Generationswechsel 2020 Daimler behält Zetsche - vorerst

Bei Volkswagen ist es noch ein Rätsel, bei BMW ging es schnell - bei Daimler wird der Generationswechsel an der Konzernspitze nun langsam vorbereitet.

VW bleibt trotz Dieselgate vor Toyota
Toyota – 1. Halbjahr 2016Der japanische Branchenprimus, zu dem auch der Kleinwagenbauer Daihatsu Motor und der Nutzwagenhersteller Hino Motors gehören, verkaufte zwischen Januar und Juni global 4,99 Millionen Autos. Das ist ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum von 0,6 Prozent. Die ganze Halbjahres-Bilanz auch mit Umsatz- und Gewinnkennzahlen legt der japanische Konkurrent am 4. August vor. Quelle: AP
Volkswagen (Konzern) – 1. Halbjahr 2016Krise? Welche Krise? Die Abgas-Affäre scheint die Auslieferungen bei Volkswagen nicht zu bremsen. Pünktlich zum Halbjahr setzt sogar die schwächelnde Kernmarke zur Wende an. Mit 2,925 Millionen verkauften Volkswagen blieb die Marke zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, die Tendenz im Juni zeigte aber um fast fünf Prozent nach oben. Mit dem starken Juni stehen nach sechs Monaten die Zeichen bei den Verkäufen klarer als zuvor auf Zuwachs: 5,12 Millionen Fahrzeuge – vom VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw – sind 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Trotz Diesel-Krise steuert der Konzern damit 2016 bisher auf ein Auslieferungsplus zu. Nach fünf Monaten Ende Mai hatte der Zuwachs lediglich bei 0,8 Prozent gelegen. Zumindest als Momentaufnahme scheint der Autobauer damit zehn Monate nach dem Ausbruch der Diesel-Krise eine Durststrecke zu verlassen. Quelle: dpa
BMW – 1. Halbjahr 2016Zwischen Januar und Juni diesen Jahres wurden weltweit 986.557 BMW verkauft. Damit konnten die Münchner im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zulegen. Allein im Juni stieg der Absatz um 9,7 Prozent auf 189.097 – mit den Marken Mini und Rolls-Royce kommt der Konzern sogar auf 227.849 Autos (+9,1 Prozent). Für das Plus sorgte demnach vor allem die hohe Nachfrage in Europa und Asien. In den USA dagegen schrumpfte der Absatz. Mit den knapp 190.000 Fahrzeugen im Juli lag BMW vor den beiden Dauer-Konkurrenten Audi (169.000 Autos) und Mercedes (188.444 Fahrzeuge). Doch wie sieht es im gesamten ersten Halbjahr aus? Quelle: dpa
Audi – 1. Halbjahr 2016Zumindest Audi konnte BMW hinter sich lassen. Die Ingolstädter konnten zwar zulegen, mit 5,6 Prozent fiel das Wachstum aber geringer aus als bei der Konkurrenz aus München – genauso die absolute Zahl an Auslieferungen von 953.200 Fahrzeugen. Dennoch ist die Bilanz für Audi positiv. Man habe den Absatz in allen Weltregionen steigern können, sagte Vertriebsvorstadn Dietmar Voggenreiter. Spaß-Modelle wie das TT Cabrio im Bild tragen traditionell wenig zum Volumen bei. Zu den größten Treibern gehörten die Baureihen A4 mit einem Plus von 12,3 Prozent und das Oberklasse-SUV Q7, das es nach dem Modellwechsel im Vorjahr auf ein Plus von satten 73,6 Prozent bringt. Auch für das zweite Halbjahr ist Voggenreiter optimistisch: Dann stehen die Premieren des überarbeiteten A3 und der komplett neuen Baureihen A5 und Q2 an. Quelle: obs
Daimler – 1. Halbjahr 2016BMW und Audi waren gut, Mercedes war besser. So lässt sich das erste Halbjahr zusammenfassen – sowohl beim Wachstum als auch beim Absatz konnte die Marke mit dem Stern die Konkurrenten abhängen. In den ersten sechs Monaten gingen 1.006.619 Mercedes-Benz an die Kunden – das entspricht eine Zuwachs von 12,1 Prozent. Ganz nebenbei der 40. Rekordmonat in Folge für die Marke. Dabei profitiert Mercedes vor allem von den SUV-Modellen, die inzwischen ein Drittel des weltweiten Absatzes ausmachen. „ Das zeigt, dass sich unsere Produktoffensive auszahlt und unser rundum erneuertes SUV-Portfolio hervorragend bei den Kunden ankommt“, sagt Vorstandsmitglied Ola Källenius. Zusammen mit den 73.510 verkauften Smart kommt die Pkw-Sparte des Daimler-Konzerns so auf 1,08 Millionen Fahrzeuge. Quelle: dpa
