Geschäftslage bei Daimler Zetsche setzt auf das Prinzip Hoffnung

Daimler-Chef Dieter Zetsche verspricht seinen Aktionären eine weitere Verbesserung der Geschäftslage. Der Mann ist ganz schön mutig.

Dieses Design soll wieder Lust auf Mercedes machen
Als er im März 2012 das neue Daimler-Werk im ungarischen Kecskemét eröffnete, schlug Daimler-Chef Dieter Zetsche energische Töne an: "Wir kennen unsere Herausforderungen und wir werden sie bewältigen", sagte er im Hinblick auf die Verkaufsrekorde im ersten Vierteljahr 2012, das bislang beste Auftaktquartal in der Historie des Unternehmens. "Bei uns herrscht ein Kampfgeist in der gesamten Organisation, um auch beim Absatzvolumen wieder der führende Hersteller von Premium-Automobilen zu werden." Dafür hat Zetsche die "Wachstumsstrategie 2020" für die Marke Mercedes, für Produkte, Profitabilität und Absatz ausgerufen. Mercedes soll in seinen Kernwerten (Faszination, Perfektion, Verantwortung) gestärkt und mit neuen Modellen jünger positioniert werden. Für frische Emotionen sorgt zum Beispiel der CLS Shooting Brake, ein aufregendes Nischenmodell mit der Anmutung eines Kombi-Coupés ... Quelle: Pressefoto
Das neue Werk in Kecskemét wird im Produktionsverbund mit den Fabriken in Rastatt und China die neue Mercedes B-Klasse herstellen. Diese soll künftig nicht mehr in nur zwei, sondern in fünf Varianten gefertigt werden. Dadurch soll das Modell in der Kompaktklasse eine höhere Profitabilität erreichen. Bis zum Jahr 2015 wird die Fahrzeugfamilie entscheidend verjüngt werden, dafür wird die dritte Produktoffensive der jüngeren Mercedes-Geschichte gestartet. Im Kern der Ertragsüberlegungen befindet sich hier die profitträchtige Oberklasse, die von zur Zeit drei auf sechs Varianten ausgebaut wird. "Cool und grün werden friedlich miteinander leben können", sagte Zetsche und verwies damit auf Maßnahmen zur weiteren Reduzierung der Fahrzeugverbräuche und der Kohlendioxidemission. Quelle: obs
Lust auf Zukunft machten den Käufern auch die runderneuerten Modellreihen. Allen voran brummt die flammneue B-Klasse. Sie ist noch gar nicht richtig im Markt, da gibt es schon über 100.000 Aufträge für das kompakte Raummodell, und im September unterfüttert die neue A-Klasse mit jugendlichem Dynamik-Design die Rekordzahlen ... Quelle: Pressefoto
Die neue A-Klasse: Auf dem Weg an die Spitze im Premium-Segment rechnet Zetsche mit wachsenden Autoverkäufen weltweit. Nach den Prognosen sollen die Absatzzahlen von Neuwagen von 60 Millionen Einheiten 2011 auf 100 Millionen Einheiten 2020 ansteigen. Der bestimmende Faktor in der Wachstumsstrategie von Daimler bleibt China. Heute ist es schon der größte Automarkt und soll sein Volumen bis 2020 verdoppeln. Im 2014 will Mercedes mehr als 1,5 Millionen Einheiten und 2016 mehr als 1,6 Millionen Fahrzeuge verkaufen. 2011 waren es 1.279.100 Fahrzeuge. Quelle: Pressefoto
Erste Erfolgsmeldungen für die A-Klasse gibt es bereits. Im Vorfeld schwächer erwarteter Quartalszahlen teilte Mercedes-Benz am 24.07.2012 mit, für das Modell, das bei 24.000 Euro startet, lägen bereits 40.000 Bestellungen vor, die Produktionskapazitäten würden erweitert. Die A-Klasse gilt als wichtiger Wettbewerber in der besnders hart umkämpften Kompaktklasse gene den VW Golf der siebten Generation, der im September auf dem pariser Autosalon gezeigt wird und den bereits vorgestellten neuen Audi A3. Quelle: dpa
