Gute Quartalszahlen Daimler profitiert von neuen Modellen

Daimler hat im ersten Halbjahr einen neuen Rekordabsatz eingefahren - vor allem dank neuer Modelle. Das zahlt sich jetzt auch im Gewinn aus.

Die neue S-Klasse
Verhüllt vor der Weltpremiere in Hamburg: Daimlers Flaggschiff S-Klasse soll neben einem geringen Verbrauch vor allem durch einen hohen Sicherheitsstandard mit verschiedenen Fahrassistenzsystemen punkten. Quelle: dpa
Vor der Präsentation sitzen Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, und Franz Beckenbauer, ehemaliger Fußballer, schon mal auf den neuen Sitzen der S-Klasse Probe. Quelle: dpa
Durch das Programm des Abends führte Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers. Hier steht Dieter Zetsche während seiner Rede vor älteren Modellen. Quelle: dpa
Das erste Bild der neuen S-Klasse schwebt über der Bühne - gut sichtbar für alle Zuschauer. Quelle: dpa
Dann der lang ersehnte Augenblick: Mit Feuerwerk und einer Parade anderer Mercedes-Modelle rollt die neue S-Klasse auf die Bühne. Quelle: dpa
Strahlend präsentiert Zetsche den Hoffnungsträger des Konzerns. „Es gibt nichts geschenkt“, sagte er bei der Enthüllung. „Wir haben massiv in die neue S-Klasse investiert.“ Der Grund liege auf der Hand: Schließlich sei die S-Klasse „das wichtigste Symbol für den Ruf des Ganzen“. Quelle: dpa
Probesitzen für die Kameras: Ja, so gut fühlt man sich in der S-Klasse. Das Cockpit protzt mit edlen geschwungenen Formen und großen Displays. Daimlers großer Hoffnungsträger beherrscht die Hot-Stone-Massage und kann auf Wunsch unterschiedlich duften. Quelle: REUTERS

Daimler hat dank zahlreicher neuer Pkw-Modelle und Einsparungen den Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus dem laufenden Geschäft sei von April bis Juni zum Vorjahresquartal um zwölf Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Konzern am Mittwoch in Stuttgart mit. Der Umsatz erhöhte sich um sechs Prozent auf 31,5 Milliarden Euro.

Damit fiel der operative Gewinn besser aus als von Analysten erwartet. Sie hatten im Mittel ein bereinigtes Ebit von 2,39 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 31,75 Milliarden Euro vorhergesagt. Ein Vergleich mit den 4,6 Milliarden Euro Gewinn des Vorjahresquartals ist nur schwer möglich, da dieser durch den milliardenschweren Verkauf der EADS-Anteile positiv beeinflusst worden war.

Neue S-Klasse treibt Absatz in USA und China

"Wir wachsen profitabel, unsere Strategie trägt Früchte", sagte der Daimler-Vorstandsvorsitzende, Dieter Zetsche. "Wir kommen kontinuierlich auf unserem Weg voran. Mit dem zweiten Quartal sind wir zufrieden, wir arbeiten weiter konsequent an strukturellen Verbesserungen. Getragen von unserer Produktoffensive und der erfolgreichen Fortsetzung unserer Effizienzprogramme blicken wir optimistisch nach vorn."

Mit neuen Modellen wie der S-Klasse und der C-Klasse, dem meistverkauften Mercedes-Modell, und dem Kompakt-Geländewagen GLA hatte die Marke mit dem Stern im ersten Halbjahr einen Rekordabsatz eingefahren. Weltweit wurden von April bis Juni 628.900 Pkw und Nutzfahrzeuge abgesetzt, rund vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die in den vergangenen Jahren eingeführten Kompaktwagen wie die dritte Generation der A-Klasse oder deren Limousinen-Ableger CLA bringen zwar Stückzahlen, aber wenig Marge – genau dort hängt Daimler der Premium-Konkurrenz von Audi und BMW allerdings noch hinterher. Jetzt kommt aber auch der Gewinnbringer S-Klasse in Fahrt, von ihrem Oberklasse-Modell konnten die Schwaben im ersten Halbjahr rund 50.000 Exemplare verkaufen.

