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Frankreichs Autoindustrie Neuer Peugeot-Chef kehrt mit eisernem Besen

Die französischen Traditionsmarken Peugeot und Citroën stecken tief im Absatzloch. Der neue Herr im Hause, Ex-Renault-Manager Carlos Tavares, muss den Konzern stärker umbauen, als es der Eigentümerfamilie lieb ist.

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Die rentabelsten Autokonzerne der Welt
Platz 15 - Peugeot/Citroën (PSA) - Frankreich - EBIT-Marge: -0,2 ProzentMit einem strikten Sparprogramm haben die Franzosen ihre Angestellten auf die Barrikaden gebracht. Doch die Einsparungen haben zumindest die Verluste reduziert. Unterm Strich schreiben die Franzosen aber weiter rote Zahlen. Quelle: Center of Automotive Management (CAM), Datenbasis 1. - 3. Quartal 2013) Quelle: AP
Platz 14 - Fiat-Chrysler - Italien/USA - EBIT-Marge: 4,0 ProzentDas italienisch-amerikanische Doppel landet auf den hinteren Plätzen. Das liegt vor allem an Fiat. Die Italiener haben weiter mit den Problemen in Europa zu kämpfen und auch die Wiederbelebung von Alfa Romeo lässt noch aus sich warten. Quelle: AP
Platz 13 - Nissan - Japan - EBIT-Marge: 5,2 ProzentNissan-Chef Carlos Ghosn schaut zurecht skeptisch: Die Japaner fahren zwar Gewinne ein, doch haben mit Renault weiterhin einen kriselnden Partner und auch die eigene Rendite ist im Jahresvergleich geschrumpft. Quelle: rtr
Platz 12 - Mitsubishi - Japan - EBIT-Marge: 5,3 ProzentDie Japaner schauen wieder nach oben. Langsam erholt sich der Konzern von der Erdbeben-Katastrophe und ihren Folgen. Die Rendite legt leicht zu. Dazu tragen auch Verkaufsschlager wie der SUV Outlander (FOTO) bei. Quelle: dpa
Platz 11 - Mazda - Japan - EBIT-Marge: 5,6 ProzentIm Verhältnis konnte nur ein Autokonzern noch mehr bei der Rendite zulegen als die Japaner. In der ultramodernen Fabrik im südwestjapanischen Hofu, läuft alle 54 Sekunden ein Fahrzeug vom Band. Quelle: AP
Platz 10 - Honda - Japan - EBIT-Marge: 5,8 ProzentRelativ konstant entwickelt sich die Marge bei Honda. Die Japaner punkten vor allem wieder auf dem US-Markt und landen so im Vergleich zur internationalen Konkurrenz im Mittelfeld. Quelle: dpa
General Motors Quelle: AP

Über Auszeichnungen reden Unternehmen sonst gern und öffentlich. Doch als ein verdienter Ex-Unternehmer der Region vor wenigen Tagen im Peugeot-Museum der ostfranzösischen Stadt Sochaux für seine Verdienste um die Autoindustrie zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde, war das anders. Zuerst wurden die Medien ein- und dann wieder ausgeladen. So entschied es der Hausherr und Aufsichtsratsvorsitzende des französischen Autokonzerns PSA Peugeot Citroën, Thierry Peugeot. Dies sei eine private Feier, für Außenstehende uninteressant.

Dabei hätte es für Außenstehende jede Menge zu erzählen gegeben. Immerhin hatte der höchste Vertreter der altehrwürdigen Autodynastie gerade bekannt gegeben, dass Carlos Tavares 2014 den bisherigen PSA-Chef Philippe Varin ablösen wird – obwohl dessen Vertrag erst im Frühjahr um vier Jahre verlängert worden war.

Die Personalie und die Angst vor der Öffentlichkeit lassen tief in den Abgrund beim zweitgrößten europäischen Autobauer blicken. Tavares, bis August 2012 zweiter Mann nach Carlos Ghosn beim heimischen Konkurrenten Renault, soll PSA aus seiner tiefsten Krise ziehen.