Mercedes will die neue A-Klasse auch als Stufenheck-Version auf den Markt bringen, allerdings nicht in Europa. Das berichtet "Auto Bild" und bezieht sich dabei auf Konzernkreise. Die Stuttgarter wollen mit der Limousine die Absatzchancen des Kompaktmodells in China und Indien erhöhen. Käufer auf diesen schnell wachsenden Märkten bevorzugen die klassische Limousinenform mit vier Türen und Stufenheck. Technik und Motoren (80 kW/109 bis 155 kW/211 PS) sind weitgehend identisch mit dem Schrägheck, das Kofferraumvolumen soll bei mindestens 500 Litern liegen. Die A-Klasse-Limousine wird frühestens in drei Jahren auf den Markt kommen und in China gebaut werden. Quelle: Auto-Bild/Larson
Wenn der neue Mercedes GL zum Jahresende 2012 bei den deutschen Händlern steht, können die Kunden zwischen zwei Motorvarianten wählen: dem GL 350 Bluetec 4Matic und dem GL 500 Bluetec 4Matic Blueefficiency. Die leicht veränderte Optik wirkt jetzt moderner. Immerhin hat Mercedes dem Luxus-SUV rund 100 Kilogramm Gewicht abtrainiert. Der Siebensitzer fällt äußerlich durch seinen großen unteren, trapezförmigen Grill und die leicht abgerundeten Scheinwerfer auf. Neue Rücklichter am Heck, die jetzt weit bis in die Heckklappe reichen, und eine nach hinten ansteigende hintere Seitenscheibe prägen das Bild der Flanken. Optisch ist die Überarbeitung des SUV eher dezent ausgefallen. Quelle: Pressefoto
Zum Marktstart der neuen GL-Klasse stehen drei Modelle zur Auswahl: der GL 350 BlueTec 4Matic mit V6-Dieselmotor (190 kW/258 PS), der V8-Benziner GL 500 4Matic BlueEfficency (320 kW/435 PS) sowie der GL 63 AMG (445 kW/577 PS) mit V8-Biturbo-Benzinmotor. Die neuen Modelle bieten zahlreiche Ausstattungen serienmäßig, die beim Vorgänger nicht oder nur gegen Aufpreis lieferbar waren. Dazu zählen: ein elektrisch betätigtes Schiebedach, die elektrisch betätigte Heckklappe, das beidseitige "Easy Entry" für den bequemen Zugang zur dritten Sitzreihe, die wärmedämmende Frontscheibe oder die elektromechanische Lenkung. Der Einstiegspreis liegt bei 72.471 Euro. Quelle: PR
Der Liga der als eher gediegen geltenden Karosserieform "Kombi" beschert Mercedes-Benz mit dem CLS Shooting Brake sportlichen Zuwachs. Das elegante Coupé mit Kombi-Heck soll bereits 2012 von den Bändern des Sindelfinger Werks rollen. Einen ersten Ausblick auf das ungewöhnliche Gefährt mit der wie ein Bogen gespannten Silhouette hatte Mercedes mit dem Concept Shooting Brake bereits 2010 in Shanghai gegeben. Das ausgestellte Showcar hatte einen neu entwickelten V6-Motor mit 3,5 Litern Hubraum und 225 kW/306 PS Leistung unter der Haube. Quelle: Pressefoto
Zwei Benzin-Motoren und zwei Diesel stehen beim CLS Shooting Brake zur Wahl, wobei sich jeweils die stärkere Version mit dem Allradantrieb 4Matic bestellt werden kann. Alle Modelle sind mit dem Automatikgetriebe 7G-Tronic Plus ausgestattet. Quelle: PR
Der Vierzylinder-Diesel im  CLS  250 CDI mit 2143 ccm Hubraum leistet 150 kW / 204 PS und verbraucht auf 100 km im Schnitt nach EU-Norm 5,3 Liter. Er beschleunigt in 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht 235 km/h Höchstgeschwindigkeit. Quelle: PR
Später im Jahr soll eine AMG-Variante das Spektrum erweitern. Mit der Motorenpalette sind beim Shooting Break Geschwindigkeiten zwischen 235 und 250 km/h möglich. Der Verbrauch liegt zwischen 5,3 Litern Diesel und 9,8 Litern Benzin auf 100 Kilometer. Das entspricht CO2-Werten von 139 bis 229 g/km. Alle Motoren sind an eine Siebengang-Automatik gekoppelt, eine Start-Stopp-Funktion ist serienmäßig. Den jeweils stärkeren Motor in beiden Fraktionen gibt es auch mit Allradantrieb. Quelle: PR
Mercedes CLS Shooting Brake Quelle: PR
Mercedes CLS Shooting Brake Quelle: PR
Noch einen Schritt weiter gehen die Stuttgarter mit einer neuen coupéhaften Kompaktlimousine mit Stern: Stilistisch erinnert die Mercedes-Studie Concept Style Coupé an den CLS, sie ist aber rund 30 Zentimeter kürzer. Vier Türen an einem Fließheck, so die Botschaft, wird es künftig auch im Kompakt-Segment geben. Erstmals gezeigt wird das Concept Car auf der Messe Auto China in Peking, und es deutet künftige Linien von Daimlers Mittelklasse an ... Quelle: Pressefoto
