GM-Chef Akerson "Ich werde Opel nicht aufgeben"

General Motors bekennt sich zu Opel, liebäugelt mit BMW und will mit Cadillac den deutschen Markt der Premiumautobauer aufmischen. Ein üppiges Programm.

Dan Akerson Quelle: dapd

General-Motors-Chef Dan Akerson hat sich klar zu Opel bekannt: „Ich werde Opel nicht aufgeben“, betonte er am Dienstag bei einem Abendessen des GM-Konzerns. Es gebe beim europäischen Ableger von GM einiges zu tun, um ihn in die Spur zu bringen, aber GM habe „genügend Geld, um Opel zu halten und zu verbessern“.

Die Marke Opel sei eine wichtige regionale Marke, die einen festen Platz im Konzern habe, sagte Akerson der WirtschaftsWoche. Damit trat der GM-Chef immer wieder aufflammenden Gerüchten entgegen, dass General Motors zu einem Verkauf der derzeit defizitären Konzerntochter bereit wäre. Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende von Fiat und Chrysler, Sergio Marchionne, vor Journalisten gesagt, er würde potenziellen Partnern die Tür nicht verschließen, wenn er gefragt würde, ob er an Opel interessiert wäre. Girsky erklärte jedoch, er habe am Sonntag mit Marchionne gesprochen. Ein möglicher Verkauf von Opel sei nicht zur Sprache gekommen.

GM-Marketing-Chef Joel Ewanick sagte: „Opel bleibt eine Regionalmarke mit klarem Fokus auf Europa.“ Das heiße nicht, dass die deutsche Tochter nicht auch außerhalb Europas Autos verkaufen dürfe. Dies geschieht zur Zeit nur in sehr geringen Stückzahlen etwa in China, Chile, Australien oder Israel.

Wie sich deutsche Autobauer in Asien schlagen

Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken. "China schaltet einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem "Focus". Bisher war der VDA von sechs Prozent ausgegangen. Was das für die deutschen Hersteller bedeutet, sehen Sie in dieser Übersicht. Quelle: dpa
Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von "moderatem Wachstum" ausgegangen, jetzt spricht das VW-Management nur noch von einer Zahl "auf dem Niveau des Vorjahres". Quelle: dpa
Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit "nur" 274.000 verkauften Audis nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (+2 Prozent) sieht es für die geplanten 600.000 Verkäufe bis Jahresende schlecht aus. Chinesischen Medien schreiben, Audi habe das Ziel auf das Vorjahresniveau gesenkt, davon berichteten Händler. Seinen rund 400 chinesischen Vertragspartnern hat Audi Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 193 Millionen Dollar zugesagt. Wegen der schwachen Nachfrage in China hat Audi hat seine weltweiten Absatzziele für 2015 zurückgeschraubt. Statt einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent rechnet Audi nur noch mit drei bis vier Prozent. Anfang des Jahres glaubte Audi-Chef Rupert Stadler noch an ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Quelle: AP
BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
Trotz der "neuen Normalität", wie der ehemalige BMW-Chef Norbert Reithofer das abgeschwächte Wachstum nannte, die Pläne sind längst gemacht. Die Bayern produzieren künftig sechs statt drei Modelle für den lokalen Markt. Die Kapazitäten im Werk Shenyang wachsen um 100.000 auf 400.000 Autos jährlich. Bisher machen die in China gefertigten Pkw knapp 13 Prozent der weltweiten BMW-Produktion aus, 14.000 Mitarbeiter in China sind daran beteiligt. Erst kürzlich hat der Münchener Premiumhersteller die Kooperation mit Joint-Venture-Partner Brilliance bis 2028 verlängert. Der wiederrum hat am 13. Juli 2015 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Für das erste Halbjahr sei ein Einbruch von 40 Prozent zu erwarten. BMW legt am 4. August seine Halbjahresbilanz vor. Quelle: REUTERS
MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS
Daher steht auch für Daimler-Chef Dieter Zetsche der Ausbau der Produktion von Ort an erster Stelle. Die Schwaben fertigen von allen deutschen Herstellern noch am wenigsten vor Ort. Im einzigen chinesischen Mercedes-Werk in Peking (10.000 Mitarbeiter) laufen C-Klasse, die Langversion der E-Klasse, GLK und GLA vom Band. Zusammen ergibt der Werksoutput erst sieben Prozent aller weltweit produzieren Mercedes-Pkw. Die Kapazität des Werks soll bis Jahresende auf 200.000 Stück jährlich wachsen. Rund vier Milliarden Euro will Zetsche gemeinsam mit Joint-Venture Partnern BAIC investieren. Quelle: dpa

Kritiker sehen darin einen entscheidenden Grund dafür, dass Opel nicht aus den roten Zahlen kommt. Dieses Argument lässt Ewanick nicht gelten: „Wir müssen die Preisgestaltung, die Kapazitäten und die Produkte optimieren, dann wird alles perfekt laufen.“ Das Ziel für Opel sei, die Marke in Europa voranzubringen und speziell in Deutschland dem Konkurrenten VW Anteile abzunehmen.

Ausdrücklich lobte Akerson die Stärken der europäischen Konzernmitarbeiter und unterstrich zugleich die globale Bedeutung Europas. „Ich danke Gott für Europa“, sagte der Akerson. Ein Zerfall Europas oder der Euro-Zone wäre aus globaler Sicht fatal, so Akerson, dies sei aber auch kein realistisches Szenario. Die Europäer seien „viel zu intelligent, um das zuzulassen.“

Wasserstofftechnik von GM ist für BMW interessant
Offenbar kann General Motors bald mit technologischer Unterstützung aus Europa rechnen: Akerson bestätigte indirekt einen Bericht der WirtschaftsWoche, wonach es eine Zusammenarbeit von BMW und GM beim Wasserstoffantrieb geben wird. BMW hat es auf die GM-Technik abgesehen, weil die Bayern mit ihrem Wasserstoffantrieb gescheitert sind. „Wir sind in Gesprächen über unsere Wasserstofftechnologie mit europäischen Herstellern“, sagte Akerson.

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