PKW-Absatz 2013 in Europa

Kein Hersteller hat im zu Ende gehenden Jahr 2013 so viel an Absatz verloren wie die älteste noch existierende Automarke der Welt. Nach einem Verlust von fünf Milliarden Euro 2012 wird der Konzern auch 2013 mit einem Minus beenden. 1,1 Milliarden Euro muss Peugeot wegen der Absatzschwäche in diesem Jahr abschreiben. Trotz drastischer Sparmaßnahmen und dem Abbau von mehr als 11.000 Arbeitsplätzen bis Mitte 2014 verbrennt PSA pro Monat noch immer rund 100 Millionen Euro.

Während Wettbewerber auf die anziehende Autokonjunktur in Europa hoffen, scheinen sich die dunklen Wolken über PSA festzusetzen. Die Allianz mit der amerikanischen Opel-Mutter General Motors (GM) vom Februar 2012 bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Pläne für eine gemeinsame Plattform für einen Kleinwagen wurden aufgegeben. Auch ihre Kooperation bei kleinen Benzinmotoren verfolgen Amerikaner und Franzosen nicht weiter, wie Opel am 12. Dezember mitteilte.
Stattdessen wollen die beiden Autohersteller nun bei Kleintransportern und Lieferwagen zusammenarbeiten. Eigentlich wollten Peugeot und Opel ihre neuen Minivans Meriva und Citroen C3 im Opel-Werk im spanischen Saragossa bauen. Nun sollen dort nur noch die Nachfolger der Kleintransporter beider Unternehmen hergestellt werden. Durch die Kooperation versprechen sich die beiden Firmen Synergien von etwa 1,2 Milliarden Dollar (870 Millionen Euro) bis 2018, die gleichmäßig aufgeteilt werden sollen. Das sind aber nach Angaben von Peugeot 40 Prozent weniger als zunächst geplant. Dass der chinesische Autobauer Dongfeng und womöglich der französische Staat als Geldgeber einspringen, ist eine der Ungewissheiten, die zusätzlich Unruhe in den PSA-Konzern bringen.

Weitere Sparmaßnahmen nötig

So viel verdienen die Autobauer pro Fahrzeug
Ford EuropeGewinn pro Fahrzeug*:  - 756 Euro (2012: - 967 Euro) Ford muss in Europa pro verkauftem Neuwagen einen Verlust von 756 Euro „einstecken“. Gegenüber 2012 ist das zwar 210 Euro weniger Verlust, aber das Ford-Gesamtergebnis wird durch Europa belastet. * EBIT-Gewinn =  Gewinn pro Fahrzeug vor Zinsen und Steuern nach den ersten neuen Monaten 2013. Berechnet wurde immer für die reine Automobilsparte Zulieferaktivitäten und anderen Geschäftsfelder, wie Motoräder bei BMW oder Honda, oder das Immobilien-Geschäft von Toyota wurden nicht berücksichtigt. Quelle: CAR Center Automotive Research, Leiter Ferdinand Dudenhöffer Quelle: REUTERS
General Motor Europe (Opel+Vauxhall)Gewinn pro Fahrzeug*:   - 487 Euro (2012: -834) Das Europa-Geschäft von General Motors läuft immer noch schleppend, doch die vielen neuen Opel-Modelle wie etwa der SUV Mokka machen sich bereits im Ergebnis bemerkbar. Quelle: obs
SEATGewinn pro Fahrzeug*:   - 278 Euro (2012: - 364 Euro) Ebit-Marge: - 1,9 Prozent Die Volkswagen-Tochter Seat kämpft mit der Krise in Südeuropa, konnte sich im Vergleich zum Vorjahr aber deutlich verbessern. Der Verlust pro Fahrzeug ging um 86 Euro zurück. Immerhin. Quelle: dpa/dpaweb
Fiat Gewinn pro Fahrzeug*:  -165 Euro (2012: -177 Euro) Fiat ist stark auf Europa fokussiert, daher bleibt das reine Massenautogeschäft, also ohne die Zulieferaktiven und die Premiummarken Ferrari und Maserati, in den roten Zahlen. Der Verlust pro Fahrzeug konnte allerdings trotz Rückgang der Verkäufe weiter reduziert werden. Dudenhöffer: „Fiat hat noch eine schwere Zeit vor sich, aber die Fiat-Gruppe wurde durch die Chrysler-Gewinne stabilisiert werden.“ Quelle: REUTERS
General Motors (Chevrolet, Buick, Dodge...)Gewinn pro Fahrzeug*: 449 Euro (2012: 635 Euro) Ebit-Marge: 3,8 Prozent Quelle: obs
Volkswagen PkwGewinn pro Fahrzeug: 605 Euro (2012: 751 Euro) Preis pro Fahrzeug: 21.215 Euro VW hat zwar deutlich werthaltiger Fahrzeuge als Hyundai, aber Hyundai macht mehr als den doppelten Gewinn pro Fahrzeug. Dudenhöffer: "Durch ihre gute Kostenbedingen und hohe Profitabilität sind Toyota und Hyundai langfristig sehr wachstumsstark. Beide können Wachstum im Massengeschäft deutlich besser aus Gewinnen finanzieren als VW-Pkw." Quelle: dpa
HondaGewinn pro Fahrzeug*:   669 Euro (2012: 319 Euro) Eine große Gewinnsteigerung zeigt sich auch bei der Autosparte von Honda. Dudenhöffer: „Die wichtigen Japaner haben damit die Krise klar überwunden und sind deutlich in ihrer Ertragskraft gestärkt.“ Quelle: AP

