Fiat, GM und Co. Autobranche steht vor Welle von Zusammenschlüssen

Horrende Ausgaben für hochautomatisierte und sparsame Fahrzeuge, schwaches Wachstum in den BRIC-Staaten – der Druck auf die Automobilbranche wächst. Das Beratungshaus AlixPartners prognostiziert weitere Zusammenschlüsse.

Die Fusion von Fiat und Chrysler zu FCA war der letzt große Zusammenschluss zweier internationaler Autokonzerne – laut einer Studie dürften weitere folgen. Quelle: dpa

Zweistellige Milliardenbeträge wird die globale Autoindustrie für neue Technologien aufwenden müssen. Das vernetzte, selbstfahrende, mit anderen Nutzern geteilte und elektrifizierte Auto der Zukunft fordert von den Herstellern enorme Investitionen. Weil sich die Branche zudem auf ein verlangsamtes Marktwachstum einstellen muss, kommt es in den nächsten Jahren zu einer neuen Welle von Zusammenschlüssen und Allianzen. Davon geht das globale Beratungsunternehmen AlixPartners in seiner aktuellen Studie zur Situation und den Perspektiven des globalen Automobilmarktes aus.

„Wir erwarten eine deutliche Konsolidierungswelle und neue Partnerschaften in der Autoindustrie“, sagt der Autoindustrie-Experte Stefano Aversa, Vice-Chairman bei AlixPartners. „Wahrscheinlich beginnt es mit einem Zusammenschluss zweier Automobilhersteller. Aber der Trend wird auch die Zulieferer-Landschaft erfassen, und es wird zu Markteintritten von Technologie-Unternehmen kommen.“

C.A.S.E

Aversa spielt damit auf die Bemühungen von Sergio Marchionne, Chef des italienisch-amerikanischen Fiat-Chrysler-Konzerns an. Er sucht seit einigen Wochen das Gespräch mit anderen Autokonzernen, will einen Partner finden. General-Motors-Chefin Mary Barra erteilte ihm bereits eine Absage.

Marchionne blitzt ab – noch

Marchionne steht wie alle anderen Vorstände der Automobilbranche vor einer Reihe von Herausforderungen. Die großen Zukunftsthemen im Auto heißen „connected“, autonom, „shared“ und elektrifiziert -„im Englischen mit C.A.S.E. abgekürzt. „Bei C.A.S.E. geht es um signifikante Veränderungen für die gesamte Branche“, so das Beratungshaus.

Entwicklung der Märkte

„C.A.S.E. ist die Zukunft der Automobilindustrie. Keiner kann es sich leisten zurückzubleiben. Aber der Aufbau wird die Autoindustrie einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten“, sagt der Industrieexperte Jens Wiese, Director bei AlixPartners. „Und diese Kosten addieren sich mit denen der bereits laufenden Entwicklungsprojekte, die etwa Sicherheit, Verbrauch, Schadstoffausstoß und Komfort verbessern.“ Es bleibe dennoch unwahrscheinlich, dass die Marktneulinge aus der IT-Branche einen Autohersteller kaufen werden. „Die Margen sind vergleichsweise niedrig und die Investments hoch. IT-Unternehmen sind eher an den höheren Margen im Geschäft mit den Daten interessiert.“

Die Veränderungen durch C.A.S.E wirkten sich auch auf etablierte Geschäftsmodelle und Ertragsfelder aus, die sich in den Bereich der Software sowie der Echtzeitdatengewinnung und -anwendung verschieben. Um diese Aufgaben zu bewältigen, reicht die Ertragskraft einiger Unternehmen der Automobilindustrie nicht aus; dies gilt vor allem für Volumenhersteller.

Volumenhersteller unter Druck

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Im vergangenen Jahrzehnt hat die Autoindustrie weltweit einen Großteil ihrer Gewinne meist direkt reinvestiert, vor allem in Forschung und Entwicklung. Die Situation habe sich in den letzten Jahren merklich verbessert, allerdings nicht für den Durchschnitt der Volumenhersteller wie FCA, Ford, PSA oder Renault-Nissan, so die Berater von AlixPartners. „Diese Hersteller sind auch absatzseitig unter Druck gekommen, weil viele Premium-Hersteller mit kleineren Modellen in ihr Segment eingedrungen sind. Außerdem bieten die sogenannten Value Brands wie Dacia und Hyundai/Kia vergleichbare Fahrzeuge zu einem günstigeren Preis an“, heißt es in der Studie weiter.

„Zusammengefasst zeigen unsere Zahlen: Die Massenhersteller müssen neue Wege finden, um die für das Auto der Zukunft nötigen Investitionen und Forschungsausgaben bezahlen zu können“, erklärt Wiese. Zusammenschlüsse, die durch Skaleneffekte und Kapitalrentabilität getrieben werden, brächten allerdings keine schnelle Entspannung. Synergien können die Profitabilität um 1,5 bis 2 Prozentpunkte erhöhen, brauchen aber nach Erfahrung von AlixPartners in der Regel mindestens fünf bis sechs Jahre, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

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