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Gegensanktionen Russland droht mit Importverbot für westliche Autos

Nach westlichen Lebensmitteln könnte es bald auch den Autos an den Kragen gehen. Ein Importverbot würde die westlichen Hersteller unterschiedlich stark treffen.

Geht es nach dem Kreml, könnten bei weiteren Sanktionen des Westens dem Vernehmen nach künftig mehr einheimische Autos über Moskaus Straßen fahren. Quelle: AP

Russland erwägt einem Zeitungsbericht zufolge bei schärferen Sanktionen von USA und EU ein teilweises oder vollständiges Importverbot für westliche Fahrzeuge. Ein entsprechender Vorschlag sei bereits Präsident Wladimir Putin übermittelt worden, berichtete die Zeitung „Vedomosti“ in ihrer Montagausgabe. Eine Entscheidung über neue Sanktionen sei aber noch nicht gefallen. In Russland produzierte Fahrzeuge sollen von einem Bann nicht betroffen sein.

Sollten derartige Sanktionen kommen, wären die Auswirkungen auf westliche Hersteller unterschiedlich stark. Ford, Volkswagen, Renault, Toyota und Hyundai haben Werke in Russland und wären aus diesem Grund weniger stark betroffen. VW betreibt seit 2006 ein Werk in Kaluga, rund 170 Kilometer südwestlich von Moskau. Dort werden alle wichtigen Modelle von einem angepassten Polo über den Passat bis hin zum großen SUV Touareg gefertigt. In Russland verkaufte Volkswagen 2013 über 156.000 Autos und bleibt laut VW-Chef Winterkorn „Wachstumsmarkt Nummer eins in Europa“.

Die stärksten Marken auf Russlands Automarkt

BMW lässt in Kaliningrad einige Modelle montieren, produziert aber keine Bauteile in Russland. Den Münchnern fehlt – wie den anderen Premium-Herstellern – ein Netz an qualitativ hochwertig produzierenden Zulieferern vor Ort. So schrauben sie ihre in Einzelteile zerlegten Autos in Kaliningrad einfach wieder zusammen. Daimler hingegen verzichtet auf eine solche sogenannte Completely-Knocked-Down-Strategie und tritt als reiner Importeur auf.

Doch auch ohne die Sanktionen leidet das Russland-Geschäft von Daimler unter der Krise in der Ukraine. „Die russische Wirtschaft war schon vor der Krise in einer schwierigen Phase und ist jetzt weiter beeinträchtigt. Das wirkt sich auf den russischen Pkw-Markt aus und damit auch auf Daimler“, sagte der Vorstandschef Dieter Zetsche bereits Anfang August. „Im ersten Halbjahr haben wir noch 20 Prozent plus im Russland-Geschäft gemacht, jetzt geht das Momentum nach unten.“

Im ersten Halbjahr kamen „Vedomosti“ zufolge Importautos auf einen Absatzanteil von 27 Prozent. Bei Lkw seien es 43 Prozent, bei Bussen 13 Prozent.

Absatz deutscher Hersteller in Russland

Russlands Autobauer kommen aber auch selbst nur schwer voran. Die Verkaufszahlen seien im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 22,9 Prozent zurückgegangen, teilte die Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB) am Freitag in Moskau mit. Das Ziel, Deutschland als bedeutendsten Markt in Europa zu überholen, scheint in weite Ferne gerückt.

„Der Trend ist bedenklich, und die Lage wird sich nicht so schnell grundsätzlich ändern“, meinte AEB-Experte Jörg Schreiber. Auch deutsche Marken wie BMW, Volkswagen und Audi mussten Verluste hinnehmen. Die beliebteste Marke blieb Lada. Der Absatz sank aber um 25 Prozent.

Russische Experten machten für die Lage auch die Konfrontation mit der EU und den USA verantwortlich. Vor dem Hintergrund westlicher Sanktionen im Ukraine-Konflikt fehle es vielen Verbrauchern an Kauflaune. Um den Markt anzukurbeln, denkt die Regierung in Moskau über die Rückkehr einer Abwrackprämie nach deutschem Vorbild nach.

Russland hatte 2010 zu diesem Instrument gegriffen, nachdem der Markt um die Hälfte eingebrochen war. Für jedes verschrottete Auto erhielt der Besitzer einen Gutschein über 50.000 Rubel (gut 1000 Euro), der beim Kauf eines in Russland produzierten Neuwagens angerechnet wurde.

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