Porsche – 1. Halbjahr 2016Drei Prozent Wachstum auf 117.963 Fahrzeuge. Das sind die Eckdaten des ersten Halbjahres bei Porsche. Der Sportwagenbauer zeigt sich damit zufrieden und spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Viele Modelle wie die Baureihen Cayman, Boxster, Macan und der 911er konnten zwar zweistellig wachsen, bei der Limousine Panamera hielten sich die Kunden wegen des anstehenden Modellwechsels aber spürbar zurück. „Die durchweg positive Resonanz auf die Weltpremiere des neuen Panamera Ende Juni stimmt uns sehr optimistisch. Wir erwarten uns davon einen deutlichen Schub“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Der neue Panamera kann seit dem 28. Juni bestellt werden und steht in Europa ab November beim Händler. In den USA und im chinesischen Markt ist das Auto ab Januar 2017 verfügbar. Quelle: dpa
Toyota – Gesamtjahr 2015Der japanische Autokonzern Toyota hat seine Stellung als weltgrößter Fahrzeughersteller im vierten Jahr nacheinander behauptet und den durch den Abgasskandal gebeutelten Konkurrenten VW auf Distanz gehalten. 2015 verkaufte das Unternehmen 10,15 Millionen Autos, wie Toyota am Mittwoch mitteilte. VW kam im vergangenen Jahr auf 9,93 Millionen verkaufte Autos, General Motors auf 9,8 Millionen. 2016 rechnet Toyota mit einem Absatz von 10,11 Autos. Im vergangenen Jahr lag die Prognose bei 10,1 Millionen Fahrzeugen für 2015 und wurde durch die Realität übertroffen. VW hatte Toyota bei den Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2015 überholt, war dann aber infolge des Abgasskandals wieder zurückgefallen. Die Autoverkäufe auf den großen Märkten in den USA und Japan haben sich verlangsamt. Darüber hinaus hat sich auch das in den vergangenen Jahren stetige Wachstum auf aufstrebenden Märkten abgeschwächt. Das schlägt sich auch in den Toyota-Zahlen nieder: 2014 hatten die Japaner noch 10,23 Millionen Autos verkauft. Quelle: dpa
Volkswagen Quelle: dpa
Volkswagen Quelle: dpa
Skoda Quelle: AP
Porsche Quelle: dpa
Audi Quelle: dpa
Daimler Quelle: REUTERS
BMW Quelle: dpa
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Renault – Gesamtjahr 20152015 hat Renault dank neuer Fahrzeugmodelle 2,8 Millionen Autos und Transporter ausgeliefert – so viel wie niemals zuvor. Damit wuchs der französische Autobauer mehr als doppelt so stark wie der weltweite Automarkt, der ein Plus von 1,6 Prozent verzeichnete. Die Franzosen bauten ihren Marktanteil in Europa aus und verteidigten ihre Position in den Schwellenländern. In Deutschland konnte Renault über 110.000 Autos verkaufen. Nach dem Rekordjahr setzen sich die Franzosen auch neue Ziele: "Unser Wachstum wird sich 2016 beschleunigen und wir werden unsere Position in all unseren Regionen verbessern", so Vertriebschef Thierry Koskas. Gleichzeitig sieht sich Renault aber auch mit einem Problem noch unbekannten Ausmaßes konfrontiert. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass es bei Renault im Zusammenhang mit dem Abgasskandal bei Volkswagen zu Durchsuchungen kam. Die Aktien verloren zeitweise knapp 23 Prozent an Wert. Welche Folgen – etwa Rückrufe, Schadenersatz- oder Strafzahlungen – daraus resultieren, ist noch unklar. Quelle: REUTERS

