GM verdient mehr als erwartet Russland-Krise wirft Opel zurück - aber nicht um

Beim größten US-Autohersteller General Motors laufen die Geschäfte besser als von Experten erwartet. Die deutsche Tochter Opel bleibt allerdings in den Miesen.

Zehn Opel-Klassiker, die aus Bochum kamen
Im September 1963 feiert das Rekord „A“ Coupé Premiere. Einen Monat später startet das hier abgebildete Kadett „A“ Coupé mit 48 PS starkem 1,0-Liter-Motor. Gegenüber der Kadett Limousine bietet das Coupé 20 Prozent mehr Leistung  Quelle: Presse
1965: Im September feiert der Opel Kadett „B“ als Limousine, Caravan und Coupé Weltpremiere. Das flach abfallende Coupé-Heck erinnert an die Fastback-Modelle aus den USA und soll laut Opel schon im Stand Kraft und Geschwindigkeit suggerieren. Quelle: Presse
1965: Neues Opel-Flaggschiff wird das Diplomat V8 Coupé mit Karosserie von Karmann. Im Coupé debütiert ein 230 PS-V8-Triebwerk, das erst ein Jahr später für die Limousine lieferbar wird. Abgesehen vom Mercedes 600 avanciert der Diplomat so zum leistungsstärksten Serienautomobil aus deutscher Produktion. Quelle: Presse
1965 hatte Opel auf der IAA in Frankfurt die Studie Experimental-GT als Vorbote des zweisitzigen Sportcoupés Opel GT präsentiert. 1968 ist es endlich soweit: Die Produktion für den GT läuft an. Beworben wird die "Corvette des kleinen Mannes" später mit dem Spruch "Nur Fliegen ist schöner". Quelle: Presse
Ein besonderer Imageträger wird ab März 1970 das 150 PS starke Commodore GS/E Coupé mit D-Jetronic-Einspritzung. Quelle: Presse
1973: Im August debütiert der Kadett "C". Ab Herbst 1975 auch als GT/E Coupé mit 105 PS Leistung und schwarzgelber Kriegsbemalung. Heute ein gesuchter Klassiker. 1976 sorgte Walter Röhrl sorgt mit einem 220 PS leistenden Kadett "C" Coupé bei der Rallye Monte Carlo für Furore Quelle: Presse
1975 debütiert auf der IAA die zweite Generation des Manta, der erst jetzt zur ernstzunehmenden Sportwagenalternative wird, und u.a. gegen den Ford Capri antritt. 1978 kommt der Manta CC mit Heckklappe zur Auslieferung. Zehn Jahre später, 1988 läuft der letzte Manta vom Band. Quelle: Presse

Wieder einmal muss Opel-Chef Karl-Thomas Neumann tief-rote Zahlen verkünden. Fast 1,4 Milliarden Dollar (1,2 Mrd. Euro) setzte die US-Mutter General Motors (GM) im vergangenen Jahr in Europa operativ in den Sand. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr, als ein Verlust von 869 Millionen Dollar in den Büchern stand. „Das Gesamtergebnis ist leider immer noch deutlich negativ“, räumt Neumann ein. Kleinlaut wird der Manager deshalb aber keineswegs. Denn eigentlich läuft es für die Rüsselsheimer ganz gut, auch wenn die nackten Zahlen eine andere Geschichte erzählen. „Gemeinsam haben wir das operative Resultat von Opel/Vauxhall verbessert, die Verkaufszahlen gesteigert und Marktanteile hinzugewonnen, obwohl das Marktumfeld noch schwieriger geworden ist“, sagt Neumann.

Tatsächlich verkaufte Opel im vergangenen Jahr 1,17 Millionen Autos und damit so viele Autos wie seit 2011 nicht mehr. „Der Zuwachs von 3,4 Prozent ist fast doppelt so hoch wie der des Gesamtmarktes. Unser Marktanteil stieg auf 5,75 Prozent“, verkündet Neumann in einer Botschaft an die Mitarbeiter. Auch beim Umsatz legten die Rüsselsheimer zu. Auch 2015 startete vielsprechend: Auf ihrem wichtigen Heimatmarkt verkauften die Rüsselsheimer 9,2 Prozent mehr Autos als im Vorjahr - der deutsche Gesamtmarkt wuchs nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes nur um gut 2,6 Prozent. Deshalb rückt der Opel-Boss auch nicht von dem Ziel ab, 2016 wieder profitabel zu werden.

Opel in Bochum von 1962 bis 2014

Helfen dürfte, dass Opel die teure Schließung der Autofertigung in Bochum inzwischen verdaut hat. Der Schritt im Kampf gegen Überkapazitäten kostete rund 900 Millionen Dollar, davon allein 700 Millionen im vergangenen Jahr. Diese Sonderkosten fallen 2015 weg. Im vergangenen Jahr hat außerdem das Russland-Geschäft ein tiefes Loch in die Bilanz gerissen. Allein die Wechselkursschwankungen schlugen mit rund 200 Millionen Dollar zu Buche. „Zudem haben wir 2014 rund 20 Prozent weniger Autos in Russland verkauft als noch im Jahr zuvor“, betont Neumann.

Allerdings ist offen, wann die Russland-Krise überwunden werden kann. Deshalb hat Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer ernsthafte Zweifel, ob Opel 2016 tatsächlich wieder Gewinne einfahren kann. „Opel geht in die richtige Richtung. Aber wenn das Russland-Geschäft nicht anspringt, kriegt Neumann die schwarze Null nicht hin.“ Zumal die Bäume auch in Westeuropa nicht in den Himmel wüchsen.

Bisher lässt sich Neumann von diesen Problemen nicht aus der Fassung bringen: „Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir haben es wieder geschafft, unsere internen Ziele deutlich zu übertreffen - nun im achten Quartal in Folge.“ Die neuen Modelle liefen gut, das gelte für den Corsa genauso wie für den Mokka, den Adam oder den Insignia. Zudem wird im März der Kleinwagen Karl in Genf vorgestellt, der 9500 Euro kosten und neue Kunden an die Marke binden soll. Analyst Tim Urquhart von IHS Automotive ist jedenfalls überzeugt, dass der Karl den Opel-Absatz zusätzlich befeuern wird. Das dürfte auch die GM-Führung um Front-Frau Mary Barra erstmal beruhigen. Am Rande der Automesse in Detroit hatte Barry Opel gar als Vorbild für alle anderen Konzernmarken bezeichnet: „Die Marke Opel ist wieder auferstanden und hat ein großartige Zukunft. Sie zeigt, wohin sich der Konzern bewegt.“

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Denn GM hatte ein schwieriges Jahr. Der Konzern stand vor allem wegen eines Skandals um defekte Zündschlösser in den Schlagzeilen. Das Unternehmen musste Millionen von Fahrzeugen zurückrufen und räumt mittlerweile mindestens 51 Todesopfer durch Unfälle ein. Trotzdem zeigt die Bilanz, dass es insgesamt ein gutes Jahr war. Unter dem Strich verdiente GM immer noch 2,8 Milliarden Dollar (2,4 Mrd. Euro). Und die Kunden lassen sich von den Rückrufen nicht abschrecken: Weltweit verkaufte GM 2014 mehr Fahrzeuge als jemals zuvor. Mit 9,9 Millionen Autos und Trucks lag der US-Branchenprimus nur knapp hinter den Weltmarktführern Toyota und Volkswagen. GM-Chefin Mary Barra betont: „Wir sind alle Herausforderungen entschlossen angegangen.“

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