Sparprogramme der deutschen Autobauer

Insgesamt entfielen auf die Auto-Sparte im zweiten Quartal 418.700 Einheiten, auf den beiden wichtigen Märkten in den USA (81.900 Fahrzeuge, plus sieben Prozent) und in China (68.100 Fahrzeuge, plus 13 Prozent) konnte Daimler jeweils kräftig zulegen. In diesen Länder profitierten die Stuttgarter von der inzwischen weltweiten Verfügbarkeit der neuen S-Klasse, die im Mai 2013 zunächst auf einzelnen Märkten eingeführt wurde. Die renditestarken Verkäufe der Luxus-Limousine trieben die Umsatzrendite von Mercedes-Benz Cars von 6,4 auf 7,9 Prozent.

Audi und BMW sind bei der Rendite vorne

BMW und Audi verdienten im ersten Quartal dagegen 9,5 und zehn Prozent vom Umsatz. In diesen Verkaufszahlen liegt allerdings auch ein großes Risiko: Die Autos, die Daimler in China und den USA in der Zukunft verkaufen wird, werden immer häufiger vor Ort produziert, etwa in dem US-Werk Tuscaloosa oder den chinesischen Joint-Ventures in Peking und Fuzhou. Von den deutschen Stadtorten aus wird dann der sehr volatile Markt in Europa bedient.

Bei Daimler Trucks fiel das Ergebnis regional sehr unterschiedlich aus. Während der Umsatz im Vorlauf auf die Euro-6-Abgasnorm etwas sank, legten die Verkäufe in der Nafta-Region deutlich zu. Die renditestärkste Daimler-Sparte ist Mercedes-Benz Vans, hier betrug die Umsatzrendite im zweiten Quartal 9,7 Prozent (Vorjahr: 8,4 Prozent). Auch bei Absatz und Umsatz konnten die Vans zulegen. Das gilt zwar auch für Mercedes-Benz Busses, wenn auch auf deutlich geringerem Niveau: Der Quartalsbericht beziffert die Rendite auf 4,8 Prozent.

Das sind die leistungsstärksten Autobauer
Platz 16: PSA Peugeot CitroënSeit zehn Jahren erstellt das Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch-Gladbach den „Automotive Performance Index“, kurz API. Auf Basis von elf Indikatoren werden die 16 globalen Autobauer in den Bereichen „Finanzen“, „Markt“ und „Innovationskraft“ verglichen. Aus dem daraus erstellten Index lassen sich Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit der Konzerne ziehen – und das sieht bei PSA derzeit nicht gut aus. Besonders bei der finanziellen Performance und den Markterfolgen muss sich der Verbund von Peugeot und Citroën ganz hinten anstellen. Mut macht aber die Innovationskraft, hier liegen die Franzosen deutlich vor den direkten Wettbewerbern. Positiv: Aus der angelaufenen Kooperation mit Dongfeng (im Bild die chinesische Produktion) und der sich daraus ergebenden Stärkung in Fernost sowie den umfangreichen Restrukturierungen kann PSA allerdings den Anschluss an die Mitbewerber finden. Quelle: dpa
Plätze 15 bis 12Vor PSA drängelt sich ein dichtes Feld der sogenannten „Low Performern“, bestehend aus Suzuki (12), Mazda (13), Renault (14) und Mitsubishi (15). Besonders die kleinen japanischen Hersteller zeichnen sich durch eine gewisse Konstanz aus, wenn auch auf niedrigem Niveau: Bei ihnen sticht keines der drei untersuchten Hauptfeldern besonders hervor. Nur Renault kann, ähnlich wie PSA, eine höhere Innovationskraft aufweisen und so im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gutmachen. Quelle: REUTERS
Platz 11: FCAHinter dem Kürzel FCA verbirgt sich nichts anderes als der italienische Fiat-Konzern, allerdings mit den eingegliederten Teilen von Chrysler. Und genau diese Teile des Konzerns sind es, die FCA noch auf dem elften Platz des Auto Performance Index halten. Die gute Marktentwicklung der US-Tochter verhindert ein Abrutschen in die Gruppe der „Low Performer“. Die schlechte finanzielle Leistung lässt nicht nur Übernahmegerüchte wie jüngst durch VW gedeihen, die niedrige Innovationskraft stellt auch keine nachhaltige Besserung der Lage in Aussicht. Wie lange sich Fiat-Chrysler noch unter den „Medium Performern“ halten kann, ist unklar. Quelle: REUTERS
Plätze 10 bis 8Wohin steuert Firmenchef Carlos Ghosn Nissan? Im API aus Konzernsicht in die falsche Richtung: Die CAM-Studie listet die Japaner nur noch auf Rang zehn, ausgerechnet die japanische Konkurrenz Subaru ist vorbeigezogen. Auf Rang 8, der letztes Jahr noch Ford gehörte, ist jetzt noch ein Japaner abgerutscht – Honda. Quelle: dpa
Platz 7: Hyundai-KiaVor einigen Jahren wurden die Koreaner noch als gefährlichster VW-Herausforderer gesehen, doch auch Hyundai-Kia muss den Jahren des Aufschwungs etwas Tribut zollen: Nach zahlreichen neuen Modellen ist die Innovationsstärke zuletzt gesunken, ebenso die Arbeitsproduktivität. Auch kann Hyundai das hohe Absatzwachstum der letzten Jahre nicht halten und entwickelt sich nur mit dem Markt, was aber immer noch ein Plus von sechs Prozent bedeutet. Mit Rang sieben sind die Südkoreaner allerdings auf den schlechtesten API-Rang der letzten Jahre abgerutscht (2011/12= Rang 4; 2012/13: Rang 5). Quelle: REUTERS
Platz 6: General MotorsNoch hat sich das Rückruf-Debakel nicht spürbar auf die Performance von General Motors ausgewirkt, nach wie vor belegt GM Rang sechs. Damit liegen die Amerikaner weiter in der Gruppe der „Medium Performer“ – angesichts der Millionen-Rückrufe nicht schlecht, der Anschluss an Volkswagen und Toyota gerät so aber immer mehr in Gefahr. Quelle: dpa
Platz 5: FordFord gehört zu den größten Gewinnern des API 2014. Der Konzern konnte gleich drei Plätze gutmachen und wird jetzt auf Rang fünf gelistet. Grund für den größten Zuwachs des Rankings ist das Absatz-Plus in China, womit sich Ford an GM und Hyundai vorbeischieben kann. Quelle: dpa