Kann Tavares bei dieser Ausgangslage PSA überhaupt noch retten? „Er wird die strukturellen Kosten mit denen von Renault vergleichen. Die sind niedriger“, sagt Johnny Favre, Vorsitzender der Auto-Sektion bei der gemäßigten Gewerkschaft CFDT. „Wir fürchten um Arbeitsplätze.“

Die Sorgen scheinen begründet. „Tavares müsste einen weiteren Restrukturierungsplan präsentieren“, sagt Bertrand Rakoto, Analyst beim US-Marktforschungsunternehmen R.L. Polk. „Varin ging nicht weit genug, um die Kosten zu senken und die Effizienz zu stärken. Manchmal muss man sich den Arm abschneiden, um zu überleben. PSA ist genau in dieser Situation.“

Entscheidend wird sein, welche Rolle der chinesische Partner Dongfeng spielt – und ob sich der gebürtige Portugiese Tavares bei PSA durchsetzen kann. Denn ihm gegenüber steht auf der einen Seite der französische Staat, der auf einem sanfteren Kurs bestehen könnte. Seit die sozialistische Regierung vor einem Jahr eine Bürgschaft in Höhe von sieben Milliarden Euro für die PSA Bank übernommen hat, sitzen ein Vertreter des Staates und ein Repräsentant der Gewerkschaften im Aufsichtsrat.

