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Fragwürdige Förderung In Norwegen wird das Elektroauto zum Problem

In Norwegen boomen Elektroautos dank staatlicher Förderung wie in kaum einem anderen Land. Doch die Probleme wachsen. Deutschland sollte genau hinschauen, wie man es nicht macht.

Das Tesla Model S war wegen der Steuererleichterungen zeitweise das meistzugelassene Auto in Norwegen. Ohne die staatliche Förderung wäre die Elekto-Limousine fast doppelt so teuer. Quelle: REUTERS

Norwegen gehört zu den Vorreitern bei der Elektromobilität. Zwischen Oslo und Trondheim sind rund 32.000 Elektroautos auf den Straßen unterwegs – bei einer Gesamtbevölkerung von 5,1 Millionen Menschen. Zum Vergleich: In Deutschland waren zum 1. Januar 2014 nur knapp über 12.000 E-Autos zugelassen.

Dieser Erfolg hat einen einfachen Grund: In Norwegen werden Elektroautos vom Staat gefördert. Sei es per Steuererleichterung, kostenlosem Aufladen an öffentlichen Parkplätzen oder Vorteilen in der Verkehrsführung. So dürfen Elektroautos auch die Busspuren benutzen – in der Rush Hour ein unschätzbarer Vorteil.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

Doch genau gegen diesen Vorteil wächst der Widerstand: 85 Prozent des Verkehrs auf den Busspuren während den Stoßzeiten verursachen laut dem Norwegischen Straßenverkehrsamt inzwischen Elektroautos, was zulasten der Busse geht. „Ich bin Busfahrer und und will meine Passagiere so schnell wie möglich zum Ziel bringen. Deswegen sollen die Elektroautos die Busspuren verlassen, wo sie mir im Weg sind“, fordert etwa der Osloer Erik Haugstad gegenüber der Nachrichtenagentur „AFP“. „Die Verspätungen kosten die ganze Gesellschaft Geld. Die verlorene Zeit Tausender Passagiere wiegt schwerer als der Vorteil einiger Dutzend Fahrer von Elektroautos.“

Deutsche Großstädte sind skeptisch

Damit bestätigen die Erfahrungen in Norwegen, was auch zahlreiche deutsche Großstädte befürchten. Die Bundesregierung sträubt sich zwar gegen eine finanzielle Förderung der Elektromobilität, will es aber den Kommunen erlauben, die Nutzung von Busspuren für E-Mobile freizugeben und kostenlose Parkplätze zu reservieren. Ein entsprechendes Gesetz soll bald das Kabinett passieren und zum 1. Februar 2015 in Kraft treten.

Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

„Das ist kontraproduktiv“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Spuren seien grundsätzlich dazu gedacht, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu beschleunigen. Da aber auch Fahrräder und Taxen die Spuren nutzen dürften, sei die „Obergrenze“ erreicht.

„Von der Möglichkeit, Busspuren für Elektroautos zu öffnen, wird Hamburg keinen Gebrauch machen“, teilte etwa die Innenbehörde der Hansestadt mit. „Wir sind gegen eine Freigabe der Busspuren für private E-Fahrzeuge“, sagte auch eine Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats in München. Dies sei „problematisch“, weil die Ampelanlagen nur auf den ÖPNV eingestellt seien. „Würden zusätzliche E-Fahrzeuge auf den Spuren unterwegs sein, würde der Ablauf gestört.“ Ähnlich äußerte sich auch ein Sprecher der Stadt Stuttgart.

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