Knapp ein Jahr vor der Entscheidung über die nächste Amtszeit des Vorstandsvorsitzenden hat Aufsichtsratschef Manfred Bischoff ein Machtwort gesprochen. Daimler-Chef Dieter Zetsche soll den Premiumauto- und Lkw-Hersteller ab 2017 drei weitere Jahre führen, kündigte er am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin an. In der Pole-Position für die Nachfolge des dann 66-Jährigen sehen viele zurzeit das mit 45 Jahren jüngste Vorstandsmitglied, den Schweden Ola Källenius. "Das Szenario ist klar", heißt es in Unternehmenskreisen. "Zetsche verlängert - und dann steht einer bereit, dem man es zutraut, der aber noch zu jung ist."

In der deutschen Autoindustrie sorgt der Generationswechsel bei den Konzernlenkern für Gesprächsstoff: VW-Chef Martin Winterkorn hatte im vergangenen Jahr angedeutet, dass er nach dem Ende seines Vertrages 2016 mit dann 69 Jahren die Führung abgeben will. Einen klaren Favoriten gibt es für die Nachfolge nicht. BMW überraschte im Dezember mit der Entscheidung, dass Norbert Reithofer (58) den Vorstandsvorsitz vorzeitig im Mai an den 49-jährigen Produktionschef Harald Krüger übergibt. Kurz darauf gab Daimler mit der Berufung von Vertriebschef Källenius in den Vorstand ein Signal - denn einer der mutmaßlichen Kronprinzen verbesserte damit klar seine Position.

So entwickelte sich Mercedes-Benz 2014

Zetsche hat dem Konzern mit seinen rund 280.000 Mitarbeitern ein ehrgeiziges Wachstumsziel für 2020 verordnet: Bis dahin will Daimler den vor zehn Jahren verlorenen Thron des größten und profitabelsten Premiumautobauer der Welt von BMW zurückerobern. Auf dem Weg dorthin hat der Mann mit dem markanten Schnauzbart Erfolge vorzuweisen: Der Absatz stieg mit zwölf Prozent 2014 schneller als bei den Rivalen BMW und der Volkswagen-Tochter Audi, sodass sich der Rückstand auf sie verringerte. Die operative Rendite blieb mit acht Prozent vom Umsatz noch anderthalb Prozentpunkte hinter dem Niveau der anderen zurück. Der Konzern steht gut da und kann Milliarden in die Techniktrends zum automatisierten, vernetzten und emissionsärmeren Fahren stecken. Das Verhältnis zu den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat, die vor zwei Jahren einen neuen Vertrag mit Zetsche wegen Krach über Sparprogramme verhindern wollten, hat der Daimler-Chef verbessert. An seinem Willen weiterzumachen gebe es keinen Zweifel, sagte ein Unternehmenskenner. "Er will das Ziel, das er vorgegeben hat für 2020, erreichen - denn als Elektrotechniker will er eine Maschine schaffen, die läuft."

Neuzulassungen in Deutschland 2014

Als ideal für den Wechsel von Firmenlenkern gilt das Alter um die 50 Jahre - ein neuer Vorstandsvorsitzender hat dann noch mindestens zwei Mal fünf Jahre Zeit, einem Unternehmen seinen Stempel aufzudrücken. "Wir würden es begrüßen, wenn ein neuer Vorstandschef Daimler wiederum für eine ganze Dekade prägen könnte", erklärte etwa Ingo Speich, Portfoliomanager bei der an Daimler beteiligten Fondsgesellschaft Union Investment.

Für die Daimler-Vorstände Wolfgang Bernhard, Bodo Uebber, Hubertus Troska und Wilfried Porth, alle Mitte 50, wird das Alter durch Zetsches Verlängerung ein Minuspunkt, sollten sie den Vorstandsvorsitz anstreben. Der frühere Daimler- und jetzige VW-Nutzfahrzeug-Manager Andreas Renschler hatte das bei seinem Weggang aus Stuttgart Anfang 2014 offen ausgesprochen. Deshalb richteten sich die Blicke auf die jüngere Riege der Top-Manager, die Daimler im vergangenen Jahr zu Bereichsvorständen machte - neben Källenius noch Produktionschef Markus Schäfer und Einkaufsmanager Klaus Zehender.

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Der Schwede Källenius hat bei Mercedes eine Bilderbuchkarriere hingelegt: Mit 24 Jahren in der Internationalen Nachwuchsgruppe eingestiegen, verantwortete er Entwicklung und Produktion von Formel-1-Motoren, leitete das US-Pkw-Werk Tuscaloosa und sorgte von 2010 bis 2013 für zweistelligen Absatzzuwachs bei der Veredelungstochter Mercedes-AMG. Källenius sei ein begabter Verkäufer und Menschenfänger, könne zugleich aber seine Ziele hartnäckig durchsetzen, erklärte ein Insider: "Ola hat keine Feinde, der nimmt die Leute in den Arm." Sein einziger Makel: In Stockholm und St. Gallen hat er Internationales Management sowie Finanz- und Rechnungswesen studiert - er ist also kein Ingenieur. Den Ritterschlag vom Chef erhielt er 2013 beim Aufstieg zum Mercedes-Benz-Vertriebschef trotzdem. Kallänius sei "ein echter Car-Guy", erklärte Zetsche damals.

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