende Löhne bald auch die Inflation treiben könnten. Der Arbeitsmarkt hatte sich zuletzt stark erholt, bei einer Quote von 5,3 Prozent wurden in den vergangenen zwölf Monaten fast drei Millionen Jobs geschaffen. Allerdings sind die August-Zahlen interpretationsfähig, enthalten sie doch viele Wiederaufnahmen von vorübergehend niedergelegten Arbeitsverhältnissen, etwa bei Lehrern.

Dabei wäre ein klares Signal so wichtig für die Finanzmärkte, die weiterhin über den Zeitpunkt der Zinswende rätseln. Auch auf dem traditionellen Notenbankertreffen in Jackson Hole hielten sich die Fed-Kollegen bedeckt. Zu ungewiss sind die Zeiten, zu turbulent geht es an den Märkten zu, zu wichtig ist die Entscheidung für Banken, Unternehmen, Staatshaushalte in aller Welt.

"Zu früh"

Mit der Chefin der Federal Reserve, Janet Yellen, und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, waren die beiden wichtigsten Zentralbanker vorsichtshalber gar nicht erst angereist. Yellens Stellvertreter Stanley Fisher winkte ab: „Zu früh für Entscheidungen.“ Die Nervosität steigt an den Märkten, wo manche Führungskraft noch nie eine US-Zinserhöhung aktiv miterlebt hat.
Am 16. oder 17. September könnte es soweit sein. Erstmals seit Juni 2006, erstmals seit dem Einbruch der US-Märkte nach einer schweren Immobilienkrise 2008, könnte die Fed bei der Sitzung ihres Offenmarktausschusses ihre Politik der Niedrigstzinsen auf quasi Nullniveau aufgeben und einen moderaten Schritt nach oben machen. Als Signal an die Märkte wäre das eine Zeitenwende, sagt Andreas Hoefert, Chefökonom der Schweizer Großbank UBS, der Nachrichtenagentur dpa. „Das wäre das Zeichen, dass die Krise vorbei ist.“

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik


Von einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte ist die Rede. Ein erster kleiner Schritt in Richtung Normalität nach sieben wirtschaftlich mageren Jahren und ungebremster Geldschwemme von der Zentralbank. Die US-Wirtschaft wächst, laut Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), um bis zu drei Prozent im nächsten Jahr, der Arbeitsmarkt sieht gut aus, viele Indikatoren stehen auf grün.

Angst vor Rezession

Doch trügt der Schein? Nicht alle Experten brechen mit Blick auf die größte Volkswirtschaft der Welt in lauten Jubel aus. Die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley etwa haben ihre Wachstumsprognose für 2016 um 0,8 Punkte auf 1,8 Prozent zurückgenommen. In einem Worst-Case-Szenario sehen die Auguren um Chefökonomin Ellen Zentner sogar eine kleine Rezession für die USA aufziehen. Und auch Hoefert erkennt Unregelmäßigkeiten. So habe der US-Dollar zuletzt in der China-Krise nicht mehr von fallenden Aktienkursen profitiert.

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