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Georg Schaeffler Vom gescheiterten Kronprinz zum reichsten Deutschen

Georg Schaeffler steht bewusst im Schatten seiner Mutter Maria-Elisabeth. Auf den Beinahe-Ruin folgte die Wiederauferstehung – der Erfolg, den die aktuellen Jahreszahlen belegen, lässt die Kritiker verstummen.

Georg Schaeffler steht gerne im Schatten seiner Mutter Quelle: dpa

Oft ist der Grat zwischen einer krachenden Niederlage und einem grandiosen Triumph ein schmaler. Georg Schaeffler kann ein Lied davon singen. Gestern drohte der Beinahe-Ruin und der Verlust des Familienunternehmens. Heute gehört dem 50-Jährigen das größte Privatvermögen Deutschlands. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzt seinen Reichtum auf fast 27 Milliarden Dollar.

Trotz – oder gerade wegen – seiner außergewöhnlichen Stellung in Deutschlands Wirtschaftselite scheut Georg Schaeffler die Öffentlichkeit. Die größte Bühne überlässt er seiner dominanten Mutter Maria-Elisabeth. Ihr Gesicht wird – im Positiven wie im Negativen – mit dem Familienunternehmen aus Herzogenaurach verbunden, obwohl Sohn Georg inzwischen 80 Prozent der Anteile hält. Die restlichen 20 Prozent sind im Besitz von Maria-Elisabeth.

Die größten deutschen Autozulieferer

Die positiven Schlagzeilen, das war die Erfolgsgeschichte des von Georgs Vater aufgebauten Familienunternehmens. Nach dessen Tod im Jahr 1996 schrieben Ehefrau und Sohn Schaeffler das deutsche Mittelstands-Märchen weiter fort. Mit gezielten Zukäufen baute der einstige Hersteller von Nadellagern sein Angebot sukzessive aus und entwickelte sich zu einem breit aufgestellten Maschinenbau-Konzern, mit der deutschen Autoindustrie als wichtigsten Kunden.

An Continental verhoben

Die negativen Schlagzeilen stammen aus dem Jahr 2008, als Maria-Elisabeth in Kitzbühel im Pelzmantel auf Champagnerpartys mit Häppchen feierte, während zu Hause Tausende Angestellte um ihre Jobs zitterten. Aus der wohlhabenden, aber stets fürsorglichen Familienunternehmerin war in den Medien die kalte Zockerin geworden. Doch wie konnte es soweit kommen?

Rückblick: Im Sommer 2008 planen Maria-Elisabeth und Sohn Georg die nächste Übernahme. Über geschickte Finanzgeschäfte sichern sich die Schaefflers den Zugriff auf 36 Prozent des Automobilzulieferers und Reifenproduzenten Continental. Schaeffler unterbreitet den restlichen Aktionären ein Kaufangebot mit dem Ziel, den eigenen Anteil auf knapp 50 Prozent auszubauen. Doch dann ging etwas gewaltig schief.

Die 30 Besten des deutschen Mittelstands
Produktion bei Ensinger Quelle: Presse
Sennheiser Produktion Quelle: Presse
Screenshot der Adva-Internetseite Quelle: Screenshot
Schiffsschraube Quelle: PR
Das Pfeiffer Vacuum Firmengebäude Quelle: Pfeiffer Vacuum Pressebild
Frank Blase, der Geschäftsführer von igus. Quelle: Presse
Armaturen in der Fertigung von Hansgrohe Quelle: REUTERS

Genau in diesen Tagen kam die Lehman-Pleite, weltweit stürzten die Kurse ab. Schaeffler wurden viel mehr Aktien angedient als geplant, und die Gruppe musste rund 90 Prozent der Conti-Anteile übernehmen – zum Übernahme-Angebotspreis von 75 Euro, obwohl der Kurs auf 20 Euro gefallen war.

Die Commerzbank hielt zu Schaeffler

Quasi über Nacht hatte das Familienunternehmen knapp elf Milliarden Euro Schulden – bei einem Umsatz, der bis zum Ende des Geschäftsjahres 2009 auf 7,3 Milliarden Euro geschrumpft war und einem Gewinn von weniger als 400 Millionen Euro. Hinzu kamen die Conti-Altschulden von gut zehn Milliarden Euro aus der Übernahme der ehemaligen Siemens-Tochter VDO im Jahr 2007.

Für Mutter und Sohn Schaeffler steht nach der Übernahme das Familienvermögen auf dem Spiel. 2009 haben Schaeffler und Conti einen gemeinsamen Schuldenturm in Höhe von 23 Milliarden Euro angehäuft. Die Gläubigerbanken, allen voran RBS und Commerzbank, müssen die Zinsen stunden, um den Herzogenaurachern etwas Luft zu verschaffen.

Die zehn besten deutschen Mittelständler

Dass der Konzern der Pleite entging und Georg Schaeffler heute als reichster Deutscher auf der "Forbes"-Liste geführt wird, ist vor allem drei Dingen zu verdanken: Das Management trimmte mit einem harten Sparkurs die Unternehmen auf Effizienz. Dank des starken operativen Geschäfts hat sich der Aktienkurs von Conti seit 2012 von gut 50 Euro auf über 200 Euro mehr als vervierfacht. Und zu guter Letzt hielt die Commerzbank auch in den turbulenten Jahren zu seinen treuen Kunden.

Ironie des Schicksals: Heute könnte Schaeffler, obwohl vor einigen Jahren beinahe pleite, die Commerzbank mit seinem Privatvermögen locker aufkaufen.

Womit die Zulieferer zu kämpfen haben

2011 reduzierte Schaeffler seine Beteiligung von 75 auf gut 60 Prozent. Das drückte die Schuldenlast um mehr als zwei Milliarden Euro und ebnete Conti den Weg zurück in den Dax. Den Sprung schafften die Hannoveraner im September 2012. 2013 trennte sich Schaeffler von weiteren Conti-Aktien im Wert von fast einer Milliarde Euro – die Beteiligung liegt inzwischen bei 46 Prozent – und trug so nochmals einen großen Brocken des Schuldenbergs ab, der aktuell noch 5,8 Milliarden Euro beträgt. Entwickelt sich das Geschäft der Schaeffler Gruppe weiter wie bisher, kann der Konzern in wenigen Jahren schuldenfrei sein.

Am Donnerstag stellte Geschäftsführer Klaus Rosenfeld die aktuellen Zahlen vor. Der Automobil- und Industriezulieferer will mit weiter hohen Investitionen seinen Wachstumskurs beibehalten. Schon im vorigen Jahr hatte der Konzern seine Ausgaben für neue Technologien und Produktionsstätten um mehr als die Hälfte hochgefahren und damit dem Umsatz um acht Prozent auf 12,1 Milliarden Euro gesteigert. Die größere Autosparte habe von der guten Nachfrage in China und den USA profitiert. Das operative Ergebnis (Ebit) sprang um 51 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Damit verbesserte sich die Ebit-Marge auf 12,6 Prozent von neun Prozent im Vorjahr. Insgesamt gab Schaeffler im vergangenen Jahr 7,1 Prozent des Umsatzes für Investitionen aus. Diese Quote soll im laufenden Jahr erneut bei sechs bis acht Prozent liegen. Allerdings rechnet Schaeffler 2015 mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von fünf bis sieben Prozent. Die Ebit-Marge soll erneut zwischen zwölf und 13 Prozent liegen.

Für die meisten Mittelständler eine Bilanz zum träumen. Für ein Unternehmen, das gerade noch ums Überleben gekämpft hat, umso mehr.

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