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Genfer Autosalon Volkswagen zwischen Zukunft und Vergangenheit

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Sturm hat sich etwas gelegt

Erst wenige Stunden zuvor hatte EU-Justizkommissarin Vera Jourova dem "Handelsblatt" in den Notizblock diktiert, dass Volkswagen gegen europäische Verbraucherschutzgesetze verstoßen habe und man nach sechs Monaten ergebnisloser Gespräche über eine Entschädigungen von Kunden auch in der EU über Zwangsmaßnahmen und Strafzahlungen reden müsse. Pötsch ("Ich bin ein Mensch, der auf Fakten Wert legt") hingegen sieht keinen Handlungsbedarf: "Die Faktenlage in Europa", konterte er, "ist eine andere als in den USA".

Die Fahrzeuge der US-Käufer müssten umfangreich nachgerüstet werden, um die Abgasgesetze zu erfüllen. Und nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Autos nach der Maßnahme ihre Charakteristik verändern, was sich auf den Restwert auswirken könne. In Europa hingegen werde lediglich eine neue Software aufgespielt, die keinerlei Auswirkungen auf das Fahrverhalten oder den Kraftstoffverbrauch habe.

"Die meisten Kunden merken es nicht einmal, wenn wir bei einem Werkstattaufenthalt die neue Software aufspielen." Gleichwohl, so kündigte Pötsch an, werde man die Gespräche mit der EU fortsetzen. Was dabei herauskomme, vielleicht eine Garantieverlängerung für die betroffenen Fahrzeuge, könne er aber noch nicht sagen.

Ein 360-Grad-Blick auf den VW Arteon beim Genfer Autosalon





Auch in den USA, ließ der VW-Chefaufseher durchblicken, ist die Kuh noch längst nicht vom Eis. Die von Audi vorgeschlagene technische Lösung für die Abgasprobleme der großvolumigen Dieselmotoren mit drei Liter Hubraum habe noch keine Freigabe durch die US-Zulassungsbehörden. Und bei einem Gerichtstermin am 10. März in Detroit, werde zwar möglicherweise der mit den US-Umweltbehörden geschlossene Vergleich für die Zweiliter-Diesel final bestätigt und ein Aufseher ("Monitor") für VW ernannt. Gleichwohl liefen die Ermittlungen weiter - auch intern. So untersucht die vom so genannten Dieselausschuss des Aufsichtsrats beauftragte Anwaltskanzlei Gleiss Lutz immer noch, was dem Konzern gesellschaftsrechtlich drohen könnte und ob Organe Pflichtverletzungen begangen haben.

Daraus könnten sich wiederum Schadenersatzklagen des Konzerns gegen ehemalige oder möglicherweise auch noch aktive Mitarbeiter ergeben. Namen mochte Pötsch in dem Zusammenhang zwar nicht nennen. Er deutete aber an, dass der Personenkreis, den man im Visier habe, größer sei als bisher bekannt und über jene Manager und Ingenieure hinaus gehe, die bereits freigestellt wurden. Aus "ermittlungstaktischen Gründen" habe man bislang darauf verzichtet, die Personen zu beurlauben.

Auch Wolfgang Porsche, VW-Großaktionär und Leiter der Dieselkommission im Aufsichtsrat, mag deshalb noch keine Entwarnung geben. Zwar hätte sich der Sturm etwas gelegt, räumte er im Gespräch mit Pressevertretern ein. Und dass die Kunden den Marken des Konzerns die Treue hielten, freue ihn wirklich sehr. Aber dass aus dem Aufsichtsrat durch Indiskretionen immer wieder vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangten, die dem Unternehmen schadeten ("ein Unding"), zeige, dass längst noch nicht alles wieder in Ordnung sei.

Ein 360-Grad-Blick in VWs neue Top-Limousine Arteon





Vor allem das Verhalten seines Cousins Ferdinand Piech könne er sich nicht erklären: Nach Medienberichten soll dieser bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt haben, dass er den früheren Vorstandschef Martin Winterkorn schon früh auf ein "großes Problem in den USA" hingewiesen habe. Er habe sich darüber aber weder mit Piech austauschen können noch hätten die Untersuchungen der Anwaltskanzlei Jones Day Hinweise gefunden, die die Darstellung des früheren Konzern- und Aufsichtsratschefs stützten.

Und was Piech letztlich ausgesagt habe, so Porsche mit einem Kopfschütteln, wisse man auch nicht, da die Staatsanwaltschaft den Ermittlern des Konzern keine Akteneinsicht gebe. So vermittelt der VW-Markenabend den Eindruck eines Autokonzerns, der vor Innovationsfreude strotzt und auch zu einer neuen Unternehmenskultur findet, aber von den Sünden der Vergangenheit immer wieder eingeholt wird. Und der Ballast lässt sich leider nicht so einfach abwerfen. Dieser Zauberknopf muss erst noch erfunden werden. 

Eine Luxuslimousine in Kombi-Form
Porsche Panamera Sport Turismo Quelle: Porsche
Porsche Panamera Sport Turismo Quelle: Porsche
Porsche Panamera Sport Turismo Quelle: Porsche
Porsche Panamera Sport Turismo Quelle: Porsche
Porsche Panamera Sport Turismo Quelle: Porsche
Porsche Panamera Sport Turismo Quelle: Porsche
Porsche Panamera Sport Turismo Quelle: Porsche

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