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Gebrauchtwagen-Preise Stell dir vor, es ist Dieselfahrverbot und keinen interessiert's

Sparen mit Diesel - momentan nur an der Tankstelle - die Gebrauchtwagenpreise bleiben trotz drohender Fahrverbote auch für ältere Fahrzeuge stabil. Quelle: imago images

Mit einer steigenden Zahl an drohenden Fahrverboten für Dieselautos sinkt der Nutzen für den Besitzer. Schlägt sich das auf Angebot, Nachfrage und Preis nieder?

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Der Sänger Fredl Fesl hielt schon Ende der 70er Jahre in seinem Lied “Anlass-Jodler„ fest: „Ein Auto, das nicht fährt, das ist sein Geld nicht wert.“ Das gilt so auch für zahlreiche Dieselfahrzeuge, denen in vielen Städten Deutschlands ein Fahrverbot droht: Wenn ein Auto nicht dorthin fahren darf, wo sein Besitzer hinmöchte, sinkt sein Wert.

In der Debatte um Dieselfahrverbote könnten nun verunsicherte Besitzer von Dieselfahrzeugen meinen, sie müssten möglichst rasch ihr Fahrzeug verkaufen, bevor die zu erzielenden Preise drastisch sinken. Für den Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg ist denn auch klar: „Wer nicht in die Belastungsgebiete muss, kann das Schnäppchen seines Lebens machen.“

Allein - noch ist es zu früh für die Schnäppchenjäger unter den Bewohnern ländlicher Gebiete, die nie in Städte fahren oder Bewohner am Stadtrand, die nie mit dem Auto ins Zentrum wollen. „Nach unseren Beobachtungen werden immer noch – auch von Fahrverboten bedrohte – Dieselfahrzeuge in größeren Mengen angeboten und verkauft“, sagt Ina Gronemeyer, Residual Value Manager bei dem Dienstleister für Fahrzeugbewertungen Schwacke. Die Preise am Gebrauchtwagenmarkt zeigen keine Signale, das Besitzer nervös werden oder Interessenten einen Jagdinstinkt entwickeln. "Aktuell ist es sogar so, dass sich für den Moment die Dieselrestwerte leicht stabilisiert haben, weil der Nachschub jüngerer gebrauchter Diesel aus Handels- Hersteller- und Vermietzulassungen seitens der Hersteller in den vergangenen mittlerweile drei Dieselkrisenjahre deutlich zurückgefahren wurde", sagt Gronemeyer. Für ein Halali zur Schnäppchenjagd ist es noch zu früh. Das belegen auch Zahlen der Gebrauchtwagenplattformen Mobile.de und Autoscout24.de.

Preisentwicklung Diesel-GebrauchtwagenEuro-Norm im Vergleich Quelle: AutoScout24 Inserate aus Deutschland. Betrachtet werden ausschließlich PKW-Inserate mit Fahrzeugpreisen vin max. 250.000 Euro. Inserate nicht älter als 18 Wochen. Der Preis ist der monatliche Durchschnittspreis. Quelle: AutoScout24

„Ein ungewöhnlicher Angebotszuwachs an Dieselfahrzeugen ist nicht zu beobachten“, sagt Anna Horneffer von Mobile.de. Durchschnittlich 62 Tage warteten im September 2017 Besitzer eines Dieselfahrzeugs darauf, dass sie ihr Fahrzeug an einen Käufer veräußern konnten - zu einem Durchschnittspreis von 21.962 Euro. Ein Jahr später warteten die Anbieter im Schnitt sogar einen Tag weniger - und bekamen mehr Geld im Schnitt 22.057: das zeigt eine Auswertung vom Mobile.de über alle Fahrzeugklassen, Laufleistungen (Schnitt 76.277km) und Altersstufen (52,1 Monate) hinweg. Die Preise blieben auch stabil bei einem sogar sinkenden Angebot an Dieselfahrzeugen. Wurden im September 2017 bei Mobile.de noch 863.767 Fahrzeuge mit Selbstzünder gelistet, waren es ein Jahr später im Lichte der ersten konkreten Fahrverbote noch 700.965.

Selbstverständlich sind nicht alle Kategorien gleich betroffen und Besitzer eines Dieselfahrzeugs der neuesten Generation sind nicht in der gleichen Situation wie die eines Golfs, einer T-Klasse oder Volvos mit der einer Abgas-Euronorm von 1-4.

Wer jedoch glaubt, sich einen älteren Mercedes-Kombi mit Dieselmotor mit guten Preisabschlag sichern zu können, muss sich mindestens noch gedulden.

Auch dieses Segment zeigt sich wenig beeindruckt von den politischen Entwicklungen, wie die Zahlen von Autoscout24.de belegen. Richtig ist: Im Vergleich zu der gestiegenen Zahl der angebotenen Dieselfahrzeuge mit Euro-6-Norm ist die für alle Fahrzeuge mit Euro-Norm 1-4 und 5 jeweils gesunken - aber nicht außerordentlich.

Die Nachfrage nach den moderneren Dieseln ist im Zeitraum von Januar bis Oktober diesen Jahres gestiegen. Sie machte zu Beginn des Jahres noch 22 Prozent aus, nun suchen 28 Prozent der User nach einem Diesel mit Euro-6-Norm, wenn sie die Suchmasken nutzen. Und seit Juli sank die Zahl der Suchen für die älteren 1-4-Euro-Normler von 44 auf 30 Prozent - ein deutlicher Rückgang.

„Sehr interessant ist die Entwicklung des Euro 5, für den 2019 auch Fahrverbote anstehen oder in Diskussion sind“, sagt Jochen Kurz, Director Product Management bei Autoscout24. „Wir beobachten schon seit Ende 2017, dass gerade bei den Euro 5 der Bestand auf unserer Plattform sinkt. Betrachtet man jedoch die Nachfrage, ist die im Jahresverlauf 2018 sogar leicht gestiegen.“

Wer jedoch glaubt, dass diese Marktlage in diesem Falle auch sinkende Preise erzeugen würde, sieht sich getäuscht. Wer mit seinen Kindern üben möchte, eine gerade Linie zu malen, kann als Vorbild fast die der Preisentwicklung für Diesel-Gebrauchtwagen im Jahr 2018 nehmen. In keiner der drei Klassen (Euronorm 6,5 und 1-4) zeigen die Preise auf der Plattform autoscout24.de signifikante Ausschläge - weder nach oben noch nach unten. Wer diese Zahlen sieht, kann zu der Überzeugung kommen, dass dem Markt die Fahrverbote egal sind.

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