Fördermittel laufen aus Norwegens Elektroauto-Traum vor dem Aus?

Norwegen gilt als Vorzeige-Land für die Elektromobilität. Dank einer umfangreichen Förderung zählen Elektroautos zu den meistverkauften Modellen. Doch genau wegen dieses Erfolgs könnte jetzt bald Schluss sein.

Der Nissan Leaf ist in Norwegen eines der meistverkauften Autos. Quelle: REUTERS

Der norwegische Automarkt ist einzigartig in der Welt – noch. In dem skandinavischen Land machen Elektroautos 23 Prozent aller Neuzulassungen aus. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 0,7 Prozent. Da der Staat die E-Mobile mit Sonderrechten und Steuervorteilen fördert, wird Elektromobilität in Norwegen bezahlbar.

Das schlägt sich auch in der Statistik nieder. Die drei meistverkauften Automodelle in Norwegen sind Elektroautos. Im März belegten das Tesla Model S vor dem e-Golf und Nissan Leaf die Spitzenplätze. Doch der Elektro-Boom könnte bald vorüber sein: Die Regierung hat von Anfang an in dem Förderprogramm festgehalten, ab 50.000 Elektroautos das Programm zu überdenken – oder gar komplett einzustellen. Und genau diese Marke wurde laut dem Wirtschaftsportal E24 in diesen Tagen erreicht.

Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

Für die Autobauer hat sich Norwegen längst zu einem der wichtigsten Absatzmärkte für Elektroautos entwickelt. Obwohl in Deutschland 16-mal so viele Menschen leben, konnte BMW in beiden Ländern im Jahr 2014 nahezu gleich viele i3 verkaufen (Deutschland: 2.231 Exemplare, Norwegen: 2.040 Exemplare). Bei Volkswagen liegt Norwegen mit 2.018 e-Golfs weit vor Deutschland (601 Exemplare).

Dank der Steuerrabatte kostet der gut ausgestattete e-Golf nahezu gleich viel wie das Einstiegsmodell mit Verbrennungsmotor. Dazu kommen weitere Vorteile für Elektroautos: Sie dürfen die Busspuren benutzen, vielerorts gratis parken und zum Teil auch kostenlos laden.

Wie es jetzt mit der womöglich auslaufenden Förderung weitergeht, ist unklar. Die konservative Abgeordnete Linda Hofstad Helleland forderte im staatlichen Rundfunk, die Befreiung von der Mehrwertsteuer (25 Prozent) zu überdenken. Ohne diese Befreiung würde ein großer Kaufanreiz für Elektroautos wegfallen, auch andere Vorteile wie die Nutzung der Busspur sind zumindest in Oslo umstritten. Die Hersteller fürchten um ihren Absatz. BMW-Vertreter Kjetil Myhre sagte, die Hersteller könnten abrupte Änderungen des Fördersystems nicht ertragen.

Ob mit oder ohne Förderung ist Norwegen für Elektroautos gut aufgestellt: Der Boom der Batteriefahrzeuge hat dem Land ein äußerst dichtes Netz an Ladesäulen beschert. Reichweitenangst ist dort kein Thema mehr.

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