Formel E in Berlin Fährt hier der Motorsport der Zukunft?

Motorsport ist laut, unvernünftig und richtig teuer. Das mag auf die Formel 1 zutreffen, nicht aber auf die Formel E. Die neue Elektro-Rennserie will am Wochenende in Berlin zeigen, wie es auch anders geht.

Motorsport-Rennen der FIA-Formula E in Monaco Quelle: Presse

An diesem Wochenende wird es wieder laut in Monaco: Die Formel 1 ist zu Gast. Wenn am Sonntag Nico Rosberg, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Co in ihren Rennwagen um den Sieg auf dem legendären Stadtkurs kämpfen, ist das für viele Motorsport-Fans nach wie vor eines der Highlights des Jahres.

Doch eines ist in diesem Jahr anders: Der Grand Prix von Monaco ist nicht mehr das erste und einzige Rennwochenende in den Straßen des kleines Fürstentums an der Cote d’Azur. Vor zwei Wochen fand bereits ein anderes Rennen in Monaco statt: der ePrix. So heißen die Veranstaltungen einer neuen Rennserie, der Formel E. Die Besonderheit: Wie das „E“ andeutet, brausen hier Elektroautos über die Piste.

Die wichtigsten Fragen zur Formel E

Das glamouröse Rennen rund um den Hafen von Monte Carlo, das Jahr für Jahr die Reichen und Schönen anzieht, ist nicht mehr einzigartig im Formel-1-Kalender. Die Königsklasse des Motorsports hat Konkurrenz bekommen. Ein bisschen zumindest: In der öffentlichen Wahrnehmung überstrahlt die Formel 1 die kleine Elektro-Rennserie noch bei weitem – auch wenn die Aufmerksamkeit für Motorsport in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist.

Unter anderem auch deshalb geht die Formel E einen anderen Weg. Nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei den Veranstaltungen selbst. Zählen Stadtkurse in der Formel 1 zu den Ausnahmen, sind sie bei der Formel E die Regel. Die Fans müssen nicht an die entlegenen Rennstrecken pilgern, sondern der Rennsport kommt zu ihnen in die Innenstädte.

Deutsche Fahrer und deutsches Team am Start

So erfolgreich die Premiere der Formel E in Monaco auch war, 2016 wird dort kein Rennen stattfinden. Das liegt aber nicht an der Serie, sondern an Terminproblemen in dem Fürstentum. „Neben dem Formel-1-Rennen haben wir 2016 wieder den historischen Grand Prix. Und wir können unmöglich drei Rennen im gleichen Jahr durchführen“, sagt Michel Boeri, Chef des monegassischen Automobilklubs ACM. „Wir könnten uns aber vorstellen, das E-Rennen abwechselnd mit dem historischen Grand Prix alle zwei Jahre durchzuführen.“ An einem Ersatz-Standort wird es sicher nicht mangeln: Mehr als 100 Städte haben sich auf einen ePrix beworben. Die Schweiz, in der seit den Fünfzigerjahren jeglicher Motorsport verboten ist, hat sogar die Gesetze geändert, so dass Elektro-Rennen künftig möglich sind.