Daimler reißt das Steuer herum
Daimler Der Autobauer hat wie angekündigt sein Ergebnis im dritten Quartal dank neuer Modelle und sparsamerer Produktion deutlich gesteigert. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen aus dem laufenden Geschäft (Ebit) stieg von Juli bis September auf 2,2 Milliarden Euro, gegenüber dem Vorjahresquartal ist das ein Plus von 16 Prozent. "Wir werden weiter in Produkte und Standorte investieren, um den mittel- und langfristigen Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu sichern", erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche. Er hatte bereits im Sommer nach den schwachen ersten sechs Monaten ein "deutlich besseres" operatives Ergebnis für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellt. Daimler präzisierte seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr: Absatz und Umsatz sollen steigen, das bereinigte Ebit soll bei 7,5 Milliarden Euro liegen. Ein Blick auf weitere große Autobauer in alphabetischer Reihenfolge: Quelle: AP
Audi Audi hat im ersten Halbjahr so viele Autos verkauft wie noch nie zuvor. Weltweit legten die Absatzzahlen vor allem dank guter Geschäfte in China, Großbritannien und den USA um 6,4 Prozent auf 780.500 Autos zu, wie die VW-Tochter mitteilte. In Europa bekam Audi die Autoflaute allerdings deutlich zu spüren. Besonders in Frankreich (minus 8,6 Prozent) und Italien (minus 9,8 Prozent) gingen die Verkaufszahlen deutlich zurück. In Deutschland verkaufte Audi 4,3 Prozent weniger Autos als im Vorjahreszeitraum. Audi verdient Milliarden, doch in der Bilanz machen sich die schwierige Marktlage und Investitionen bemerkbar. Der Umsatz wuchs in den ersten sechs Monaten nur Dank der Erlöse der neuen Motorrad-Tochter Ducati um 200 Millionen Euro auf rund 25,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn sank um fast acht Prozent auf gut 2,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich schrumpfte das Ergebnis um gut drei Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Für das zweite Halbjahr setzt Audi seine Hoffnungen unter anderem in den Start der neuen A3-Limousine. Quelle: AP
BMWBMW hat im ersten Halbjahr einen neuen Verkaufsrekord eingefahren. Weltweit legten die Absatzzahlen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um 6 Prozent auf 954.521 Fahrzeuge zu. Zu dem Wachstum trug vor allem Asien bei, wo BMW bis Ende Juni rund 272.000 Fahrzeuge auslieferte und damit 14,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In den USA verbuchte der Autohersteller ein Plus von 9 Prozent. In Europa hingegen herrschte Stillstand: Dort lagen die Verkaufszahlen mit knapp 437.000 Fahrzeugen in etwa auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2012. Im zweiten Quartal hat BMW auch mehr Gewinn eingefahren. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 2,8 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro. Der Nettogewinn legte um neun Prozent auf 1,39 Milliarden Euro zu. Quelle: REUTERS
General MotorsGM kommt bei der Sanierung seiner Tochter Opel voran. Dank des straffen Sparkurses habe sich der Verlust im Europa-Geschäft im zweiten Quartal mehr als halbiert, teilte der größte US-Autobauer mit. Der Fehlbetrag sei dort trotz der Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt auf 110 Millionen Dollar gesunken von einem Verlust von 394 Millionen Dollar vor einem Jahr. Quelle: AP
FiatDer kriselnde italienische Autobauer profitiert von seiner starken US-Tochter. Nur dank des guten Geschäfts bei Chrysler steigerte der Konzern seinen Gewinn im zweiten Quartal auf 435 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Wert noch bei 239 Millionen Euro gelegen. Fiat allein machte jedoch wie im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 247 Millionen Euro. Die Italiener leiden besonders unter der Absatzkrise in Europa. Die meisten Autos verkauft die Fiat-Gruppe nach wie vor in Nordamerika. Der Umsatz des Gesamtkonzerns stieg um vier Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. An seinem Ausblick hielt Konzernchef Sergio Marchionne fest. Er rechnet im Gesamtjahr weiterhin mit 88 bis 92 Milliarden Euro Umsatz und einem operativen Gewinn zwischen 4 und 4,5 Milliarden Euro. Damit muss der Konzern im zweiten Halbjahr vor allem beim Gewinn kräftig zulegen - nach sechs Monaten steht Fiat erst bei 1,65 Milliarden Euro. Quelle: dpa
FordDer Verlust im krisengeplagten Europa-Markt werde 2013 unter dem Vorjahresniveau liegen, teilte der zweitgrößte US-Autobauer nach der Opel-Mutter GM am 24. Oktober mit. Zuletzt hatte Ford noch mit einem Vorsteuerverlust in Europa von 1,8 Milliarden Dollar gerechnet. Das hätte dem Minus von 2012 entsprochen. Konzernweit wies Ford für das dritte Quartal einen Umsatzanstieg von zwölf Prozent auf 36 Milliarden Dollar aus. Der Gewinn fiel jedoch um 22 Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar. Hier wirkten sich Kosten für Sanierungsmaßnahmen - vor allem in Europa - negativ aus. Im Gesamtjahr dürfte der Vorsteuergewinn des Konzerns über den acht Milliarden Dollar von 2012 liegen, wie es weiter hieß. Bisher war das Management in etwa von stabilen Werten ausgegangen. Quelle: REUTERS
PorscheDer Sportwagenbauer hat seine Auslieferungen im ersten Halbjahr um 18 Prozent gesteigert und steuert damit auf einen neuen Rekordabsatz im Gesamtjahr zu. In Europa hatte sich die Nachfrage allerdings zuletzt abgeschwächt. Die Erlöse stiegen im Vergleich zur Vorjahreshälfte um vier Prozent auf sieben Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um drei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu - damit steuerte Porsche gut 22 Prozent zum Gewinn des VW-Konzerns bei. Die Umsatzrendite, das Verhältnis vom Gewinn zum Umsatz, lag bei 18 Prozent - einem Wert von dem andere Autobauer nur träumen. An der Ergebnisprognose für 2013 will Finanzvorstand Meschke allerdings nicht schrauben. Das Ergebnis werde auf dem hohen Niveau des Vorjahres verharren - 2012 hatte Porsche einen operativen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro gemacht. Quelle: dpa

