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Ferdinand Dudenhöffer Experte fordert höhere Parkgebühren für große Autos

Autoexperte fordert höhere Parkgebühren für große Autos Quelle: Ford

Ferdinand Dudenhöffer vom „Center Automotive Research“ fordert höhere Parkgebühren für große Autos. Der Platz in Parkhäusern gehe auch zur Neige, weil moderne Autos immer breiter werden.

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Fahrer großer Autos sollen nach der Forderung eines Autoexperten mehr fürs Parken in Parkhäusern zahlen. „Von Fahrern großer Autos höhere Parkgebühren zu verlangen, ist nichts Unanständiges. Sie zahlen ja auch mehr für Sprit“, sagte Ferdinand Dudenhöffer der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagsausgabe). So sollen auch die Besitzer kleinerer Autos vor Benachteiligung geschützt werden, meint der Professor der Universität Duisburg-Essen.

Dudenhöffer sieht Handlungsbedarf, weil einer Studie seines Instituts zufolge die Maße der Einstellplätze in älteren Parkhäusern und Tiefgaragen nicht mehr ausreichen, um die immer breiter werdenden Autos abzustellen. Die Bemessung eines Einstellplatzes orientiert sich seit Jahrzehnten an der Breite eines VW Käfer und muss in der Regel nur 2,30 Meter betragen. Nordrhein-Westfalen hat allerdings inzwischen auf den Trend zu großen Autos reagiert und schreibt für Neubauten eine Breite von 2,45 Meter vor.

Der ADAC fordert breitere Stellplätze. „Eine Breite von 2,50 Meter für öffentliche Stellplätze sollte als Standard umgesetzt werden“, sagte der Leiter des Verkehrsressorts, Stefan Gerwens. „Der ADAC lehnt verpflichtende höhere Parkgebühren für breitere Pkw ab.“

Diese SUV sind zu fett für den Gehweg
Auf dem Gehweg zu parken gehört nicht nur in Innenstädten zum gewöhnten Anblick. Das ist – mit der entsprechenden Beschilderung – grundsätzlich erlaubt, gilt aber nur für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gewicht bis 2,8 Tonnen. Moderne Luxus-SUV liegen aber zum Teil deutlich darüber – die vom Auto Club Europa (ACE) aufgestellte Übersicht zeigt, welche Modelle betroffen sind. Quelle: dpa
Audi Q7Der Q7 ist mit über fünf Metern Länge und einer Breite von 1,97 Metern wahrlich kein kleines Auto. Damit ist es nicht immer einfach, in der Großstadt einen Parkplatz zu finden – auf den Gehweg darf das größte Audi-SUV aber nur bedingt: Selbst mit dem 2,0-Liter-Benziner kommt der Q7 auf ein zulässiges Gesamtgewicht von über 2800 Kilogramm. Mit dem Diesel-Hybrid-Antrieb kommt der Q7 e-tron quattro alleine auf 2520 Kilo Leergewicht – da sind dann theoretisch nur noch 280 Kilo Zuladung drin. Doch in der Praxis ist das schwer zu kontrollieren. Quelle: Audi
BMW X6Etwas anders ist die Lage beim BMW X6: Mit einem Leergewicht von mindestens 2,1 Tonnen ist das SUV-Coupé zwar kein Leichtgewicht, mangels dritter Sitzreihe und großem Kofferraum ist die erlaubte Zuladung jedoch geringer. Deshalb kommt nicht jede Variante des X6 über die 2800 Kilo – aber einige eben schon. Wer sein schweres SUV trotz allgemeiner Erlaubnis auf dem Gehweg abstellt, muss mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von mindestens zehn Euro rechnen. Mindestens 15 Euro werden fällig, wenn der Parkplatz auch über Parkflächenmarkierung verfügt. Was für schwere Pkw gilt, gilt natürlich auch für Transporter, Kleinbusse und Wohnmobile. Quelle: BMW
Jeep Grand CherokeeDie Marke Jeep profitiert extrem von dem SUV-Boom der vergangenen Jahre. Nach unten hat sich die Marke mit immer neuen Modellen erweitert. Oben ist der Abschluss aber seit Jahren gleich: Der Grand Cherokee ist das Top-Modell der Marke. Er bringt es aber auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 2949 Kilo. Damit ist auf den Gehwegen das Parken nicht mehr möglich. Das wird übrigens durch das "Zeichen 315" erlaubt – das Schild gibt auch an, ob die Autos mit zwei oder vier Rädern auf dem Gehweg parken sollen. Die Grenze von 2,8 Tonnen bleibt davon aber unberührt. Quelle: Fiat
Land Rover DiscoveryMit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3240 Kilo bringt es der Land Rover Discovery auf den höchsten Wert in dieser Auflistung. Das Leergewicht liegt bei rund 2,5 Tonnen, dazu kommt die relativ hohe Zuladung des Nutzlast-SUV. Aber im kommenden Jahr wird der Discovery durch ein neues Modell ersetzt, das dank Leichtbau-Technologie bis zu 400 Kilo abspecken soll. Damit wäre er der 2,8-Tonnen-Grenze deutlich näher als jetzt. Quelle: Land Rover
Range RoverBeim neuen Discovery sortiert Land Rover den schweren Leiterrahmen aus und ersetzt ihn durch eine selbsttragende Alu-Karosse, die eng mit der des Range Rovers verwandt ist. Doch Aluminium alleine heißt noch lange nicht, dass ein Auto auch leicht wird: Mit zu viel Ausstattung und großen Motoren kommt der Range Rover auf ein zulässiges Gesamtgewicht von über drei Tonnen – das Gehweg-Parken wäre damit tabu. Quelle: Land Rover
Mercedes-Benz G-KlasseDer SUV-Oldie von Mercedes setzt noch auf den klassischen Leiterrahmen – alle noch erhältlichen Versionen kommen in der Summe von Leergewicht und Zuladung auf mehr als 2800 Kilo. Quelle: Daimler

