Förderung von Elektroautos Deutschlands "Energiewende auf Rädern" stockt

In Berlin diskutieren Politik und Wirtschaft über die Zukunft des Elektroautos. Beispiele aus dem Ausland zeigen, welche Erfolge mit einer Förderung möglich sind. Doch Merkels Zurückhaltung bringt ihre Ziele ins Wanken.

VW-E-Golf vor Bundestag Quelle: Pressebild, Montage

Eine Millionen Elektroautos. Diese Zahl schwebt über allem. Vor fünf Jahren hat Kanzlerin Angela Merkel dieses Ziel gesteckt, das 2020 erreicht werden soll. Mit der „Energiewende auf der Straße“ solle Deutschland bei der Elektromobilität vorne weg fahren.

Rund 22.000 Elektroautos sind Stand Ende Mai auf deutschen Straßen unterwegs, dazu kommen gut 120.000 sogenannte-Plug-In Hybride, die neben einem Elektro- auch einen Verbrennungsmotor haben. Kurze Strecken können diese Autos elektrisch fahren, auf längeren Etappen übernimmt der Benziner oder Diesel.

Umstrittene Förderung für Elektroautos

So droht Deutschland zu einem Leitanbieter ohne Leitmarkt zu verkommen. 19 Elektro-Modelle haben deutsche Autobauer im Angebot, zehn weitere sollen bis Ende des Jahres dazukommen. Der oberste Auto-Lobbyist Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) jubelt: „Eine solche Vielfalt hat keine andere Automobilnation.“ Einzig: Das Angebot ist inzwischen groß, die Nachfrage aber gering.

Fast alle fordern eine Förderung

Zwischenstände wie diese lassen die Skepsis an dem von Merkel ausgerufenen Ziel wachsen. Das Fraunhofer-Institut geht wegen der zahlreichen Unsicherheiten eher von 150.000 E-Autos im Jahr 2020 aus. Nur im bestmöglichen Szenario sei die Millionen-Marke zu erreichen.

Auch die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), ein 2010 ins Leben gerufenes Bündnis von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, sieht die Merkel’sche Million in Gefahr. In einem Zwischenbericht, den NPE-Sprecher Henning Kagermann im Dezember 2014 der Kanzlerin überreichte, gehen die Experten „nach heutigem Erkenntnisstand und Prognosen“ etwa von einer halben Millionen Elektrofahrzeugen aus. Die Million bleibe aber erreichbar, dafür müssen „die Rahmenbedingungen angepasst“ werden. Soll heißen: Es muss eine staatliche Förderung für die Ladenhüter her.

Diese Elektroautos gibt es zu kaufen
Smart fortwo electric drive Quelle: Daimler
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
BMW i3BMW ist mit dem i3 einen mutigen Schritt gegangen: Die Münchner haben nicht nur ein futuristisches Design gewagt, sondern auch gleich eine Kohlefaser-Karosserie in Serie gebracht. Alle anderen Elektroautos auf dem Markt basieren auf mehr oder weniger mutig gezeichneten Stahl- und/oder Alu-Karosserien. Deutlich über 2000 i3 sind bereits auf deutschen Straßen unterwegs. Dabei fällt er stärker auf als andere Elektroautos, denn sein extrovertiertes Design polarisiert. Minuspunkt: Beim Laden ist der Elektro-BMW nicht der allerschnellste, da er nicht mit den dafür nötigen Schnelllade-Standard unterstützt. In der Preisliste steht der i3 ab 34.950 Euro. Leistung: 170 PS Akku: 18,8 kWh Reichweite: 190 km Quelle: BMW
Nissan Leaf Quelle: Nissan
Volkswagen e-Golf Quelle: Volkswagen
Renault Zoë Quelle: Renault
Mitsubishi EV/Peugeot iOn/Citroën C-Zero Quelle: Mitsubishi
Tesla Model S Quelle: Tesla
Renault Twizy Quelle: Renault
Ford Focus Electric Quelle: Ford
Kia Soul EV Quelle: Kia
Mercedes B-Klasse Electric Drive Quelle: Daimler
Nissan e-NV200 Evalia Quelle: Nissan
Renault Kangoo Z.E. Maxi

Aufgeben will die Politik das Ziel allem Gegenwind zum Trotz aber nicht. In Berlin wird jetzt auf der Nationalen Konferenz Elektromobilität, so der sperrige Titel, zwei Tage lang diskutiert, wie der vielmals herbeigeredete Durchbruch wirklich geschafft werden soll. Mit dabei ist alles, was Rang und Namen hat: Bundeskanzlerin Merkel, Verkehrsminister Dobrindt, Wirtschaftsminister Gabriel und Daimler-Chef Dieter Zetsche, um einige zu nennen.

Von dem „Elektro-Gipfel“ wurden entscheidende Impulse erwartet. Wer dachte, dass Merkel mit einem milliardenschweren Förderpaket in der Tasche anreist, der wurde enttäuscht. Dass es doch nicht ganz ohne staatliche Anreize geht, hat man inzwischen auch im Kanzleramt erkannt. In ihrer Rede stellte die Merkel neue Förderungen noch in diesem Jahr in Aussicht. Deutschland werde „um eine weitergehende Förderung nicht herumkommen, obwohl wir schon Einiges gemacht haben“, sagte Merkel.

Elektroauto-Absatz 2014 in Deutschland

Die Industrie fordert, dass gewerbliche Halter im ersten Jahr die Hälfte des Kaufpreises abschreiben können sollen. Diese Sonder-Abschreibung, die die NPE in ihrem Zwischenbericht an erster Stelle gefordert hatte, wird derzeit vom Finanzministerium geprüft. Laut der Kanzlerin werde die Regierung werde nochmals alle Instrumente studieren. Entschieden sei noch nichts, doch solle noch in diesem Jahr eine Antwort gefunden werden. „Ich habe einigermaßen klare Vorstellungen, was die Bundesregierung noch zu leisten hat“, so Merkel. Festlegen auf die Abschreibung will sich die Kanzlerin aber nicht: „Steuerliche Maßnahmen erfordern immer das Einverständnis von Bund und Ländern.“

Skeptischer äußerte sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Man müsse aufpassen, dass man nicht durch das beständige Wiederholen „von nicht erreichbaren Zielen am Ende sich und das Projekt lächerlich macht“, sagte der Vizekanzler. Er sei dafür, die Ziele dennoch nicht zu reduzieren und sich lieber etwas einfallen zu lassen, um sie zumindest annähernd zu erreichen.

Bislang wird hierzulande vor allem die Forschung gefördert, in den vergangenen vier Jahren hat die Regierung hierfür rund 1,5 Milliarden Euro bewilligt. In Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Norwegen sorgt der Staat mit steuerlichen Anreizen für die Anschubfinanzierung – entsprechend mehr Elektroautos sind dort unterwegs. In den Niederlanden zum Beispiel sind Käufer von E-Autos von Umsatz- und Kfz-Steuer befreit. Bei Mittelklassewagen macht das bis zu 8.000 Euro aus.

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