Im Innenraum der Studie "Concept Style Coupe" hat Mercedes alles hochwertige, ein wenig futuristische und sportlich-luxuriöse hineingepackt. Quelle: Pressefoto
Stilistisch orientiert sich das neue Modell am etwa 30 Zentimeter längeren CLS auf Basis der E-Klasse. Technisch wird der Viersitzer den Baukasten von A- und B-Klasse mit einer neuen Generation von Vierzylindermotoren, Frontantrieb und Doppelkupplungsgetriebe nutzen. Die Messestudie fährt dagegen als erstes Auto in der kompakten Modellfamilie von Mercedes mit Allradantrieb. Unter der Haube steckt ein 2,0-Liter-Motor mit 211 PS. Zur neuen Mercedes-Linienführung mit viel auffälligeren Sicken und Kanten schreibt das Marketing: "Der Pulsschlag einer neuen Generation wird unüberhörbar: Mercedes-Benz präsentiert mit dem Concept Style Coupé ein überzeugendes Statement für avantgardistisches Design sportlicher Coupés im Mittelklasse-Segment. Das viertürige Coupé ist ein Stil-Rebell. Nonkonform, provokant und maskulin." Realistischer ist indes, dass die Stuttgarter den 4,64 Meter langen Viertürer als bereits seriennah bezeichnen. Mit anderen Felgen, richtigen Außenspiegeln und Türgriffen und etwas reduzierter Ausstattung dürfte der Wagen deshalb im nächsten Jahr in den Handel kommen. Quelle: Pressefoto
Mercedes bringt 2014 laut "Auto Bild" die neue C-Klasse auf den Markt. Neu ist dabei vor allem die Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen, mit der die C-Klasse bei voller Bestückung fast schon allein fahren könnte. Preislich soll sich das neue Modell am Vorgänger orientieren, das derzeit als Limousine mindestens 33 025,25 Euro kostet. Geplant sind zunächst vier Varianten: Stufenhecklimousine, T-Modell Kombi, CLK Coupé und CLK Cabriolet. Hinzu kommt möglicherweise ein sogenannter Midsize Sports Tourer, kurz MST genannt. Das große Geschäft muss die neue C-Klasse wieder als Viertürer und T-Modell machen. Deshalb verzichtet Mercedes beim Design auf übertriebene Elemente, setzt auf ausgewogene Formen und die klassische Fensterlinie mit Steg in den hinteren Seitenscheiben. Damit die C-Klasse nicht langweilig aussieht, wird unter anderem der Kühler markanter gestaltet – es soll ihn in drei Ausführungen geben. Beim neuen T-Modell wächst das Gepäckraumvolumen von 485 Liter auf 500 Liter. Die Vierzylinder dominieren zukünftig in der C-Klasse. Der V6 überlebt nur als Hybrid, wobei Kunden zwischen einem konventionellen Hybriden mit zusätzlichen 27 Elektro-PS und einem Plug-in-Hybriden mit 68 Elektro-PS wählen können. Die Benziner leisten zwischen 115 kW/156 und 155 kW/211 PS, die Dieselmotoren zwischen 80 kW/109 und 150 kW204 PS. Die Automatik verfügt künftig über neun statt bislang sieben Fahrstufen. Quelle: Pressefoto
Den 60. Geburtstag der SL-Baureihe (hier im Bild) feierten die Schwaben mit einer Neuauflage, der luxuriöse Zweisitzer erhält eine Aluminium-Karosserie. Quelle: Pressefoto
Fans von Mercedes-Benz können sich in den kommenden vier Jahren auf zehn weitere Modelle mit einem Stern auf der Haube freuen. So sollen zum Beispiel ein weiteres SUV, zusätzliche Varianten der S-Klasse und der CLS Shooting Break das Angebot erweitern. Das geht aus einem Brief von Daimler-Chef Dieter Zetsche an die Belegschaft hervor, der von "Automotive News Europe" zitiert wird. Dem Fachblatt zufolge handelt es sich bei dem neuen SUV um ein M-Klasse Coupé das unter dem Namen MLC auf den Markt kommen könnte. Zudem sei ein S-Klasse Cabrio geplant, das sich an der in Detroit im Jahr 2007 gezeigten Studie Ocean Drive orientiert. Quelle: Pressefoto

