Geplante Fahrverbote Der Diesel macht Ärger

Ein Verwaltungsgericht verhandelt heute über ein generelles Dieselfahrverbot in Stuttgart. Für Autohändler bleibt das nicht ohne Konsequenzen. Ein Testkauf.

Sind Dieselautos Ladenhüter? Quelle: Getty Images

Zwischen der Daimlerstraße und der Dieselstraße läuft es dieser Tage nicht so gut. Vor den Autohäusern, die sich hier im Osten Frankfurts Haus an Haus reihen, stauen sich die Autos und beim Gebrauchtwagenhändler am Eck herrscht auch dicke Luft. Dabei hat die Verkäuferin den Kunden schon fast überzeugt von dem Audi A3, der „phantomschwarz mit Perleffekt“ neben ihr steht. Doch dann kommen die Fragen nach dem Motor: Wie lange darf man mit dem Diesel denn noch in Stuttgart und München fahren? Und steckt da auch sicher keine Betrugssoftware unter der Haube? Die Verkäuferin hört die Fragen offenbar nicht zum ersten Mal. „Das ist doch alles nur Panikmache“, gibt sie barsch zurück. Und überhaupt: „München ist BMW-Land. Da kommt doch kein Fahrverbot für Diesel!“ Und wenn doch? „Dann fahren Sie eben außen herum.“

Außen herum fahren? Der Diesel, einst Star der deutschen Autobranche und Liebling sparsamer Lenker, fällt rasant in seinem Ansehen. In Verruf geraten durch die Schummel-Software, die Volkswagen und möglicherweise andere Autohersteller in ihre Autos eingebaut hatten, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren, droht dem Selbstzünder nun auch noch Unheil in deutschen Städten. Nachdem Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im Juni ein Dieselfahrverbot für seine Stadt erwogen hat, könnte Stuttgart nun ernst machen.

So verhandelt das Verwaltungsgericht Stuttgart am Mittwoch über ein mögliches Diesel-Fahrverbot für Baden-Württembergs Hauptstadt. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe wegen der Belastung der Luft durch Dieselabgase. Kommt der Verein mit seiner Forderung nach einem generellen Diesel-Fahrverbot für Stuttgart durch, könnte das den Anstoß für massenhafte Diesel-Fahrverbote geben. Es wäre wohl der Beginn vom endgültigen Ende des Selbstzünders.

Wie dreckig sind moderne Verbrenner?
Mercedes-Benz S-Klasse Quelle: Daimler
Audi A4 Avant Quelle: Audi
Audi A4 Avant Quelle: Audi
BMW X1 Quelle: BMW
BMW X1 Quelle: BMW
Mazda6 Quelle: Mazda
Mazda6 Quelle: Mazda

In den Zulassungszahlen hat sich der Imageverlust bereits manifestiert: Von 47 auf 40 Prozent ist der Anteil der Diesel-Neuwagen innerhalb von 12 Monaten gefallen. Doch wie gehen jene mit dem neuen Risikofall Diesel um, die ihn täglich bewerben und verkaufen sollen, die Autohändler? Wie gut ist der Diesel bei den Kunden noch angeschrieben und welche Folgen hätte das Stuttgarter Urteil? Bekommt man beim Kauf von Dieselfahrzeugen bereits Rabatte? Als Testkäufer hat sich die WirtschaftsWoche bei Frankfurter Autohändlern umgehört.

An einer Ausfallstraße von Frankfurt findet sich der Glaspalast eines Händlers von Volkswagen. Neben den glänzenden Neuwagen reihen sich die gläsernen Büros der Verkäufer. Freundlich schüttelt mir der Mann mit dem gestutzten Bart beim Eintreten die Hand. Die Farben in seinem Glaskasten scheinen mit den Lacken der ausgestellten Autos abgestimmt: Vom Hemd bis zum Ventilator scheint alles in weiß, schwarz oder metallisch gehalten.

Die Story, die ich dem Verkäufer erzähle, ist so einfach wie kompliziert: Mein Vertrauen in den Selbstzünder sei nach all den Skandalen erschüttert. Dennoch bräuchte ich etwas Sparsames für die Langstrecke. Ob er mir denn bei den drohenden Fahrverboten überhaupt noch zu einem Diesel raten könne, will ich wissen. Und haben andere Kunden denn auch solche Probleme beim Dieselkauf?

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%