"Unsere Geschäftslage ist zur Jahresmitte 2014 weiterhin erfreulich", sagte der Finanzvorstand Bodo Uebber. "Mit unseren neuen Produkten und den Resultaten von Mercedes-Benz Cars sowie Daimler Trucks haben wir im zweiten Quartal gezeigt, dass wir das hohe Wachstumstempo halten und die Profitabilität gleichzeitig verbessern. Mit unserer soliden Kapitalausstattung sind wir gegen Schwankungen gut gerüstet." Der Konzern bekräftigte seine Ziele für das Gesamtjahr: Der Umsatz sowie das Ebit in den Sparten Pkw und Lkw sollen 2014 deutlich steigen.

Milliarden-Investitionen gegen Zugeständnisse

Ein Teil der Gewinne ist auch auf die erste Stufe des Sparprogramms "Fit for Leadership" zurückzuführen. Vergangene Woche hatte Daimler-Chef Zetsche eine zweite Stufe angekündigt, die noch einmal 3,5 Milliarden Euro einsparen und sich deutlich im Ergebnis 2015 bemerkbar machen soll. Damit will Zetsche vor allem die Profitabilität in Europa verbessern, um für die mageren Jahre vorzusorgen – und die Arbeitsplätze abzusichern. Aus diesem Grund will Daimler offenbar auch seine deutschen Werke mit Milliardeninvestitionen aufrüsten.

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In die Standorte Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim und Gaggenau sollen in den kommenden Jahren über drei Milliarden Euro investiert werden, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet. Mit den geplanten Investitionen sollen Hallen erneuert und soll die Effizienz von Anlagen verbessert werden. "Werden die Pläne umgesetzt, haben wir moderne Werke", sagte ein Manager. Den Vergleich zu den neuen Fabriken im Ausland bräuchten die Standorte dann nicht mehr zu scheuen.

Im Gegenzug für die frischen Mittel verlangt das Management allerdings von den Mitarbeitern Zugeständnisse. Im Raum stünden etwa längere Arbeitszeiten, heißt es im Konzern. Mit Einsparungen bei den Lohnkosten möchten die Schwaben die Kosten über das bisher bekannte Maß hinaus senken – um rund zwei Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren. Das Unternehmen lehnte einen Kommentar dazu ab.

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