Das Durchschnittsauto ist seit 1990 deutlich in die Breite gegangen. Maß es damals im Mittel noch 1,679 Meter, sind es heute 1,802 Meter – ein Plus von 12,3 Zentimetern beziehungsweise 7,3 Prozent, wie Dudenhöffers „Center Automotive Research“ (CAR) ermittelt hat. Die breitesten Neuwagen hat aktuell Ford im Programm, mit durchschnittlich 1,845 Metern übertrifft die Marke selbst Mercedes, die mit 1,840 Metern auf Rang zwei landen. Ein Grund dafür dürften neben gleich mehreren Vans im Programm die zahlreichen Modelle mit US-Genen sein; das Mittelklasse-SUV Edge etwa misst von Türgriff zu Türgriff 1,93 Meter.

Ein möglicher technischer Grund für das Breitenwachstum bei Autos liegt in der Verbesserung des Seitenaufprallschutzes – der Raum zwischen Sitz und Tür wächst auch, um Platz für die dort platzierten Airbags zu schaffen. Daneben dürften die Gründe beim Prestigedenken und dem Komfortbedürfnis der Kundschaft liegen. Möglicherweise spielt auch deren wachsender Körperumfang eine Rolle: Der durchschnittliche Body-Mass-Index ist bei Männern seit 1990 von 26 auf 27,2 gestiegen; bei 30 spricht man von Fettleibigkeit.