Die Daimler-Aktie lag in den vergangenen Wochen gut im Rennen. Große Banken wie UBS, die Commerzbank und Nomura hatten das Papier zum Kauf empfehlen und ein Kursziel von bis zu 60 Euro ausgerufen. Vielleicht waren es die positiven Einschätzungen der Analysten, vielleicht auch Insider-Kenntnisse, die Konzernchef Dieter Zetsche vor einigen Tagen bewogen, für über eine Million Euro 22.000 Aktien des eigenen Unternehmens zu erwerben. Zetsche, so die Botschaft, ist positiv gestimmt und greift selbst bei einem ambitionierten Aktienkurs zu. „Mit dem Aktienkauf“, formulierte es seine Presseabteilung, „unterstreicht Dieter Zetsche sein Vertrauen in eine nachhaltige und positive Entwicklung von Daimler.“

Doch zu Euphorie besteht kein Anlass. Das sehen offensichtlich auch die meisten Anleger so: Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des zweiten Quartals ging die Daimler-Aktie heute Morgen erst einmal wieder auf Talfahrt. Gewiss: Der Automobilkonzern hat sein Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdreifacht. Doch der Gewinnsprung ist allein dem Verkauf der restlichen EADS-Anteile zu verdanken. Bereinigt um den EADS-Verkauf ist der Quartalsgewinn je Aktie des Unternehmens aber von 1,39 Euro auf 1,25 Euro gefallen. Echte Erfolgsgeschichten sehen anders aus.

Und die Perspektiven für den Automobilkonzern für den Rest des Geschäftsjahres sind alles andere als rosig. Der deutsche und westeuropäische Automobilmarkt steckt in einer tiefen Krise: Die Wirtschaftsprobleme und die grassierende Arbeitslosigkeit in den Südländern der EU, das nachlassende Wirtschaftswachstum und die drohenden Steuererhöhungen in Deutschland nach den Wahlen haben die Nachfrage nach neuen Autos in den Kernmärkten von Mercedes und Smart im ersten Halbjahr einbrechen lassen. Und Experten erwarten frühestens in zwei Jahren eine Erholung. Und die Krise in den wichtigsten Schwellenländern weltweit hat dazu geführt, dass dort die Nachfrage nach Lastzügen und Bussen wenn nicht zurückgeht, so doch zumindest stagniert.

Die Folge ist eine heftige Rabattschlacht, die sich auch schon in der Daimler-Bilanz niederschlägt: Der Gewinn in der Nutzfahrzeugsparte sank um rund 100 Millionen Euro, im Geschäftsfeld Busse um 30 Millionen und im Pkw-Geschäft um 300 Millionen. In den kommenden Monaten wird  sich dieser Trend sicher noch verstärken. Daimler hat diese Entwicklung immerhin kommen gesehen und frühzeitig Programme zur Effizienzsteigerung aufgelegt, „Daimler Trucks #1“ und „Fit for Leadership“.

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