Fiat-Tochter Volkswagen soll Interesse an Chrysler haben

Dass VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gerne Alfa Romeo in seinem Konzern sehen würde, ist ein offenes Geheimnis. Jetzt soll Volkswagen an der Fiat-Tochter Chrysler interessiert sein.

VW mit Oberklasse-Anspruch
Noch verhüllt zeigt sich der neue VW Passat am Donnerstagabend vor dem Volkswagen-Designzentrum in Potsdam. Die neue Generation des Mittelklassemodelles wurde erstmals präsentiert. Quelle: dpa
Der neue Passat ist flacher und breiter als das Vorgängermodell. Die Optik profitiert außerdem von einem um knapp acht Zentimeter gestreckten Radstand. Quelle: REUTERS
Der Kühlergrill ist deutlich größer ausgelegt. Grill und Scheinwerfer verschmelzen zu einer Einheit. Zu haben sind Halogen- und LED-Scheinwerfer. Sie lösen die Xenonschweinwerfer des Vorgängers ab. Quelle: Volkswagen
Besucher nehmen den neuen Passat unter die Lupe. Er ist laut VW bis zu 20 Prozent sparsamer und 85 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Quelle: dpa
Im Herbst 2015 soll auch ein Plug-In-Hybrid auf den Markt kommen, der 50 Kilometer elektrisch fährt und so nur rund 1,5 Liter Kraftstoff verbrauchen soll. Quelle: dpa
Als erster VW wurde er mit einem sogenannten Head-up-Display ausgestattet, das Informationen in die Frontscheibe einblendet. Ein Touchscreen-Radio, Klimaanlage und Müdigkeitserkennung gehören zur Serienausstattung. Quelle: Volkswagen
Das Head-up-Display projiziert wichtige Informationen wie die aktuelle Geschwindigkeit, Warnmeldungen oder Navigations-Piktogramme direkt in das Sichtfeld des Fahrers, so dass die Augen auf die Straße fokussiert bleiben können. Quelle: Volkswagen

Volkswagen lotet einem Magazinbericht zufolge eine Übernahme des italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat aus. Durch die Integration von dessen US-Tochter Chrysler sehe die VW-Führung einen möglichen Ansatz, um ihre eigenen Probleme auf dem US-Markt zu lösen, berichtete des „Manager Magazin“ am Donnerstag ohne Quellenangabe. Europas größter Autobauer sucht seit längerem nach Wegen, um in den USA aus der Rolle eines Nischenanbieters herauszukommen. Ein Volkswagen-Sprecher betonte, bei den Wolfsburgern stünden derzeit keine Projekte im Bereich Fusionen oder Übernahmen auf der Agenda.

Am Mittag meldete sich der größte Fiat-Aktionär zu Wort: Die Agnelli-Familie widerspricht dem Bericht über eine mögliche Übernahme. Es hätten keine Gespräche über eine Fusion stattgefunden, sagte am Donnerstag ein Sprecher der Exor-Holding, in der die Familie ihre gut 30 Prozent Anteile an Fiat gebündelt hat.

Die VW-Aktie verlor nach dem Bericht 1,64 Prozent und lag damit am Dax-Ende. Börsianer reagierten skeptisch. „Da kann man sich ruck-zuck verzetteln“, sagte ein Händler. Auch ein weiterer Marktteilnehmer fürchtete, dass noch ein Großprojekt neben den bereits bestehenden Baustellen VW überfordern könnte. Den Fiat-Aktien verliehen die Gerüchte an der Mailänder Börse allerdings kräftigen Auftrieb: Die Kurse kletterten um 5,1 Prozent auf 7,91 Euro, dem stärksten Tagesgewinn seit Januar.

Wie die VW-Sparten 2013 abgeschnitten haben

Dem Magazinbericht zufolge haben Volkswagen-Großaktionär Ferdinand Piëch und die Familien Elkann und Agnelli als Fiat-Haupteigner sowie deren Unterhändler dazu bereits mehrere Gespräche geführt. Die Preisvorstellungen lägen aber noch deutlich auseinander. Fiat-Chef Sergio Marchionne verfolge parallel andere strategische Optionen. Bei Volkswagen komme hinzu, dass die Konzernspitze mittelfristig auch über den Zukauf eines weiteren Lkw-Herstellers nachdenke, um aus den Töchtern MAN und Scania eine weltweit führende Gruppe zu schmieden.

Mit einem Kauf oder Teilkauf könnte Volkswagen laut dem Magazin eine Lösung der Probleme in den USA forcieren. Das engmaschige Händlernetz von Chrysler und deren erfolgreiche Geländewagen und Pick-Ups würden die Aufstellung der Wolfsburger in den USA passgenau ergänzen. Die Niedersachsen verlieren mit ihrer Kernmarke VW-Pkw seit 15 Monaten in Folge an Boden in den USA, obwohl der Markt insgesamt wächst.

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Experten halten beide Vorhaben zusammen für ambitioniert. VW verfügte zuletzt zwar über liquide Mittel von knapp 18 Milliarden Euro. Konzernchef Martin Winterkorn hatte allerdings unlängst deutlich gemacht, dass er das Geld zusammenhalten will. „Wir haben genug damit zu tun, die Integration von Scania voranzubringen“, sagte er am Rande einer Veranstaltung zu Reuters. VW hatte den schwedischen Lkw-Hersteller Scania vor Kurzem ganz unter seine Kontrolle gebracht. Das übrige Geld benötigen die Wolfsburger vor allem für Investitionen in neue Modelle und die weitere Modernisierung der Produktion.

Dem Bericht zufolge wollen sich die italienischen Eigner weitgehend aus dem wenig profitablen Automobilgeschäft zurückziehen und sich auf die Sportwagenmarke Ferrari konzentrieren. VW-Aufsichtratschef Piëch hatte in der Vergangenheit mehrfach Interesse an der Fiat-Marke Alfa Romeo geäußert, erhielt von Marchionne jedoch regelmäßig eine Abfuhr. Inzwischen gehe es in den Gesprächen vor allem um Chrysler, berichtete das Magazin.

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