Auf der anderen Seite wird Tavares den Widerstand der Eigentümerfamilie Peugeot überwinden müssen. Die hält derzeit 24,5 Prozent der Aktien und 38,1 Prozent der Stimmrechte. Die Peugeots gelten als verbohrt und mitverantwortlich für die Misere des Unternehmens. Ihre Fehlentscheidungen reichen zurück in die Siebzigerjahre, als sie den Wettbewerber Citroën aus dem Besitz des französischen Reifenherstellers Michelin erwarben. Die Traditionsmarke mit dem Doppelwinkel hätte nach Ansicht von Experten das Potenzial gehabt, sich zu einer Art Audi des Konzerns zu entwickeln. Der Citroën DS aus den 60er Jahren gilt bis heute als Kultauto. Aber die Peugeots wollten nicht, dass der eigene Name hinter dem des einstigen Rivalen Citroën zurücksteht. Damit verabschiedeten sie sich praktisch aus dem Premiumsegment, das heute die deutschen Hersteller beherrschen.

Als ebenso großer Fehler erweist sich, dass die Familie trotz der seit 20 Jahren bestehenden Partnerschaft mit dem chinesischen Autobauer Dongfeng nicht rechtzeitig eine Strategie für das boomende Reich der Mitte entwickelt hat. Nun hat PSA zu viel Mittelklasse und ist auf Europa fokussiert.

Heilsbringer Dongfeng?