Mit diesen Autos passen Sie durch keine Baustelle
AudiGroße Limousinen sind chic, noch beliebter sind bei den Deutschen Autofahrern allerdings Geländewagen und SUV. Das Problem an diesem Fahrzeugtypus ist aber nicht nur, dass ihre Besitzer damit Nebenstraßen nahezu unpassierbar für andere Verkehrsteilnehmer machen oder erst gar keinen Parkplatz finden. Sie sind auch zu breit für Fahrbahnverengungen in Baustellen. Bei Fahrbahn-Verengungen ist die linke der beiden Fahrspuren nämlich auf eine Fahrzeugbreite von zwei Meter beschränkt. Und das ist nicht nur für die SUV zu eng. So sind auch der Audi A4, A5, A6, A6 Allroad Quattro, A7, Audi Q3, Q5 und Q7 zu breit für linke Spuren in Baustellen. Denn entscheidend ist nicht die angegebene Außenbreite des Wagens, sondern die tatsächliche Breite inklusive Außenspiegel. Und die liegt bei den genannten Modellen zwischen 2,02 Metern (Audi A5 und Audi Q3) und 2,18 Metern (Audi Q7). Wer eines dieser Modelle fährt, muss in Baustellen also wahlweise die Spiegel einklappen, um andere nicht zu touchieren, oder auf der rechten Spur zwischen den Brummis hertuckern. Die komplette Liste der "dicken Autos" finden Sie übrigens beim Autodaten-Experte Schwacke. Quelle: obs
BMWIn der Schwacke-Auflistung der meistverkauften Modelle ab der Kompakt-Klasse stellt sich heraus, dass der größte Teil an Pkw ausdrücklich nicht auf verengten Fahrbahnen mit 2,0 Meter zugelassener Breite fahren darf. Dazu gehören auch folgende Modelle von BMW: Die 3er Serie von BMW mit einer Außenbreite von 1,81 Metern, aber einer tatsächlichen Breite von 2,03 Metern, die 5er Reihe mit 2,10 Metern Breite (angegeben 1,86 Meter), der X1 mit 2,04 Metern, der X3 mit 2,09 Metern, der X5 mit 2,18 Metern (angegeben 1,94 Meter) und der BMW X6 mit 2,20 Metern. Quelle: obs
OpelSelbst Mittelklassewagen von Opel sind zu fett fürs Ballett. Der Opel Astra ist zwar nur einen Zentimeter breite als die übliche Baustellen, aber das genügt, um sich den Spiegel abzufahren oder den anderen Verkehrsteilnehmern unschöne Rallye-Streifen in den Lack zu kratzen. Noch tiefer werden diese Kratzer mit dem Opel Zafira (2,03 Meter), dem Opel Insignia (2,08 Meter) und dem Opel Zafira Tourer (2,10 Meter). Quelle: dpa
VolkswagenEntgegen der landläufigen Meinung betrifft die Zweimeter-Grenze immer häufiger selbst Kompakt-Pkw wie den aktuellen VW Golf (2,03 Meter). Auch der Volkswagen CC, der VW Passat, der Sharan, der T5, der Tiguan, der Touareg und der Touran haben nicht nur in engen Parkhäusern Probleme sondern auch nichts auf engen Baustellen-Fahrbahnen verloren. Quelle: dpa
Land RoverSelbst bei Fahrspur-Verengungen auf maximal 2,2 Meter dürfen einige Modelle nicht auf die linke Spur wechseln. Dazu gehören der Land Rover Sport (im Bild rechts) mit 2,22 Metern Breite, der Lancia Voyager oder der Mercedes Viano mit jeweils 2,25 Metern und der Volkswagen T5 mit 2,28 Metern Breite. Quelle: obs
MercedesWer die angeordnete Maximalbreite missachtet, riskiert übrigens ein Bußgeld von 20 Euro. Also Achtung, sollten Sie eine A-Klasse, B-Klasse, C-Klasse, E-Klasse, M-Klasse oder einen Mercedes CLS, GLK oder den bereits erwähnten Viano fahren. Die genannten Modelle sind nämlich inklusive Außenspiegel zwischen 2,01 Meter (B-Klasse) und 2,25 Meter (Viano) lang. Und das obwohl laut der eingetragenen Außenbreite kein Wagen breiter als 1,90 Meter (Viano) ist. Quelle: dpa
FordFahrer, die sich mit dicken Autos auf enge Spuren quetschen, müssen aber noch mehr befürchten, als ein kleines Bußgeld: Wird der Fahrer eines zu breiten Pkw in einen Unfall verwickelt, kann sogar der Kasko-Schutz eingeschränkt werden. Darüber hinaus kann wegen einer Mitschuld der Schadenersatz der gegnerischen Haftpflicht-Versicherung reduziert werden. Zu diesen zu breiten Wagen gehören auch der Ford Focus (Bild) mit 2,01 Metern, der Ford B- beziehungsweise C-Max mit je 2,07 Metern, der Ford Kuga mit 2,08 Metern, der Ford Mondeo mit 2,09 Metern und die Modelle Ford Galaxy und Ford S-Max mit jeweils 2,15 Metern Breite. Quelle: obs

Besonders stark haben in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten die Kleinwagen zugelegt, wie die Experten am Beispiel Opel Corsa belegen, der um 14 Prozent von 1,532 Metern auf 1,746 Meter gewachsen ist. Der Bestseller VW Golf ist im gleichen Zeitraum um 7,1 Prozent in die Breite gegangen und misst aktuell 1,799 Meter. Insgesamt sind die Steilhecklimousinen allerdings noch relativ dünn. Spitzenreiter bei der Breite sind Vans mit 1,853 Metern, Limousinen mit 1,847 Metern und SUV mit 1,839 Metern. Jeweils ohne Spiegel wohlgemerkt – die rund 20 Zentimeter muss man bei all diesen Zahlen noch dazu addieren.

In Parkhäusern, Innenstädten und in Autobahnbaustellen wird es das schon mal eng. Berücksichtigt man noch, dass die durchschnittliche Fahrzeuglänge seit 1990 um 3,4 Prozent auf 4,403 Meter zugenommen hat, wundert der zunehmende Mangel an Park- und Verkehrsraum nicht. Experten schlagen vor diesem Hintergrund vor, Pkw etwa nach ihren Dimensionen zu besteuern oder Zusatzgebühren für besonders breite Parkplätze zu erheben. Die CAR-Studie zählt auch eine schnelle Vollautomatisierung des Einparkens zu den möglichen Lösungen. Weil für das Rangieren kein Fahrer nötig ist, lassen sich Autos eng an eng stellen, um den Parkraum optimal auszunutzen.

Für das Parkhaus-Problem schlägt Dudenhöffer konkret vor, vor den Parkhäusern Scanner aufzustellen, die die Größe eines Fahrzeugs messen und auf dieser Basis die Höhe der Parkgebühr berechnen.

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