Schwerer Crash bei der ersten Formel E
Die Formel E feierte im September 2014 in Chinas Hauptstadt Peking ihre Rennpremiere. Auf dem ehemaligen Olympia-Gelände starten unter anderem die beiden deutschen Piloten Nick Heidfeld und Daniel Abt beim ersten ePrix in der Motorsport-Geschichte: Alle Rennwagen sind mit Voll-Elektroantrieb ausgestattet. Quelle: AP
Die Rennwagen der neuen Formel E müssen dieselben Sicherheitsstandards wie in der Formel 1 erfüllen. Alle Teams fuhren mit dem Modell Spark-Renault SRT_01E. Der Wagen wurde zuvor Tests bei Einschlägen von der Seite, von vorne und von hinten unterzogen. Auch die vorderen und hinteren Rollbügel sowie die Struktur des gesamten Fahrzeuggestells wurden eingehend geprüft, ehe die Serie starten durfte. Quelle: REUTERS
Der vollelektrische Motor erreicht maximal 270 PS. Im Rennmodus ist die Antriebspower auf 202,5 PS gedrosselt. Die Rennwagen erreichen damit eine Maximalgeschwindigkeit von 225 km/h. Dabei sind sie etwa 80 Dezibel laut. "Es ist ein Klang, den ich als cool und modern bezeichnen würde“, sagte Rennserien-Chef Alejandro Agag der „Welt“ in einem Interview. Zum Vergleich: Unmittelbar hinter einem Formel-1-Wagen wird man mit 140 Dezibel beschallt - akute Gefahr für das Gehör. Quelle: REUTERS
Um die Fans einzubinden, können diese sogar unmittelbar Einfluss nehmen: Vor dem Rennen stimmen sie ab, welche drei Fahrer während des Rennens den sogenannten FanBoost bekommen. Für fünf Sekunden werden die auf 202,5 PS im Rennen limitierten PS dann auf 243 geschaltet. Quelle: REUTERS
Ein Blick auf den deutschen Rennfahrer Nick Heidfeld beim ePrix. Das Rennen dauert etwa eine Stunde. Weil die Batterien nicht ausreichen, müssen die Piloten im Rennen den Wagen wechseln. Heidfeld galt als Favorit des Rennens. Doch es kam anders... Quelle: dpa
Wenige Meter vor dem Ziel kostete ein schwerer Unfall den deutschen Fahrer den Sieg. Als er zum entscheidenden Überholmanöver in der letzten Runde auf dem 3,44 Kilometer langen Kurs gegen den bis dahin führenden Nicolas Prost ansetzte, fuhr ihm der Franzose seitlich in den Wagen... Quelle: AP
Heidfeld rutschte über die Randsteine, krachte gegen die Streckenbegrenzung und überschlug sich mehrfach mit seinem Wagen, ehe das Auto kopfüber auf dem Asphalt aufschlug. Der ehemalige Formel-1-Pilot konnte sich aber selbstständig aus dem Wrack befreien. Quelle: AP
Durch den Unfall fuhr Lucas di Grassi den ersten Sieg der neuen Rennserie ein. Der Brasilianer vom deutschen Team Audi Abt hatte bis dahin auf Platz drei gelegen. Hier schüttet er sich eine Flasche Champagner über den Kopf. Bei allen Beteiligten überwog aber die Erleichterung, dass Heidfeld ungeachtet der heftigen Bilder nichts passiert war. Er sei vor allem froh, dass es Heidfeld gut gehe und die Autos so sicher seien, sagte Grassi. Quelle: REUTERS
Das Nationalstadion in Peking, wegen seines Aussehens auch "Vogelnest" genannt. In der neuen Formel E sind bislang insgesamt zehn Rennen geplant. Gefahren wird in Metropolen weltweit. Am 30. Mai 2015 macht die Formel E in Berlin auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof Halt. Quelle: AP
Zehn Teams haben für die Premierensaison gemeldet. Darunter auch Venturi, der Rennstall von Mitgründer di Caprio. „Die Zukunft unseres Planeten hängt davon, ob wir Benzin sparende, saubere Auto bauen“, betonte der Hollywoodstar. Die Formel E will mit bestem Beispiel vorangehen. Quelle: AP

Mit dabei ist auch ein deutsches Team, Abt Sportsline aus Kempten im Allgäu. Für Teamchef Hans-Jürgen Abt ist das Konzept mit den Stadtrennen bereits jetzt aufgegangen. „In Asien und Amerika waren die Leute von der Formel E begeistert. In Monaco sind wir jetzt das erste Mal in Europa gefahren und die Tribünen waren voll“, sagt Abt. „Es war eine tolle Kulisse, da kann man beim ersten Auftritt einer neuen Rennserie stolz sein.“

Stolz ist Abt auch auf seine Fahrer. Der ehemalige Formel-1-Pilot Lucas di Grassi führt nach sieben von elf Rennen die Meisterschaft an, in Monaco wurde er Zweiter. Sein Teamkollege ist Daniel Abt, der Sohn des Teamchefs. Beim fünften Lauf in Miami hat der 22-Jährige seinen ersten Podestplatz erzielt. „Die Kombination unserer Fahrer ist eine gute Voraussetzung für den dauerhaften Erfolg des Teams“, sagt Abt senior. „Lucas di Grassi bringt als ehemaliger Formel-1-Fahrer und Teilnehmer der 24 Stunden von Le Mans viel Erfahrung mit, was auch uns als Team gut tut. Daniel steht mit seinen 22 Jahren erst am Anfang seiner Karriere. So können wir neben dem „Veteran“ einen zweiten, jungen Fahrer aufbauen.“

Wenn die selbsternannte Königsklasse des Motorsports am Wochenende in Monaco auf Punktejagd geht, ist die Formel E längst weitergezogen. Am Samstag rasen die leisen Flüster-Flitzer durch Berlin. Der deutsche Lauf findet auf dem Tempelhofer Feld statt – im Gegensatz zu den deutschen Formel-1-Strecken bei Hockenheim oder dem Nürburgring in der Eiffel ist die Formel-E-Strecke bequem mit der U-Bahn zu erreichen.

Das sorgt für ein anderes Publikum an der Strecke. Zu den Fans, die ihren Aufenthalt lange im Voraus planen, kommen Spontan-Besucher – was bei anderen Rennserien kaum möglich ist. „Ich schätze, dass bei den bisherigen Rennen 40 bis 50 Prozent der Zuschauer sich spontan entschieden haben“, sagt Teamchef Abt. „Die Leute sollen in die Stadt gehen und sich guten Motorsport anschauen können. Wer sich spontan entscheidet, soll nicht von hohen Ticketpreisen abgeschreckt werden.“

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