Diese neuen Autos kommen 2014
Mercedes-Benz GLADer GLA wird der kleine Bruder des GLK. Auf der A-Klasse basierend, ist er der erste Kompakt-SUV aus der Stuttgarter Autoschmiede. Deshalb wird der GLA intern auch als SUC, Sports Utility Cruiser, bezeichnet. Der GLA ist als Konkurrent zum Audi Q3 und Range Rover Evoque gedacht. Der kleine mit dem Stern beeindruckt mit formschönem Design: Die sportliche Linienführung sorgt für den besten Luftwiderstandsbeiwert im betreffenden Segment. Wenn der GLA wie erwartet 2014 auf den Markt kommt, können potenzielle Käufer aus sieben verschiedenen Motorisierungen wählen - vier Diesel und drei Benziner. Die Leistung reicht von 136 bis 211 PS. Bei der 136 PS-Variante (Diesel) verbraucht der GLA durchschnittlich 4,3 l/100 km, beim 211 PS-Benziner rund 6,5 Liter. Preis je nach Motorisierungen mit Standardausstattung: 29.300 bis 39.250 Euro. Quelle: REUTERS
Porsche MacanDer neue kleine SUV hatte seinen großen Auftritt auf der LA Motorshow, im April 2014 soll er im deutschen Handel sein. Der kleine Bruder des Cayenne wird mit einem Einstiegspreis von etwa 58.000 Euro das günstigste Modell des Sportwagenherstellers, der damit auch eine neue Baureihe begründet. Der Namensgebung - Macan stammt vom indonesischen Wort für Tiger - rechtfertigen die Modelle Macan Turbo, Macan S und Macan S Diesel, die mit bis zu 400 PS Leistung aufwarten. Das Einstiegsmodell Macan S treibt ein neuer 6-Zylinder Biturbo-Motor mit drei Litern Hubraum und 340 PS an. Das ermöglicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 254 km/h. Quelle: dpa
BMW X4BMW bezeichnet den X4 als ein Sports Activity Coupé. Die Basis des neuen SUV stellt der Markenbruder X3, dessen Ladevolumen von etwa 500 Litern und Palette an Motorisierungen der X4 übernimmt. Dementsprechend reichen die Leistungen der verfügbaren Motoren von 184 bis 313 PS. Bisher nur als Concept vehicle bekannt, soll der X4 auf dem Genfer Autosalon 2014 offiziell vorgestellt werden und anschließend möglichst schnell in Serie gehen. Quelle: REUTERS
Honda NSXDie erste Generation des NSX lief zwischen 1990 und 2005 vom Band. 2014 spendiert Honda dem NSX eine Neuauflage. Und was für eine: Ein Hochleistungshybridmotor und bedarfsmäßig zuschaltbarer Allradantrieb gehören zum 116 Zentimeter hohen NSX Concept. Während der 3,7-Liter V6-Benziner seine Kraft auf die Hinterachse überträgt, haben die Vorderräder ihre eigenen zwei Elektromotoren, die sie antreiben. Produziert werden soll die neue Generation in einem eigens errichteten Werk im US-Bundesstaat Ohio, das sich Honda knapp 70 Millionen US-Dollar kosten ließ. Die Fertigung soll 2015 anlaufen. Quelle: dpa
Peugeot RCZ RMit dem RCZ R präsentiert der französische Traditionshersteller einen neuen Sportwagen, der als stärkstes Serienmodell der Marke neue Maßstäbe setzen soll. Aus nur 1,6 Litern Hubraum generiert der RCZ R erstaunliche 270 PS, die Geschwindigkeit wird bei 250 km/h elektronisch abgeriegelt. Turbolader, tiefergelegte Karosserie und Spoiler lassen direkt auf ein Sportmodell schließen. Dazu gesellen sich noch ein flacher Heckspoiler und die zwei Auspuffrohre links und rechts am Heck. Zur Markteinführung, die für Anfang 2014 geplant ist, sollen mindestens 41.500 Euro für den Top-Sportler fällig werden. Quelle: REUTERS
BMW M4 CoupéDer neue Hochleistungssportwagen von der BMW M GmbH heißt M4 Coupé und soll Anfang 2014 auf den Markt kommen. Basierend auf dem 4er Coupé hat BMWs hauseigene Tuningschmiede ein klassisches M-Modell entwickelt. Das gewohnt sportliche Design wird durch eine neue Doppelniere und neue Doppelrundscheinwerfer verfeinert. Zusätzlich wurde das Gewicht im Vergleich zum Vorgänger um 80 Kilogramm auf rund 1500 Kilogramm reduziert, man kann also mit recht von einem Leichtbausportler sprechen. Der drei Liter große Turbomotor des Münchners bringt eine Maximalleistung von etwa 450 PS auf die Straße und muss sich damit in dieser Kategorie dem aktuellen C 63 AMG von Mercedes (507 PS) geschlagen geben. Die 250 km/h Höchstgeschwindigkeit können Käufer vermutlich ab dem frühen Sommer 2014 ausfahren. Quelle: obs
Audi A3 e-tronAudi möchte bei den Hybridantrieben den Anschluss halten. Als neue Waffe im Kampf um die Vorreiterposition in Sachen Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit haben die Ingolstädter den A3 e-tron auserkoren. Anders als die Konkurrenzmodelle anderer Hersteller ist im A3 e-tron zwar immer noch ein Verbrennungsmotor verbaut, doch erscheint Audi der Weg des alltagstauglichen Plug-In-Hybriden als der aussichtsreichste. Der Verbrenner ist der bereits bekannte 1,4 Liter Motor der TSI-Baureihe mit 150 PS während der E-Motor mit bis zu 102 PS eine neue Entwicklung ist. In Kombination sollen die beiden Antriebe einen Verbrauch von lediglich 1,5 Litern auf 100 Kilometern ermöglichen. Mitte 2014 lässt sich das dann auch vom Kunden testen. Quelle: AP/dpa

