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Formel 1 Rasende Langweiler vor ungewisser Zukunft

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Zuschauer-Schwund bei RTL

Auf gute Geschäfte können dabei weder der Nürburgring noch Hockenheim hoffen. Kenner halten es für möglich, dass sogar nur 30.000 bis 40.000 Zuschauer kommen. Die spanische Santander Bank, seit 2008 Namenssponsor, ist schon abgesprungen. Die Hängepartie macht die Vorbereitungszeit zu knapp, um das Rennen als Marketingplattform sinnvoll zu nutzen.

Zuschauerzahlen bei RTL pro Saison

Mit Skepsis schauen Unternehmen, die ihre Werbeausgaben rechtfertigen müssen, auch auf die TV-Quoten. Die sinken auf breiter Front. Allein von 2013 auf 2014 verlor die Königsklasse etwa beim Kölner Sender RTL fast eine Million Zuschauer. Statt 5,3 Millionen schalteten im Schnitt nur noch 4,36 Millionen ein, der niedrigste Wert seit 20 Jahren. Die Formel 1 bescherte RTL zwar noch immer einen Marktanteil von knapp 30 Prozent. „Es gibt wenig Programminhalte, die das schaffen“, sagt ein RTL-Sprecher. Doch der Trend zeigt abwärts (siehe Grafik). Zu Michael Schumachers Glanzzeiten erreichte RTL nicht selten mehr als zehn Millionen Zuschauer.

RTL kürzt Formel-1-Berichterstattung

Die aktuelle Saison könnte daher nach fast 25 Jahren die Schlussrunde für RTL einläuten. Der Kontrakt mit Formel-1-Promoter Ecclestone endet 2015 genauso wie der des Bezahlsenders Sky mit dem Briten. Gegenüber der WirtschaftsWoche gibt sich Ecclestone nebulös. „Bevor die Verträge auslaufen“, sagt er, ende die Deadline für eine Verlängerung, Probleme mit den Traditionssendern in Deutschland habe er keine. Umgekehrt sieht die Lage anders aus. Denn angeblich zahlt RTL Ecclestone 50 Millionen Euro im Jahr für die Rechte, die Formel 1 übertragen zu dürfen. Sehr unwahrscheinlich, dass Deutschland-Chef Frank Hoffmann weiter bereit ist, so viel Geld nach London zu überweisen.

Dem Vernehmen nach dürfte die Schmerzgrenze bei 30 bis 35 Millionen Euro liegen. Die Kölner dampfen schon jetzt ihr Formel-1-Programm spürbar ein. Der Bericht von den Qualifikationsfahrten am Vortag wird um 30 Minuten gekürzt, die Vorberichterstattung am Renntag um 20 Prozent auf eine Stunde. Werbekunden bietet RTL den teuersten 30-Sekunden-Spot statt für bis zu 84 . Euro für nur noch 60.600 Euro an.

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Ungelöst ist zudem das Problem, dass der Formel 1 der Nachwuchs ausgeht. Waren 2012 etwa in Deutschland noch 21 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sehr am Spektakel interessiert, sank die Zahl innerhalb von zwei Jahren auf 16 Prozent, sagt Repucom-Experte Lange. Hinzu kommt, dass der Nachwuchs digitale Medien klassischem TV vorzieht. Doch statt den Fans dorthin zu folgen, hat die Formel 1 nicht mal offizielle Auftritte beim Kurznachrichten-Dienst Twitter oder beim Netzwerk Facebook. Immerhin: Seit Spätherbst fahndet eine Arbeitsgruppe nach Ideen, um das digitale Vakuum zu füllen. Lautere Motoren sind auch wieder im Gespräch – die kommen jedoch frühestens 2017.

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