Auch der andere französische Autobauer, Renault, steht nicht glänzend da, aber dank der Allianz mit dem japanischen Hersteller Nissan, der Billigmarke Dacia und nun auch noch einem Joint Venture mit Dongfeng deutlich besser. „Tavares wird vermutlich versuchen, den Erfolg von Dacia aufzuholen“, sagt Denis Gancel, Chef der Agentur W&Cie. „PSA hat sich bisher gescheut, von ‚low cost‘ zu sprechen. Das war falsch.“ Außerdem müssten Autos mit wenig Wertschöpfung an den günstigsten Produktionsstandorten vom Band laufen, auch außerhalb Frankreichs. Im Inland sollten nach deutschem Vorbild nur margenstarke Modelle produziert werden. Auch das ein Novum für die Peugeots, die made in France gern wörtlich nehmen.

Mit seiner Modellpolitik war Varin bei PSA durchaus auf gutem Weg. Die DS-Linie soll Citroën zurück ins Premium bringen und kommt beim Publikum gut an. Der vor wenigen Wochen eingeführte neue Kompaktwagen Peugeot 308 und der neue 2008, eine Mischung aus Klein- und Geländewagen, verkaufen sich ebenfalls gut. Der neue Citroën C4 Picasso hat gerade das Goldene Lenkrad 2013 gewonnen.

Die Frage ist nun aber, wem sich PSA künftig wie weit öffnet. Laut Christian Peugeot, im Konzern Direktor für Außenbeziehungen, wird die Suche nach neuen Partnern nicht von Forderungen der Eignerfamilie belastet. „Es geht nicht um die Kontrolle, sondern um die Zukunft von PSA“, sagte er der WirtschaftsWoche.

Da ist zum einen die Kooperation mit Dongfeng, die nun durch das Joint Venture zwischen den Chinesen und Renault in Frage gestellt ist. Das Staatsunternehmen hat zwar auch Joint Ventures mit Nissan, Honda und KIA. Zudem wurde im Juli die dritte gemeinsame Fabrik mit PSA eröffnet. Die Produktion soll hier bis 2015 auf 750.000 Fahrzeuge hochfahren. Doch die Allianz birgt jede Menge Zündstoff. „Immer wieder gab es Streit, da PSA veraltete Modelle in China herstellen ließ“, sagt Jochen Siebert von der Unternehmensberatung JSC in Shanghai.

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Gleichwohl wissen die Chinesen, dass sie die Einzigen sind, die bei PSA Gewinn machen: umgerechnet rund 200 Millionen Euro in diesem Jahr. Autoexperte Siebert hält es deshalb für plausibel, dass Dongfeng mit zehn Prozent bei PSA einsteigt. „Dank des wachsenden asiatischen Marktes ist eine enge Partnerschaft mit Dongfeng die vielversprechendste“, sagt auch W&Cie-Chef Gancel.

Andererseits ist GM mit sieben Prozent an PSA beteiligt. R.L.-Polk-Analyst Rakoto glaubt, dass der geschasste PSA-Chef Varin Gespräche mit Dongfeng nur führte, um GM zu bewegen, seinen Anteil an PSA aufrecht zu halten. Dank der Stärke von Opel bei Benzinmotoren und der PSA-Vorherrschaft bei Dieselmotoren würde eine engere Partnerschaft Synergien ermöglichen.

Allerdings hätte ein stärkeres Engagement von GM auch „Kollateralschäden“ zur Folge, glaubt Rakoto, sowohl bei PSA als auch bei der GM-Tochter Opel. „Mit Sicherheit würden Arbeitsplätze abgebaut.“

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